Drei Monate nach dem Krebs-Tod seines Sohnes

Hackerzelt-Wirt Roiderer: Sein schweres Wiesn-Finale

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Der tapfere Auftritt von Toni Roiderer (re. vorne) auf der Bühne. Links vorne seine Ehefrau Christl, hinter ihr Sohn Thomas.

München - Tausende Wunderkerzen sprühen Sterne in den Himmel der Bayern, die Gäste halten sich in den Armen. Für Toni Roiderer eine besonders schwerer Moment: Vor drei Monaten starb sein Sohn Markus (†33).

Die Beleuchtung ist ausgeschaltet, lauthals singen die Gäste „Sierra Madre“, dann „Heal the World“. Vielen Besuchern stehen Tränen in den Augen. Das Wiesn-Finale: Im Hackerzelt ist es jedes Jahr besonders emotional. Und heuer gilt das vielleicht noch mehr als sonst. Diese Minuten am Montagabend: Sie sind schwer für Wirt Toni Roiderer. Er hat vor drei Monaten seinen Sohn Markus verloren. Aber er steht tapfer auf der Bühne und winkt in die Menge, auch seine Frau und sein zweiter Sohn Thomas bleiben stark und lächeln.

Es knistert zum Abschied! Das Hackerzelt am Montag beim Wiesn-Finale: Die Gäste halten mehr als 3000 Wunderkerzen in die Höhe, oben leuchten Stern.

„Ich habe mir antrainiert, ein Schutzschild aufzubauen. Sonst zerreißt es einem das Herz - und ich hätte weinend auf der Bühne gestanden“, sagt Toni Roiderer tags darauf der tz. Leicht sei das freilich nicht gewesen: „Ich hab den Markus gedanklich oft vor mir stehen sehen während der Wiesn, ich wurde oft an ihn erinnert. Da hat halt einer aus unserer Familie gefehlt. Das war sehr schwer.“

Jahrelang hatte der Sohn die Familien-Metzgerei in Straßlach mitgeführt. Auf der Wiesn sorgte er dafür, dass immer frische Schmankerl da waren. Anfang des Jahres aber brach bei dem 33-Jährigen, der bereits vor acht Jahren einen Gehirntumor hatte, zum zweiten Mal Krebs aus. Innerhalb weniger Monate wucherten viele Tumore, die Ärzte konnten den jungen Mann nicht mehr retten. Markus starb friedlich im Elternhaus auf dem Sofa ein. Zu seiner Beerdigung kamen 1500 Gäste.

Die Freunde der Familie haben sich daran gewöhnt, dass die Familie noch Abstand braucht, um das Unfassbare zu verkraften. „Auch den Stammgästen auf der Wiesn habe ich signalisiert, dass ich nicht darüber reden kann - manche waren ohnehin taktvoll genug.“ Stattdessen investierten die drei Hinterbliebenen noch mehr Energie in die Arbeit. „Thomas hat heuer mehr Verantwortung übernommen. Auch ihm hat die Ablenkung gut getan.“

So schön! Das Wiesn-Finale 2011

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So gesehen ist es gut, dass die Wirtsfamilie diese Woche noch alle Hände voll zu tun hat auf der Wiesn: den Abbau überwachen, Termine mit Behörden und Büroarbeit. Erst im November gebt es dann in den wohlverdienten Urlaub auf die Kanaren.

Nina Bautz

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