Radl-Rikschas an der Wiesn

"Die Fahrer halten sich nicht an die Regeln"

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Ohne Abgase, mitunter aber auch ohne Respekt vor den amtlichen Regeln: Radlrikschas im Wiesn-Einsatz.

München - Wieder Ärger über die Rikscha-Fahrer rund um die Wiesn: Laut Polizei ignorieren sie Regeln und vorgeschriebene Stellplätze. Auch sind die Fahrpreise nicht immer transparent.

Eines war Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle im Vorfeld der Wiesn wichtig: „Wir führen keinen Feldzug gegen die Rikscha-Fahrer.“ Da erläuterte Blume-Beyerle gerade eine Allgemeinverfügung, die erstmals 90 verpflichtende Rikscha-Stellplätze um die Theresienwiese auswies – um Wildparken der Radltaxen einzudämmen. Um Abzocke zu verhindern, sollten zudem Fahrpreise transparent ausgeschrieben werden. Ziel sei es, so Blume-Beyerle, den Rikscha-Verkehr rund um das Volksfest vernünftig zu ordnen. „Denn bisher war es nicht vernünftig.“

Das 180. Münchner Oktoberfest ist erst ein paar Tage alt, da zieht die Polizei jedoch ein recht ernüchterndes Zwischenfazit: „Die Fahrer halten sich nicht an die Regeln“, sagt Sprecher Sven Müller. Eine eigene Streife der Verkehrspolizei sei Tag für Tag nur damit beschäftigt, die Rikscha-Fahrer zu ermahnen. „Wir bekommen aber Hinweise, dass die Fahrer dies ignorieren, sobald unsere Streife abgezogen ist. Die fahren rum, wo sie wollen.“ Damit gefährdeten sie andere Wiesnbesucher und Verkehrsteilnehmer. Auch komme es immer wieder vor, dass die Transportpreise nicht ausgeschrieben seien.

Immer wieder berichteten Wiesnbesucher in der Vergangenheit von horrenden Fahrpreisen, etwa 50 Euro für eine Fahrt zum Hauptbahnhof. Kontrolleure des Kreisverwaltungsreferats (KVR) sind heuer unterwegs, um die Transparenz der Fahrpreise zu prüfen. „An den meisten Rikschas sind mittlerweile Preislisten angebracht“, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. „In einigen Fällen muss aber noch nachgebessert werden.“ Geschehe dies nicht, seien auch Bußgelder gegen die Betreiber denkbar. Konkrete Preisvorgaben will das KVR nicht machen. Der Kunde müsse aber beim Einsteigen wissen, wie viel er am Ende zahlen müsse.

Die Firma Pedalhelden ist mit 50 Rikschas rund um die Wiesn vertreten. An den Rikschas seien Listen mit „Richtwerten“ angebracht, so Chef Dominic Staat. „Wir empfehlen für die Strecke vom Wiesn-Haupteingang zum Hauptbahnhof 20 Euro.“ Dies sei aber nicht verpflichtend. „Der Fahrer einigt sich mit dem Gast auf einen Preis.“ Klar sei: „Der Gast muss vorher wissen, was ihn die Fahrt kostet.“ Preise auf Kilometerbasis hält er für nicht praktikabel: „Es kommt auf die Route an. Ins Westend beispielsweise geht’s bergauf, da ist viel mehr Muskelkraft gefragt und der Fahrer braucht eine Pause danach.“

Die Zahl der Fahrradtaxen hat in den vergangenen Jahren jeweils zur Wiesnzeit stark zugenommen. Das KVR schätzt die Zahl heuer auf zirka 250. Die Anbieter kommen aus dem ganzen Bundesgebiet zum Oktoberfest. Da polizeiliche Anordnungen häufig nicht befolgt wurden, wies das KVR heuer erstmals 90 Stellplätze an acht konkreten Standorten aus. Hier – und nur hier – dürfen die Rikschas auf Kunden warten. Im Wettbewerb um Kundschaft hält sich offenbar nicht jeder daran.

„Allgemein wird die Stellplatzregelung eingehalten“, sagt hingegen Staat. Es kämen jedoch „lastwagenweise Rikschas aus Berlin.“ Deren Fahrer seien oft mit der Situation nicht vertraut. Generell herrsche nur ein geringes Gefahrenpotential: „Da wird vielleicht mal eine weiße Linie überfahren.“ Staat räumt ein, dass das Verhältnis zu den konkurrierenden Autotaxen angespannt sei. Unter den Taxifahrern herrsche Unmut, bestätigt Frank Kuhle, Vorstand der Taxi München e.G. Viele Rikscha-Fahrer hielten sich nicht an Verkehrsregeln oder Anweisungen der Stadt. „Da sie keine Kennzeichnung tragen, kann man sie schwer zur Rechenschaft ziehen.“

Staat findet, dass sich Rikscha und Taxi gut ergänzen. Er sieht bei den Stellplätzen noch „Verbesserungspotential“ für 2014. Ginge es nach ihm, dürften die Rikschas dann auf die Bannmeile an Theresienhöhe und Bavariaring einfahren. „Es würde sich alles entspannen und wir würden den Taxlern sogar noch Kunden zuführen.“ Für „weltfremd“ hält Kuhle das: „Wir würden da auch gerne reinfahren. Gleiches Recht für alle.“ Generell stimmt er jedoch zu: „Streit bringt nichts. Für beide Parteien gibt es auf der Wiesn genug Geld zu verdienen.“

von Angelo Rychel

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