So lebt die Wiesn-Kultfigur Karolin Weidner

Die Bräurosl ganz privat

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Die Bräurosl zeigt, was sie drunter trägt

München - Fast jeder Münchner kennt Karolin Weidner (56). Nur nicht unter ihrem richtigen Namen. Als Bräurosl ist sie heuer zum 20. Mal auf der Wiesn. Aber wie lebt sie eigentlich privat? Wir haben uns umgeschaut.

Fast jeder Münchner kennt Karolin Weidner (56). Nur nicht unter ihrem richtigen Namen. Als Bräurosl ist sie heuer zum 20. Mal auf der Wiesn: winkt beim Trachtenzug vom Pferd, jodelt im gleichnamigen Zelt und posiert mit Besuchern auf der Brauereikutsche von Hacker-Pschorr. Zwei Wochen im Jahr ist die Bräurosl eine Kultfigur. Dann kehrt Karolin Weidner wieder in ihr normales Leben zurück. Die tz hat sie zu Hause in Altötting besucht. Die Bräurosl ganz privat.

Schon an der Tür ist klar: Engel spielen in ihrem Leben eine wichtige Rolle. An den Wänden, auf dem Boden, im Regal, überall hängen und stehen Figuren mit goldenen Flügeln. „Ich habe über hundert Stück. Meinen eigenen Schutzengel nenne ich Aron. Er hilft mir oft. Vor zwei Jahren bin ich beim Einzug vom Pferd gerutscht und mit dem Fuß im Steigbügel hängen geblieben. Ein Musiker ist nach vorne gestürmt und hat mich gefangen“, erzählt Weidner.

Sie selbst ist auch ein Engerl, ein Putzengerl. Vor zehn Jahren nahm die Bräurosl an der Maria-Ward-Schule in Altötting, einer ehemaligen Klosterschule, eine Stelle als Putzfrau an. Inzwischen leitet sie das Team, schreibt Dienstpläne und bestellt Waren. Ihre Idee war es, die Reinigungsdamen in Putzengerl umzutaufen: „Das klingt doch viel netter.“

Nach der Arbeit trifft sich Weidner oft mit Schwester Avita aus dem Kloster neben der Schule. „An ihr ist eine Kabarettistin verlorengegangen“, findet die Bräurosl. Zum Beweis imitiert die Nonne gleich die Stimme von OB Christian Ude. Und beide krümmen sich im Schulgarten vor Lachen.

Bis 2007 verdiente Weidner ihr Geld hauptsächlich als Sängerin, ging mit Stefan Mross, Maria und Margot Hellwig oder Tony Marshall auf Tour. Schon mit 18 trat sie im Münchner Theater am Platzl auf, danach wechselte sie ans Gärtnerplatztheater und wurde Sängerin im Stück Im Weißen Rössl.

Die Bräurosl, wie wir sie kennen, beim Wiesn-Festzug

1993 kam dann der Anruf von der Wiesn: Volksmusikstar Angela Wiedl hatte als Bräurosl gekündigt. „Ich hab sofort zugesagt“, erinnert sich Weidner. Der damalige Wirt Willy Heide kaufte ihr für 1000 Mark ein Dirndl. Das trägt sie bis heute an jedem Wiesn-Tag. Schürze und Bluse werden getauscht. Weil mancher Gast nach der fünften Mass wissen will, was die Bräurosl drunter trägt, zieht sie auch heuer wieder einen weiß-blau karierten Schlüpfer an.

Fast hätte sie ihr 20. Jubiläum nicht feiern können. Ende Juli kippte sie bei einem Auftritt im Altöttinger BRK-Seniorenzentrum um: Gehirnblutung! „Bis zur Wiesn muss ich fit sein“, war das erste, das sie zu den Ärzten auf der Intensivstation sagte. Und es hat geklappt. „Deshalb ist mein Jubiläum doppelt schön.“

tz-Srichwort: Bräurosl

Das Bräurosl-Zelt auf dem Oktoberfest ist nach der Brauerstochter Rosi Pschorr benannt. Der Legende nach war ihr Rezept für einen gesunden Schlaf eine Mass Bier, die sie jeden Abend beim Ausritt auf einem Brauereipferd trank. Die Wirtsfamilie Heide stellte vor vielen Jahren das erste Bräurosl-Double ein. Das reitet beim Einzug der Wiesn-Wirte auf einem Pferd und jodelt täglich auf der Bühne im Zelt. Karolin Weidner tritt heuer werktags um 15.30 und 17.30 Uhr auf sowie an den Wochenenden um 13.30 und 16.30 Uhr.

Beate Winterer

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