Erstes Wiesn-Wochenende: Alles vom Bilderbuchstart

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Eine Million Besucher, eine Million Maß Bier und Millionen-Umsätze - das erste Wiesn-Wochenende war ein toller Erfolg.

München - Eine Million Besucher, eine Million Maß Bier und Millionen-Umsätze: Am Wochenende hat in München die größte Party der Welt begonnen - das Oktoberfest startete bei unerwartetem Bilderbuchwetter.

Petrus war doch ein Münchner: Entgegen der Vorhersagen der Meteorologen strahlte die Sonne zum Start des Jubiläums-Oktoberfestes von einem weiß-blauen Bilderbuchhimmel. “Das ist das perfekte Geburtstagsgeschenk“, sagte Festleiterin Gabriele Weishäupl. Zum 200-jährigen Bestehen des größten Volksfestes der Welt zeigte sich auch der Oberbürgermeister in Bestform: Nur zwei Schläge brauchte Christian Ude (SPD) zur Eröffnung am Samstag um zwölf Uhr, um das erste Fass Bier anzuzapfen. “O'zapft ist“, rief Ude den mit Dirndl und Lederhose herausgeputzten Menschen zu, die seit Stunden auf die erste Maß warteten und dem OB zujubelten.

Die Promis am ersten Wiesn-Tag

Promis am ersten Wiesn-Tag

Manche kamen schon vor dem Morgengrauen zum Festgelände, Wachmänner erspähten die ersten Wiesn-Fans vor 04.00 Uhr - so früh wie noch nie: Wer einen der begehrten Plätze im Bierzelt ergattern wollte, musste zeitig aufstehen. Schon zwei Stunden vor dem Anstich waren manche Zelte wegen Überfüllung dicht. Und die erste “Bierleiche“ gab es auch schon vor dem ersten Bier: Ein 19-Jähriger brach noch vor der Eröffnung zusammen, er hatte die ganze Nacht durchgetrunken.

Mehr als eine Million Festgäste feierten am ersten Wochenende den Wiesn-Geburtstag. Sie tranken eine Million Maß Bier und verzehrten zehn ganze Ochsen und tausende Hendl. “Die Stimmung kommt von allein, der Umsatz kommt von allein - wichtig ist, dass es ein friedliches Fest bleibt“, sagte Ude. Zum Jubiläum herrschen die strengsten Sicherheitsvorkehrungen in der Geschichte des Festes. Drei Sperrgürtel sollen das Gelände vor Terror schützen. An den Eingängen gibt es stichprobenartig Taschenkontrollen. Auch wer mit großem Rucksack ein Zelt verlässt, wird von Ordnern inspiziert: Maßkrüge als Souvenir sind eine begehrte Beute.

Bilder vom Trachtenumzug

Trachtenzug Oktoberfest

Die befürchteten Tumulte an den Ausgängen der Zelte wegen des Rauchverbots blieben aus. Raucher konnten teils mit Einlassbändchen oder Karten ins Zelt zurück, auch wenn keine neuen Besucher eingelassen wurden. Dennoch drücke das Verbot ein wenig auf die Stimmung, meinte eine Raucherin, schließlich schmecke die Zigarette zur Maß ganz besonders gut. Obwohl der Rauch fehlte, gab es erst einmal keine der befürchteten Geruchsbelästigungen anderer Art. Es roch - zumindest beim Anstich - nur nach frischem Hendl.

Tracht ist ein Muss an diesem Nostalgie-Wochenende, sogar Besucher aus dem Ausland kamen in Dirndl und Lederhose. Das Volksfest entstand aus der prunkvollen Hochzeit des Wittelsbacher Kronprinzen Ludwig und der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Oktober 1810. Festleiterin Weishäupl kam entsprechend stilecht in Münchner Mieder und goldener Riegelhaube. Das Ankleiden habe eine Stunde gedauert und sei ohne Hilfe unmöglich. Ein Gewand für alle Tage sei es auch nicht gerade, gab sie zu: “Es ist unbequem.“

Seehofer schenkt sein Herz nur seiner Frau

Als Vertreter des Hauses Wittelsbach waren Herzog Max und Herzogin Elizabeth in Bayern dabei, die aus Schweden stammende Herzogin trug die Tracht ihrer Heimat. Und Ude, gefragt, wie er sich für das Fest feingemacht habe, antwortete unter dem Jubel der Besucher: “Ich zieh das feschste Gewand an, das man sich vorstellen kann, und das ist die Lederhose.“

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), zwar im Trachtenanzug aber ohne Lederhose, sah sich entsprechend Kritik ausgesetzt. “Ich habe nicht so schöne Wadln wie der Oberbürgermeister“, rechtfertigte er sich. Mit Kanzlerin Angela Merkel, der er im vergangenen Jahr ein Wiesnherz mit der Aufschrift “i mog di“ geschenkt hatte, sei er “ein Herz und eine Seele“. Auf die Frage, wer denn dieses Jahr sein Herz bekommen solle, sagte er nach kurzer Bedenkzeit: “Meine Frau.“

Politprominenz aus Berlin fehlte zum Anstich

Diese strahlte an seiner Seite im schwarz-samtenen Dirndl. Ihre Vorgängerin - die Frau von Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein, Marga Beckstein - hatte mit ihrer Dirndlverweigerung für ein kleinen “Dirndlgate“-Skandal gesorgt. Sie werde mir ihrem Mann auch privat einmal aufs Oktoberfest gehen, sagte Karin Seehofer. Achterbahn fahren will sie aber nicht. “Das ist zuhause ab und zu.“

Die Politprominenz aus Berlin fehlte zum Anstich. Besonders vor Wahlen lässt man sich sonst ganz gern im Bierzelt auf dem Balkon der Ratsbox sehen, um dem Volk zuzuwinken. Dabei ist die Wiesn ein wichtiger Ort für politische Gespräche und geschäftliche Treffen geworden. “Die Wiesn spielt gerade für Geschäftskontakte eine ganz wichtige Rolle“, sagte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Geschäftsleute und Diplomaten aus vielen Ländern unter anderem aus den USA und Russland kämen auf das Oktoberfest. “Da haben wir etwas zu bieten, was sonst niemand hat.“ Offenbar lassen sich Geschäfte im Rausch besonders gut machen.

dpa

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