Etikettenschwindel beim Wiesnhendl

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Sieht aus wie ein Wiesnhendl, geschmacklich kann das Konvektomaten-Giggerl aber nicht mithalten.

München - Sie gehören zum Oktoberfest wie das Bier: die Hendl vom Grill. Doch ausgerechnet im Musikzelt „Zur Schönheitskönigin“ auf der „Oiden Wiesn“, wo sich alles um Tradition drehen soll, kommen die Hendl aus einem sogenannten Konvektomaten.

Das Programm im Konvektomaten heißt immerhin „Grillhähnchen Wiesn“. Doch was aus dem ofenähnlichen Gerät im Musikzelt „Zur Schönheitskönigin“ kommt, schmeckt nicht nach einem Wiesnhendl. Das Fleisch ist zwar saftig, schmeckt aber wie bei einem Suppenhuhn und die Haut ist alles andere als knusprig. Denn obwohl ein „gegrilltes Giggerl“ für 9,90 Euro auf der Speisekarte steht, werden die meisten Hendl im Schönheitskönigin-Zelt nicht gegrillt. Sie kommen in den Konvektomaten – eine Mischung aus Ofen und Dampfgarer, wie er in vielen Großküchen steht. Ein einziger Grill steht noch vorn in der Küche, dort wo ihn die Gäste sehen können.

Wirtin Gerda Reichert findet die Hendl aus dem Konvektomaten unproblematisch. „Die Qualität ist besser“, sagt sie auf Nachfrage. Das Fleisch werde saftiger als am traditionellen Grill. „Ob es besser schmeckt muss jeder für sich entscheiden“, sagt die Wirtin. Auch die Beschreibung in der Speisekarte findet sie gerechtfertigt. „Es gibt im Konvektomaten ja eine Grillfunktion.“

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Für die Küchenmannschaft habe die neue Technik viele Vorteile: Die Hitze, die normalerweise vor dem Hendlgrill entsteht, fällt weg. Auch der Energieverbrauch sei beim Konvektomaten geringer. „Wir haben schon viel Lob für unsere Küche bekommen“, sagt die Wirtin. Dass vielen Gästen das Hendl aus dem Konvektomaten trotzdem nicht schmeckt erklärt sich Reichert mit der Gewohnheit. Bei ihr kämen keine Geschmacksverstärker auf die Wiesnhendl, daran seien manche Besucher wohl nicht gewöhnt. Auch im Schönheitskönigin-Zelt kann man mit Glück ein gegrilltes Hendl bekommen. Denn der verbliebene Grill komme dann zum Einsatz, wenn es Engpässe bei der Produktion gebe, sagt Reichert.

Der Chefkoch einer großen Münchner Kantine sieht das Konvektomaten-Hendl kritisch. „Wir müssen unser Hendl auch darin machen, weil wir keinen Grill haben, aber dann würde ich nie Grillhendl auf die Karte schreiben“, sagt er. Man schmecke den Unterschied einfach, weil die Röstaromen beim Konvektomaten-Hendl fehlen.

Als Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl von der Technik im Schönheitskönigin-Zelt hört, schickt sie die Lebensmittelüberwachung los. Die geben Entwarnung, aus lebensmittelrechtlicher Sicht seien die Konvektomaten-Hendl unbedenklich. Es gebe keine Vorschrift, die einen Grill für die Hendl vorschreibt, sagt Weishäupl. „Nostalgie ist wunderbar, aber manchmal stoßen die Methoden von damals eben an Grenzen.“

Philipp Vetter

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