Benno Fürmann spielt Hauptrolle

BR verfilmt Oktoberfest-Attentat

München - Über 30 Jahre ist es her, dass bei einem Attentat beim Oktoberfest 13 Menschen getötet worden sind. Jetzt will der Bayerische Rundfunk dem Anschlag mit einem Film gedenken. Die Hauptrollen werden mit bekannten Stars besetzt.

Am 26. September 1980 geht Gundolf Köhler mit einer Bombe zum Oktoberfest. Der 21 Jahre alte Student deponiert die 1,4 Kilogramm TNT in einem Mülleimer beim Wiesn-Haupteingang. Kurz nach 22 Uhr erhellt erst eine Stichflamme die Theresienwiese, dann folgt der Feuerball. Im Umkreis von 30 Metern liegen 13 verstümmelte Leichen, mehr als 200 Verletzte schreien um Hilfe - es ist der blutigste Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Nun verfilmt der Bayerische Rundfunk (BR) „Oktoberfest, das Attentat“ mit einem Staraufgebot. Es ist eine Koproduktion mit Südwestrundfunk und Arte.

Im Mittelpunkt steht Benno Fürmann als BR-Journalist Ulrich Chaussy, der auf der Suche nach den bis heute unklaren Hintergründen der Tat ist. „Das ist natürlich für mich als Schauspieler eine Vorlage, die ich liebe zu spielen, weil wir es mit Kraft zu tun haben“, sagte Fürmann am Montag in München. Es brauche Journalisten mit Chaussys Leidenschaft und Gerechtigkeitsempfinden, um Missstände aufzudecken. Chaussys Frau Ilse verkörpert dabei Nicolette Krebitz.

Regisseur Daniel Harrich meidet den Haupteingang der Wiesn bis heute. „Dieser Anschlag ist uns allen noch irgendwo im Herzen“, sagte der gebürtige Münchner über das Verbrechen. Gerade deswegen sei es so wichtig, diesen Film authentisch zu produzieren und auch auf dem gestern zu Ende gegangenen Oktoberfest selbst zu drehen.

Auch nach mehr als 30 Jahren wirft das Oktoberfest-Attentat noch viele Fragen auf. Bis heute gibt es Zweifel, ob der rechtsradikale Gundolf Köhler aus Donaueschingen die Tat gut eine Woche vor der Bundestagswahl wirklich allein und nach einer verpatzten Klausur aus persönlichem Frust begangen hat. Augenzeugen wollen in dem Auto, in dem Köhler nach München kam, Mitfahrer gesehen haben, die sich gestikulierend unterhielten - zudem hatte Köhler Verbindungen in die rechte Szene.

Assoziationen zur Nazi-Mordserie der NSU drängen sich auf. Journalist Chaussy selbst hatte noch vor wenigen Wochen kritisiert, dass die Debatte über Rechtsextremismus, die heute geführt werde, nicht schon vor 32 Jahren begonnen habe. Auch bei der Gesprächsrunde mit den Schauspielern am Montag zeigte er die ihm bescheinigte Leidenschaft - die Dreharbeiten über ihn und das Attentat seien „einfach verdammt aufregend“.

Auch Heiner Lauterbach, der in „Oktoberfest, das Attentat“ einen Verfassungsschützer spielt, hat einen persönlichen Bezug zu dem Terrorakt. „Das gehört für mich zu diesen Momenten im Leben, bei den man weiß, wo man war“, erinnert sich der 59-Jährige. In seiner Schwabinger Wohnung habe er erschüttert die Nachrichten verfolgt, nur einen Tag zuvor hatte er selbst noch auf der Wiesn gefeiert.

Ulrich Chaussy hat die Hoffnung auf Wahrheit selbst nach 32 Jahren noch immer nicht aufgegeben. Den Film empfindet er deshalb auch nicht unbedingt als Auszeichnung für sein Lebenswerk, sondern vielmehr als Mittel zum Zweck: „So ein Film kann natürlich dazu führen, dass vielleicht mal jemand etwas loskriegen möchte, der etwas darüber weiß, der damals dabei war.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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