Nach Skandal: BRK möbelt Wiesn-Wache auf

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Hier nüchtern die Bierleichen aus: BRK-Bereichsleiter Stefan Krause im „Hotel“ der Wiesn-Wache.

München - Besseres Management, Einweg-Besteck, 30 neue Hygiene-Beauftragte: Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat auf die Mängel reagiert, die in der Oktoberfest-Sanitätsstation aufgetaucht sind.

Stefan Krause und Peter Behrbohm stehen angespannt vor dem Eingang der Wiesn-Wache an der Theresienhöhe. Hier ist die medizinische Notfallhilfe des Oktoberfests untergebracht, seit 125 Jahren ist das BRK für sie zuständig. Ein freudiges Jubiläum? Eigentlich ja. Aber Bereichsleiter Krause und Pressesprecher Behrbohm sehen sich in der unangenehmen Situation, dafür werben zu müssen, dass das auch in Zukunft so bleiben darf.

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Denn wie berichtet hat die Stadt dem BRK den Auftrag entzogen, nachdem bekannt wurde, dass im Jahr 2004 illegal Bluttests an Wiesn-Besuchern durchgeführt wurden. Das BRK muss sich also für 2011 bei einem Ausschreibungsverfahren gegen andere Bewerber durchsetzen. Und jetzt sind im Juli auch noch Hygiene-Mängel zu Tage getreten. Stefan Krause zeigt sich dennoch selbstbewusst: „Sie nennen es Mängel, wir nennen es Verbesserungsvorschläge.“

Die Geste lautet: Wir haben nichts zu verbergen. Und tatsächlich hatte das BRK die Untersuchung durch das Gesundheitsreferat, bei der sich die Mängel zeigten, selbst beantragt. „Wir haben ein umfangreiches Qualitätsmanagement eingerichtet“, sagt Krause. „Da wurden alle Prozesse auf den Prüfstand gestellt.“ Eine erneute Untersuchung am Montag habe gezeigt: alles okay.

Im Zentralraum mit taubenblauen Schränken stehen in Reih und Glied zehn fahrbare Krankentragen - deren Gurte sind ausgetauscht worden. An den Wände der gesamten Station sind nun 67 Handdesinfektionsspender installiert - vorher waren es nur 15. Es gibt 30 neue Abfalleimer, die man nun mit einem Fußtritt öffnen kann, man muss nicht mehr die Hände benutzen. Krause: „In diesem Raum entscheidet der Sichtungsarzt, wer behandelt werden muss und wer nur ins Hotel kommt.“ Das „Hotel“ ist ein Raum mit 15 Pritschen, auf denen Bierleichen unter Aufsicht ausnüchtern. 772 im letzten Jahr.

Im „Hotel“ stand auch der Sterilisator, in dem das Besteck gereinigt wurde. Das wurde bei der Untersuchung bemängelt - man brauche einen eigenen Raum für das Gerät. Die Reaktion des BRK: Weg damit, nun verwendet man Einwegbesteck - etwa 700 Packungen lagern im Keller. Darin: Tupfer und Wundauflagen sowie zwei Pinzetten und eine Klammer aus Carbon-Faser. In der „Praxis“, wo hinter hellblauen Vorhängen sieben Betten stehen, wurden Oberflächen von Plastik in Edelstahl ausgetauscht. „Wir machen hier aber keine Operationen“, sagt Krause, „höchstens mal drei Stiche.“

Gleichwohl hat das BRK einen Hygienemanager eingestellt, der in der Rangordnung gleich unter dem Einsatzleiter steht. Dazu kommen 30 Hygienefachkräfte - geschulte Pfleger oder Sanitäter -, die jeden in der Station auf die Hygienevorschriften aufmerksam machen sollen. Im Aufenthaltsraum der Sanitäter steht ein Test-Gerät, in dem man unter UV-Licht seine Hände auf Sauberkeit prüfen kann.

Bei der kommenden Jubiläumswiesn arbeiten an den Wochenenden gleichzeitig bis zu 100 Helfer und sieben Ärzte, sagt Behrbohm. Man habe auch einen Erste-Hilfe-Container auf der historischen Wiesn eingerichtet. Hunderte Ehrenamtliche seien für das BRK unterwegs. Außerdem verlange man von den Patienten auch nur 20 bis 30 Euro, wenn man sie wirklich behandle. Pflaster, Kopfschmerztabletten oder Ausnüchterung seien gratis. „Das deckt bei uns gerade mal die Sachkosten.“ Er zeigt sich deshalb zuversichtlich, dass das BRK die Ausschreibung für 2011 gewinnt. „Das können kommerzielle Anbieter nicht leisten“, ist auch Krause sicher.

Und warum gab es dann überhaupt Mängel? „Die Qualität war in Ordnung“, antwortet Krause, „nur nicht auf dem neuesten Stand. In der Wiesn-Wache ist noch nie jemand zu Schaden gekommen.“

Von Johannes Löhr

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