Der Behördenhof:

Das Gehirn der Wiesn

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Alles im Blick: Die Polizei überwacht das Gelände nicht nur mit 200 Beamten, sondern auch mit Kameras.

Es gibt einen Ort auf der Wiesn, wo alle Fäden zusammenlaufen: den Behördenhof. Hier wird das größte Volksfest der Welt koordiniert. Polizei, Feuerwehr, Stadt, Rotes Kreuz – sie alle arbeiten unterhalb der Bavaria Tür an Tür. Ein Rundgang.

Er hat sich geprügelt. Sie hat zu viel getrunken. Er hat sein Handy verloren. Sie muss ihr Baby stillen. Das Zelt ist zu voll, der Gang zu eng, das Telefonnetz dicht. Auf der Wiesn gibt es täglich jede Menge Probleme – und eine Mannschaft hinter den Kulissen, die sie löst. Jetzt am Wochenende sind sie im Dauereinsatz. Ihre Basis: der Behördenhof.

Das Rote Kreuz

Die Sanitätsstation wird vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) betreut. Die gelben Tragen, mit denen die Teams durch das Gedränge hasten, gelten intern als das schnellste Verkehrsmittel auf der Wiesn. Zu Spitzenzeiten, sprich am Wochenende, arbeiten bis zu hundert ehrenamtliche Helfer gleichzeitig, dazu kommen die Einsatzleitung und die Ärzte. Rund 10 200 Patienten gab es während des vergangenen Oktoberfests. Ludwig Ossiander, 36, ist für die Einteilung der Helfer zuständig – und damit fängt er jedes Jahr zwei bis drei Monate vorher an, neben seinem Beruf als Verwaltungsleiter eines Forschungsinstituts und seinem Job als Vater von zwei Kindern. „Die meisten hier nehmen extra Urlaub“, sagt er. Die Schichtpläne für das Wochenende stehen längst – der Ansturm kann kommen.

Zusätzlich betreut das BRK noch die Kinderfundstelle im Behördenhof. Hierher werden verirrte kleine Wiesngäste gebracht – und Eltern können ihre Kleinen stillen und wickeln.

Die Feuerwehr

Brände gibt es auf der Wiesn so gut wie nie – trotzdem wird den Feuerwehrmännern nicht langweilig. Etwa 20 Beamte sind auf der Wiesn-Wache ständig verfügbar, dazu kommt die Besatzung aus den Wachen in der Nähe. Drei Löschzüge stehen im Behördenhof. Wenn etwas passiert, rücken sie aus und prüfen die Lage. Genauso wichtig: der vorbeugende Brandschutz. Hans Schwendemann, Leiter des Abschnitts Veranstaltungen, und Sachgebietsleiter Johannes Thomann sorgen mit ihrem Team dafür, dass gar nicht erst etwas passiert. Sie wissen, wie breit die Gänge in den Zelten sein müssen, wie viele Menschen rein dürfen – und prüfen, ob sich die Wirte daran halten. Mit einer speziellen Telefonleitung, an die alle Wirte und Behörden angeschlossen sind, kann die Leitstelle der Feuerwehr Unwetterwarnungen und andere wichtige Nachrichten schnell weitergeben. „Die Leitung ist unabhängig von anderen Telefonnetzen“, sagt Schwendemann. Nicht zuletzt hat die Feuerwehr Notärzte vor Ort und koordiniert den Rettungsdienst – etwa, wenn jemand von der Sanitätsstation oder aus dem Umfeld der Wiesn ins Krankenhaus gebracht werden muss.

Die Polizei

Auf der Wiesn-Wache der Polizei arbeiten nur Freiwillige – „wir haben mehr Angebot als Plätze“, sagt Peter Hartwich, Leiter der Wiesn-Wache. 200 Beamte sind auf der Wiesn im Einsatz, 300 im Umfeld. „Vor allem für junge Polizisten ist das ein Erlebnis“, sagt Hartwich. Die Beamten sehen im Behördenhof die Bilder der Kameras auf dem Gelände und können sofort reagieren. Der Vorteil der Wiesn: kurze Wege. Der Nachteil: „Die Stimmung kann ganz schnell kippen“, sagt Hartwich. „Zum Beispiel, wenn Reservierungswechsel ist.“ Dann herrscht noch größeres Gedränge – und nicht jeder will das Zelt tatsächlich verlassen. Kritisch wird es vor allem bei Gewaltdelikten im Zelt: „Wenn es eine Masskrugschlägerei gab, ist das für uns ein Tatort“, erklärt Hartwich. „Der muss gesichert werden, das kann ein, zwei Stunden dauern. Im Zelt ist es heiß, laut und die Leute wollen auf ihren Platz zurück. Das ist für die Beamten sehr belastend.“ Kraft schöpfe man aus positiven Erlebnissen – „manchmal kommen Leute her und bedanken sich für unsere Arbeit“, sagt Hartwich. Er selbst geht gerne morgens um 10 Uhr über die Festwiese – „dann ist alles noch sauber, alles ruhig.“

Die Festleitung

Wiesn-Chef Dieter Reiter hat heuer seinen ersten Einsatz direkt vor Ort – „das ist intensiver als ich dachte“, gibt er zu. Morgens um 9 Uhr kommt er in den Behördenhof, und meistens geht er erst heim, wenn die Zelte schließen. Pro Tag hat er bis zu zehn offizielle Termine, Besprechungen, Interviews – „es ist immer irgendwas.“

Die Stadt

Kreisverwaltungsreferat, Jugendamt, Stadtwerke – sie alle haben ebenfalls Büros im Behördenhof. „Die Idee war, dass alle, die am Oktoberfest beteiligt sind, nah beieinander sind“, sagt Dieter Reiter. „Man steht ständig in Kontakt.“

Das Fundbüro

Wenn eine lange Schlange vor dem Behördenhof steht, ist es kurz vor 13 Uhr – dann öffnet das Fundbüro. Bis zu 1000 Menschen, die auf der Wiesn etwas verloren haben, kommen täglich hierher. Leiterin Sabine Eisenhauer rechnet bis Sonntagabend mit etwa 2500 Fundstücken. Die Abholquote: gerade mal 15 Prozent. „Viele Leute sind nur kurz in München, dann bleiben die Sachen halt hier.“ Kuriosestes Stück bisher: ein Horn. Die Besitzerin aus Garmisch-Partenkirchen hat sich aber bereits gemeldet.

Ann-Kathrin Gerke

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