Brucker OB wirft Ude Show-Anzapfen vor

Ist das der Beginn einer Anzapf-Fehde, die den Freistaat erschüttert? Sepp Kellerer, CSU-Oberbürgermeister von Fürstenfeldbruck, kritisiert den berühmtesten Bierschlegelschwinger der Welt: OB Ude. Er wirft ihm „verschönlichtes Anzapfen“ vor. Doch der Münchner gönnt seinem Kollegen, dass das Bier in Bruck kräftiger spritzt.

Seit Jahren beobachtet Sepp Kellerer (CSU) den Oberbürgermeister-Kollegen Christian Ude (SPD) beim Anzapfen auf der Wiesn. Heuer hielt er es nicht mehr länger aus. Was der Fürstenfeldbrucker da sah, drängte ihn einfach zur Feder – wenn auch sicher nicht in ganz bierernster Stimmung.

„Saustark“ mache Ude das, schrieb er anerkennend in einem Leserbrief an unsere Zeitung. Aber, und jetzt kommt das Aber: Einen „kleinen, aber ganz wesentlichen Schönheitsfehler“ habe das Ganze. Ude verwende einen Spritzschutz. Diese rote Gummi-Manschette wird – quasi wie ein Verhüterli fürs Bier – über den Zapfhahn gestülpt, sodass das Bier nicht herausspritzen kann. Kellerer: „Da hört der Spaß auf.“

O‘zapft is! Die Bilder vom Anstich

O'zapft is! Die Bilder vom Anstich

Denn der Brucker OB gilt selbst als Koryphäe des feucht-fröhlichen Anzapfens – ohne Spritzschutz. Wenn er beim Fürstenfeldbrucker Volksfest den Schlegel schwingt, müssen sich die Umstehenden auf einiges gefasst machen. „Jedes Jahr lautet in Bruck die große Frage: Spritzt’s oder spritzt’s nicht?“, erzählt Kellerer. Darüber werde schon im Vorfeld leidenschaftlich spekuliert. „Es geht gar nicht darum, wie viel Schläge man braucht, sondern welche Sauerei man anrichtet.“ Und die ist oft gehörig. So mancher Fotograf, der sich zu nahe an Kellerer und das Fass wagte, musste sich und seine Kamera nach einer erfrischenden Bierdusche mit dem Fön trocknen. „Das“, findet Kellerer, „macht gerade den Reiz aus“. Böse Zungen behaupten gar, Kellerer spritze absichtlich – wegen des Showeffekts. Der OB dementiert: „Das hat man gar nicht in der Hand.“

Auf der Wiesn freilich praktiziere der SPD-Kollege aus der Großstadt die „verschönlichte Variante“ des Anzapfens, sagt Kellerer. „In München muss halt alles glatt laufen.“ Im Fernsehen habe man aber sehen können, dass das Bier bei Ude ohne den Schutz durchaus gespritzt hätte. Deswegen fordert er den Kollegen auf: „Beim nächsten Oktoberfest möchte ich, dass Sie ohne Spritzschutz anzapfen, dann kann ich Ihre Qualitäten noch besser einschätzen!“

Schäumt der Münchner OB angesichts der Anzapf-Attacke vor Wut? Mitnichten. Er gibt sich staatsmännisch gelassen. „Ich beneide den Fürstenfeldbrucker Kollegen um seine Probleme, die wohl jedermann gerne hätte“, so Ude. „Ich gönne ihm auch, dass es bei ihm kräftig spritzt, damit auch das Fürstenfeldbrucker Zeremoniell von den Medien gebührend berücksichtigt wird.“ Den Vorwurf, seine Anzapf-Technik sei nicht traditionell genug, weist er aber von sich. „Ich verwende die Anzapf-Utensilien so, wie sie seit Jahrzehnten von der Brauerei zur Verfügung gestellt werden.“

Fest steht jedenfalls: Der Wahlkampf zwischen den Parteien der Großen Koalition wurde bisher oft als langweilig gescholten – in Bayern wird er jetzt deutlich spritziger.

Johannes Patzig

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