Diese Firmen lassen auf der Wiesn einen springen

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Ein Blick ins Hacker-Festzelt

München - Der Wiesn-Besuch mit der Firma scheint noch von Sparzwängen ausgeschlossen – auf jedem zweiten Tisch prangt eine Firmen-Reservierung. Aber wer lässt wieviel dafür springen?

Beim TÜV SÜD werden alle Mitarbeiter aus und rund um München auf einen gemeinsamen Wiesnbesuch an einem Montagnachmittag eingeladen. Dabei ohne Begrenzung der Marken pro Mitarbeiter! Auch die Stadtsparkasse München ist nicht knausrig: „In diesem Jahr haben wir an sechs Tagen insgesamt 2000 Plätze reserviert“, sagt Britta Klein von der Stadtsparkasse. Jeder erhält je zwei Biermarken und einen Verzehrgutschein.

Zwei Biermarken und eine Essensmarke sind Standard, auch bei der MAN SE, der Lufthansa und der Telefónica Germany. Die Generali Versicherung AG belohnt ihre Mitarbeiter mit einem gemeinsamen Abend auf der Wiesn inklusive Biermarken (2) und einem Menü. Die Allianz zahlt nichts, gibt aber allen Münchner Mitarbeitern einen halben Tag frei.

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Aber: Viele große Firmen wie Siemens, Bayern LB, Versicherungskammer Bayern, Rhode & Schwarz, DeutscheTelekom,BayerischerRundfunk, MTU Aero Engines zahlen nichts, die Abteilungen müssen einen Wiesnbesuch privat organisieren (ebenso bei: Europäisches Patentamt, Munich Re, Hypo Vereinsbank, Landeshauptstadt München, Stadtwerke, ADAC Südbayern). Oft können aber Mitarbeiter einen Abteilungswiesnbesuch statt etwa eines Weihnachtsessens veranstalten, dafür ihr Budget verwenden.

Firmenreservierungen seien in den letzten Jahren nicht zurückgegangen, sagt die Reservierungs-Chefin vom Hackerzelt, Angelika Rocco. „Etwa 50 Prozent sind von Unternehmen. Firmen wie Linde Gas kommen teils schon seit über 20 Jahren. Wir schreiben jedes Jahr Hunderte von Absagen an interessierte Firmen.

Für gewöhnlich zahlt der Chef 30 Euro pro Person – das ist günstiger als bei den meisten anderen Firmenfeiern.“ Die Handhabung aber habe sich geändert: „Einige Firmen nutzen die reservierten Tische mittlerweile, um Kunden einzuladen. Oder die Mitarbeiter übernehmen die Reservierung, um privat zu kommen.“

Sony Ericsson verteilt Gutscheine

Ein Busserl für den Personalchef Michael Mülfarth – denn der hat die Riesen-Wiesn-Gaudi für alle 200 Mitarbeiter des Sony Ericsson- Standorts in München organisiert. Für jeden Mitarbeiter gibt’s einen Hendl-Gutschein und zwei Mass-Gutscheine. „Wir würden lieber auf die Weihnachtsfeier verzichten als auf den Wiesn- Ausflug“, sagt er.

Der Spaß fängt schon morgens im Büro an, weil alle Angestellten in Tracht erscheinen. Mitarbeiterin Carolin (re.) kommt die Wiesn besonders gelegen. „Ich bin erst seit zwei Wochen in der Firma und kenne noch nicht viele Kollegen – aber das ändert sich heute bestimmt ziemlich schnell.“

Münchner Rück organisiert Tische

Die Krüge hoch! Die Münchner Rück, eine der größten Rückversicherungs-Gesellschaften, feiert mit 250 Mitarbeitern im Schottenhamel. 25 Tische hat die Firma für ihre Mitarbeiter reserviert. Bier und Hendl muss aber jeder aus eigener Tasche zahlen – Wiesn-Marken gibt es keine. „So ist zumindest garantiert, dass nur die Kollegen auf die Wiesn kommen, die wirklich Spaß daran haben“, witzelt Finanzchef Hermann Christoph, der mit seinen Kollegen Bier und Brezn genießt.

Wiesn-Ärzte im doppelten Einsatz

Der Australier mit Seppelhut, biernassem Shirt und dem kaputten Sprunggelenk will weiterfeiern. Aber nicht auf der Liege vor der CT-Röhre! „Bitte still liegen bleiben!“, muss die MTA den Patienten zurechtweisen. Das ist Wiesn-Alltag in der Radiologie des LMU-Klinikums in der Nußbaumstraße – in diesen zwei Wochen kommen etwa 30 Prozent mehr Patienten!

Wenige Stunden später, nur ein paar hundert Meter von der Klinik entfernt, stehen dann 235 Ärzte, MTAs, Werkstudenten, ForschungsmitarbeiterundAngestellte auf der anderen Seite: mitten im Schottenhamel-Zelt auf der Bank. Sie haben die Kittel gegen Tracht eingetauscht.

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Der Chef, Prof. Maximilian Reiser, lädt seit 18 Jahren zum Dank alle Mitarbeiter einmal hierher ein: „Die Mitarbeiter arbeiten während der Wiesn unglaublich hart – und sie haben Urlaubssperre. Das soll auch mal honoriert werden.“ Mit zwei Mass- und einer Hendl-Marke in der Hand sind hier für ein paar Stunden alle Schädelbasisbrüche, Platzwunden und gebrochenen Schienbeine in weiter Ferne.

Auch die Chefs kneifen nicht und bleiben bis zum Ende, der kaufmännische Direktor Gerd Koslowski feiert mit: „Der Job kann uns die Wiesn- Stimmung nicht vermiesen. Im Gegenteil:DerWiesnbesuchistso beliebt, dass wir jedes Jahr auslosen müssen, wer in der Klinik die Stellung halten muss und wer mitdarf.“

SM, NBA, CS

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