Die Wiesn-Jobs im Test: Klofrau

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tz-Reporterin Nina Bautz beim Klorollen-Wchseln.

Bier treibt bekanntlich. Und deswegen kommt keiner um den Gang aufs Örtchen drumrum, egal ob Promi, Kleinkind oder Oma.

Klofrauen sind unersetzlich auf der Wiesn. Niemand, der in der Schlange steht, würde freiwillig mit ihnen tauschen. Wiesn-Reporterin Nina Bautz tat es trotzdem für ein paar Stunden – draußen in der kleinen, braunen Holz-WC-Anlage für Männer und Frauen direkt rechts neben dem Hippodrom.

Rein müssen sie ganz dringend, bis sie wieder raus kommen, dauert’s eine halbe Ewigkeit. Die Mädls sind das Problem auf den Wiesn-Toiletten, weniger der Dreck. Das stellt sich schnell raus.

„Darf ich ausnahmsweise vor? Ich muss doch so dringend …“ Nein, bei Luise herrscht Ordnung, und die muss ich einhalten. Auch aufs Herrenklo dürfen die Damen nicht. Basta. „Hey, das geht aber nicht.“ Eine blonde Frau stellt sich in den Weg und will eine andere mit einem schreienden kleinen Bub auf den Arm nicht durchlassen. Auf Machtkämpfe war ich nicht vorbereitet.

Das Gezicke im Damenklo geht weiter. Zwei Mädls Anfang Zwanzig stehen seit einer viertel Stunde vor dem Spiegel, tuschen ihre Wimpern nach und legen Puder auf. Nebenbei gibt’s Strategiebesprechung wegen dem „süßen Christian“. Hinter ihnen maulen die Wartenden. Draußen bekleckern sich die Damen auch nicht mit Ruhm: Würden die Männer nicht ab und zu Ein- oder Zwei-Euro-Stücke springen lassen, wäre heute ein „Roter-Indianer-Tag“, wie Luise Lang die Tage nennt, an denen nur bronzefarbene Cent-Stücke in der Trinkgeld-Schüssel landen.

Der eigentliche Job ist weit weniger eklig, als ich gedacht habe: Das Großreinemachen hat Luise schon heute früh übernommen. Ich muss neue Klorollen einlegen, Handtücher nachfüllen und Papier vom Boden aufheben – mit einer Aufhebezange. Woanders machen sie das von Hand. Ich liebe Luises Eigenart!

Um die Kloschüsseln komme ich, als es dunkel wird, doch nicht drumrum. Mich schüttelt’s. Ich bin aufs Schlimmste gefasst. Da kommt Luise schon – mit einem Schlauch. „Wir schrubben doch nicht, Madl!“ Sie schubst mich zur Seite, dann drückt sie mir den Schlauch in die Hand. Da ist mächtig Druck drauf. Klotür auf, und draufhalten! Im Nu sind die Schüsseln sauber. In der Herrenkabine dauert’s länger. Denn beim Thema Zielgenauigkeit sind hier ausnahmsweise mal die Männer das Problem.

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