Frankenberger macht ein Jahr Bierzelt-Pause

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Sebastian Frankenberger: Nach dem Volksentscheid hatte er Grund zu Jubeln. Wo der Initiator des Nichtraucher-Volksentscheids zur Zeit auftaucht, ist er nicht besonders beliebt.

München - Der Initiator des absoluten Rauchverbots, will nach dem Zeltverbot beim Waldkirchner Volksfest, erst einmal eine Bierzelt-Pause einlegen. Sebastian Frankenberger im Interview:

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Viel Feind, viel Ehr – so hieß es schon unter alten Rittersleut. Wenn’s danach heute noch ginge, dann wäre Sebastian Frankenberger (28) derzeit wohl der angesehenste Bayer. Doch die Realität sieht anders aus. Wo der Initiator des Nichtraucher-Volksentscheids in diesen Tagen auftaucht, wird er beschimpft und bedroht. Deshalb hat er sich jetzt entschlossen, etwas aus der Öffentlichkeit abzutauchen: Ein Jahr lang will er kein Bierzelt mehr besuchen. Die tz sprach mit ihm.

Rauchverbote in den Bundesländern

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Herr Frankenberger, am 1. August gab’s für Sie ein Zeltverbot beim Volksfest in Waldkirchen, am 8. in Deggendorf. Zu ihrem eigenen Schutz, wie die Festwirte meinten, denn viele Raucher fühlten sich provoziert. Was wollten Sie denn in den Zelten?

Frankenberger: Ich wollte mir halt ein Bild davon machen, ob der Nichtraucherschutz auch umgesetzt wird.

Mit den Fernsehkameras als Begleiter, sah das aber eher aus, als wollten Sie ihren Triumph auskosten …

Frankenberger: Im Nachhinein muss ich zugeben, dass das ein Fehler war. Ich kann verstehen, wenn das falsch ankommt.

Wie war die Stimmung?

Frankenberger: Aufgeheizt. Für jedes Gegrölle gegen mich gab’s Applaus, von den Kraftausdrücken will ich gar nicht sprechen.

In Deggendorf sind sie gar nicht mehr ins Zelt gekommen.

Frankenberger: Die Security hat mich nicht reingelassen. Und als ich den Wirt sprechen wollte, hieß es, der wolle nicht mit mir reden.

War die Situation bedrohlich?

Frankenberger: Als ich mich umgedreht habe und gehen wollte, hat einer versucht, auf mich draufzuschlagen. Aber die Security hat ihn gestoppt.

Werden Sie auch ohne Kamerabegleitung erkannt?

Frankenberger: Meine Cousine hat am Samstag in Schwabing geheiratet. Selbst da wurde ich von Passanten angepöbelt Und letzte Woche in Rom.

In Rom?

Frankenberger: Dort war ich letzte Woche mit meinen Ministranten – und vielen anderen Bayern auch. Und da gab’s dann natürlich schon einige, die sich aufmandelten. Vor allem ein paar 16-, 17-Jährige.

Und ihre Ministranten?

Frankenberger: Die stehen voll hinter mir.

Trotzdem wollen Sie jetzt ein Jahr lang kein Volksfest mehr besuchen?

Frankenberger: „Ich muss niemanden provozieren. In einem Jahr wird sich die Lage beruhigt haben.

Schon mal daran gedacht, die Frisur zu verändern? Die langen Haare kennt halt jeder.

Frankenberger (lacht): Die langen Haare bleiben dran!

Ihre Handynummer steht in Internet, bleibt das auch so?

Frankenberger: Ja, auch wenn mancher Anrufer nur ein Wort reinbrüllt und wieder auflegt. Ich finde, als Politiker sollte man diesen Service bieten und erreichbar sein.

Haben Sie gar keine Angst?

Frankenberger: Ich bin grundsätzlich positiv eingestellt. Aber meine Eltern machen sich Sorgen und einige Freunde auch. Und, ich muss zugeben, ich hab auch schon einmal darüber nachgedacht, meine Dauerkarte beim FC Bayern zurückzugeben.

Vor kurzem hat Ihnen auch ein Wirtshaus im österreichischen Innviertel ein Hausverbot erteilt.

Frankenberger: Das hat mich tief getroffen. Das ist das Stammlokal der deutsch-österreichischen Gesellschaft, bei der ich Schriftführer bin. Dort darf ja geraucht werden … Ich versteh das nicht. dort war‘s immer witzig und gemütlich – und jetzt wird mir so etwas per Brief mitgeteilt.

Und wie geht’s Ihnen sonst?

Frankenberger: Ich arbeite als Fremdenführer in Linz, trete in Verkleidung auf. Zum Beispeil mit Barockperücke.

Wieso das?

Frankenberger: Ganz einfach, ich brauche dringend Geld.

WdP

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