Oktoberfest auf irisch

Dublin-Wiesn: Hohe Preise und Super Mario schenkt aus

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Auf dem Dubliner Oktoberfest steht Super Mario hinter dem Tresen zum Bierzapfen.

Dublin - Weltweit gibt es zahlreiche Oktoberfeste. Auch auf der Grünen Insel feiern die Iren einen Abklatsch des größten Volksfest der Welt. Ein Vergleich mit der Münchner Wiesn.

Wahnsinn, ist das klein! Das ist der erste Gedanke, wenn man auf eine der weltweit kleinen Ausgaben der Münchner Wiesn blickt. Die Fläche, auf der das Dubliner Oktoberfest stattfindet, ist mehr als überschaubar. Ein großes Bierzelt inmitten des "International Financial Services Centre" (IFSC) mit einem großen Biergarten. Das war's auch schon. Der Großteil des Abklatsches des größten Volksfest der Welt steht auf einem kleinen See - umgeben von riesigen Glastürmen der Banken.

Schon aus der Ferne hört man typische Schlagermusik aus Lautsprecherboxen dröhnen. "Schatzi, schenk mir ein Foto, schenk mir ein Foto von Dir", singt Mickie Krause direkt bei einem Stand, der "Käsekrainer in a bread roll" anbietet. Die Preise sind sogar noch höher als auf dem Münchner Original: 5.50 Euro für den Käsekrainer, fünf Euro kostet die "German Bratwurst".

Die Mass aus dem Plastikkrug

Wer denkt, dass in München die Mass teuer ist, wird sich in Dublin verwundert die Augen reiben. 12 Euro kostet das Erdinger Weißbier im Bierzelt. Und auch nur hier gibt es eine Mass. Ansonsten wird auch nur a Halbe ausgeschenkt - für 6,50 Euro. Anders als auf der Wiesn verlangen die Iren zusätzlich fünf Euro Pfand für die Krüge, so dass eine Mass zunächst einmal schlappe 17 Euro kostet.

Zur großen Überraschung wird das echte bayerische Bier in Plastikmasskrügen ausgeschenkt! Immerhin vermeidet man damit Glasscherben und Masskrugschlägereien. Doch das einzigartige Geräusch beim zünftigen Anstoßen geht dadurch komplett verloren.

Das Bierzelt auf dem See - Bilder vom Dubliner Oktoberfest

Das Bierzelt auf dem See - Bilder vom Dubliner Oktoberfest

Hinter der Schenke sind die Mitarbeiter verkleidet. Super Mario und sein Kumpel Luigi zapfen das Bier. Die Damen sind im Hasen-, Marienkäfer- und Teufelkostüm verkleidet. Trachten sieht man weit und breit keine. Erst als eine österreichische Gruppe eine Bierbank erobert, tauchen drei Dirndl und eine Lederhose auf. Außerdem trägt ein älterer Dubliner Herr die komplette Trachtmontur. "Ich habe sieben Jahre lang in Deutschland gelebt", erklärt er seine Kleidungsauswahl.

Auf der Bühne heizt die österreichische Band "Mostlandstürmer" ein. Sie bringen den Dublinern "Ein Prosit der Gemütlichkeit" bei - oder versuchen es zumindest. Der Mitmach- und Mitgröhlfaktor hält sich aufgrund der sprachlichen Defizite in Grenzen. Trotzdem werden die Plastikkrüge in die Höhe gereckt. Zeichensprache ist multilingual. Die Lieder kennt man von der Wiesn: Der "Zillertaler Hochzeitsmarsch" und vieles mehr. Die Iren, ein tanzbegeistertes Volk, legen auch zu der ihnen fremden Musik einige Einlagen aufs Parkett.

Kein Schunkeln, niemand steht auf den Bierbänken

Anders als auf der Wiesn ist die Stimmung im Bierzelt mau. Keiner tanzt auf den Bierbänken, niemand schunkelt. Ab 19 Uhr wird es dann zu einer großen Feier. Die Bierbänke verschwinden und stattdessen wird aus dem Bierzelt ein großes Partyzelt mit einer riesigen Tanzfläche. Unter der Woche feiern die Iren anschließend bis 23:30 Uhr, am Wochenende sogar bis 0:30 Uhr.

Verlässt man das Dubliner Oktoberfest am Abend, fehlt jedoch die einzigartige Stimmung des Münchner Originals: das Lichtermeers der Fahrgeschäfte - und natürlich das Riesenrad.

Michael Sapper

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