Blaulicht-Streit um Wiesn-Patienten

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Wer soll und darf die Wiesn-Patienten versorgen? Darüber ist ein Streit zwischen den Rettungskräften der Berufsfeuerwehr und des Bayerischen Roten Kreuzes entbrannt.

Wieder Wirbel um die Wiesn-Wache: Hinter den Kulissen tobt ein Kampf um die Patienten. Die Berufsfeuerwehr streitet mit dem Münchner Roten Kreuz – und umgekehrt.

Die Retter zicken sich schon länger an, das zeigen tz-Recherchen. Und jetzt zoffen sie sogar ganz offen. Der Streit erreicht das Rathaus – CSU gegen SPD. Diagnose: Blaulicht-Alarm!

Die Besucher merken noch nichts. Die Experten befürchten aber künftig eine schlechtere Versorgung. Der Leitende Feuerwehrnotarzt und SPD-Stadtrat Dr. Josef Assal sagt: „Wenn man sich die Wiesn aus der Sicherheitsperspektive anschaut, bekommt man graue Haare.“

Der Anlass für den Streit klingt harmlos – hat es aber in sich: Der CSU-Politiker Michael Kuffer arbeitet selbst als Rettungsassistent, amtiert als BRK-Kreischef in Starnberg und sitzt als Stadtrat im Rettungszweckverband München. An den Verband schrieb Kuffer am Dienstag eine interne Anfrage. Es geht um eine spezielle Dienstanweisung der Feuerwehr: Der Wiesn-Notarzt der Feuerwehr verlässt die Wiesn nicht mehr, sondern übergibt die Patienten am Esperantoplatz gegenüber der Bavaria an einen weiteren Mediziner. Der Notarzt kehrt zurück zur Wache, steht für neue Einsätze bereit. So weit, so gut.

Kuffer bestätigt seine Anfrage der tz: „Ich befürchte Verzögerungen bei der Versorgung.“ Zudem gelte es, so wenig Übergaben wie möglich zu erreichen, „um unnötiges Durcheinander zu vermeiden“. Der CSU-Politiker geht noch weiter: „Die Berufsfeuerwehr versucht, sich auf Kosten der Rettungsorganisationen neue Felder zu erschließen.“ Ein Angriff auf die Feuerwehr! Gefährden die Retter die Versorgung auf der Wiesn? Auf dem Oktoberfest gibt es schon seit Jahren im Prinzip ein doppeltes Rettungssystem: Auf der einen Seite steht das BRK mit seiner Wiesn-Wache, den bekannten gelben Tragen und einer eigenen Zentrale mit eigenem Notruf, Telefon 50 22 22 22. Auf der anderen Seite steht die Berufsfeuerwehr mit ihrer Leitstelle und dem Notruf 112.

Für die Patienten entscheidet sich am Telefon, in welches System sie kommen. Wer mit dem Handy Hilfe ruft, landet meist bei der Feuerwehr. Wenn die Bedienung im Zelt das Festnetz-Telefon mit eingespeicherter Nummer nimmt, kommt sie meist beim BRK raus.

Rettungs-Klein-Klein beim größten Volksfest der Welt! Zwei Organisationen, zwei Notrufe, zwei Notärzte. Auf der Wiesn schieben nicht nur die Feuerwehr-Doktoren Dienst. Auch das BRK hat ein Notarztfahrzeug vor Ort, das auf Einsätze wartet. Bislang dauerte das nicht lange. Das BRK schickte über die eigene Zentrale die eigenen Ärzte zu den Notfällen. Das hat sich geändert: Die Rettungsleitstelle der Feuerwehr alarmiert heuer die Ärzte. Wenn deren Mediziner die Wiesn nicht mehr verlassen, stehen die fast immer zur Verfügung – und der BRK-Kollege kommt seltener zum Zug.

Insider bestätigten der tz das Prinzip. Die einen ärgern sich über die Degradierung des BRK mit seinen Ehrenamtlichen, die anderen freuen sich, dass die „Profis“ der Feuerwehr übernehmen. Die BRK-Ärzte hätten die Patienten zu oft in die eigene Wache vor Ort eingewiesen – und abgerechnet. Der jüngste Blut­skandal habe gezeigt, dass selbst Patienten im Koma nicht ins Krankenhaus kamen. Ein Insider sagt: „Das war aus dem Ruder gelaufen.“ Feuerwehr-Notarzt Assal weist die Anschuldigungen weit von sich. Bei Lebensgefahr gäbe es natürlich keine Übergabe, dann fahre der Rettungswagen mit Blaulicht direkt ins Klinikum.

Dr. Assal würde das BRK am liebsten ganz entmachten. Der Mediziner hält die BRK-Zentrale nach dem neuen Rettungsdienstgesetz für illegal: „Die muss aufgelöst werden!“ Das doppelte System stelle eine Gefahr dar: „Im Ernstfall haut’s uns hin! Gott sei dank ist noch nix passiert.“

Das BRK sei auf der Wiesn geduldet worden, jetzt sei die Geduld zu Ende. Geschulte Disponenten müssten die Arbeit übernehmen – zum Beispiel die der Feuerwehr. Beim Münchner BRK ist man fassungslos ob der Vorwürfe. Man führe keine Leitstelle, sondern nur eine Koordinationszentrale des Sanitätsdienstes, heißt es in einer Stellungnahme. Auch sei das neue Rettungsdienstgesetz noch nicht konkret ausgestaltet. Die Behauptungen seien nicht nachvollziehbar. Das BRK sagt: „Wir erfüllen den Vertrag mit der Stadt.“

David Costanzo

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