Erster Zoff: Wiesn-Chefin rüffelt Käfer

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Wiesn-Wirt Michi Käfer mit seiner Frau Clarissa

München - Seit 2006 ist Gabriele Weishäupl wachsam wie eine Eule. Damals haben Wirte mit Promis wie Verona Pooth, Regine Sixt und Paris Hilton das Oktoberfest beinahe zur Werbe-Wiesn verunglimpft.

Die Folge: Es hagelte Abmahnungen! Die Lektion der Wiesn-Chefin hat gesessen – oder etwa doch nicht? Neun Tage vor dem Anstich rüffelt sie nun Michael Käfer – und droht mit Konsequenzen.

Das, was Weishäupl erspäht hat, gefällt ihr nämlich gar nicht: Im Käfer-Zelt ist offenbar am ersten Wiesn-Dienstag eine Präsentation einer Barbie-Schmuck-Kollektion des Designers Thomas Sabo geplant. „Der Tatbestand der Werbung ist erfüllt!“, erklärt Weishäupl und erklärt dem Wirt in einem Schreiben: Nach Paragraph 58 der Betriebsverordnung seien Warenpräsentationen und ähnliche Werbeaktionen verboten – und laut Paragraph 84 würden Verstöße geahndet. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir so hart sein müssen. Sonst verkommt die Wiesn zu einer Staffage für andere Veranstaltungen.“

Die Wiesn-Festleitung ist kampferprobt. Vor drei Jahren bekam Wirt Edi Reinbold Ärger, weil Leihwagen-Königin Regine Sixt ihre Damen-Wiesn offenbar mit einer Film-Präsentation in Cannes verwechselt hatte: Vor Zierde-Buchsbäumchen parkte ein BMW mit Werbe-Aufklebern, im Zelt tanzten Samba-Tänzerinnen. Mit einem blauen Auge kam Sepp Krätz vom Hippodrom einige Tage später davon. Allerdings nur, weil Paris Hilton ihre Prosecco-Dosen nicht wie geplant öffnete.

Weishäupl kennt keinen Promi-Bonus. Das musste schon David Copperfield 2006 erfahren. Der Magier bekam PR-Auftrittsverbot. Gleiches blühte im vergangenen Jahr Andy Borg und Pamela Anderson. Die meisten Anfragen für Kommerz-Veranstaltungen kämen von auswärtigen Promis oder Agenturen, sagt Gabriele Papke vom Tourismusamt. „Die meisten Münchner wissen schon, was erlaubt ist und was nicht.“ Das heißt nicht, dass es manche nicht doch mal versuchen …

Das gilt auch für die Politik: Keine Promi-Wiesn und auch keine Wahl-Wiesn! Vergangenes Jahr ließ die Stadt zwei Plakate der ödp entfernen, die direkt am U-Bahnausgang zur Festwiese prangten. Für Michi Käfer ist der Rüffel wegen der geplanten Schmuck-Präsentation nicht der erste Zusammenstoß mit der Wiesn-Chefin.

2006 hatte der Promi-Wirt Verona Pooth zu Gast. Und die tippelte mit elf Modellen durchs Zelt, um ihre Dirndl-Kollektion zu präsentieren. Weishäupls Drohung damals: „Ich schau mir das nicht länger an. Ich möchte erinnern, dass die Konzessionen für die Wirte jedes Jahr neu vergeben werden …“

So weit wird es wohl nicht kommen. Michael Käfer ließ gegenüber der tz ausrichten, dass er die Richtlinien sehr ernst nehme und diese auch seinen Interessen entsprächen. Bei der Veranstaltung handele es sich lediglich um ein Mittagessen für Kooperationspartner und Pressevertreter in Anwesenheit des Schmuckdesigners. Sei’s drum – ob das wirklich stimmt, wird Gabriele Weishäupl bestimmt ganz genau beobachten.

nba

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