Neue Zweifel

Blut-Tests auf der Wiesn: Stadt verlangt Aufklärung

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Wirbel um die Blutentnahmen in der Wiesn-Wache: Das Rote Kreuz schweigt.

München - Die Stadt macht Druck auf das Bayerische Rote Kreuz (BRK): Als Wiesn-Veranstalter verlangt die Verwaltung Aufklärung über die Blut-Tests in der Wiesn-Wache.

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Nach Recherchen der tz zapften Ärzte Blut bei hunderten Betrunkenen ab – ohne deren Zustimmung. Die Daten tauchten nun in einer Studie auf. „Ich werde mit Verantwortlichen des BRK reden“, sagt Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) am Sonntag der tz. „Wenn die Behandlung nicht notwendig war und nur der Statistik diente, wäre das nicht in Ordnung!“

Genau das ist die Frage: Nutzten die Blut-Tests aus dem Jahr 2004 nur der Studie? Rechtsmediziner Prof. Wolfgang Eisenmenger hatte in der tz klargestellt: „Blut müsste überhaupt nicht abgenommen werden!“ Dann hätten die Ärzte ihre Patienten vor dem Eingriff über die Studie aber aufklären müssen. Das BRK widersprach: Die Untersuchung sei „dringend erforderlich“ gewesen – damit durften die Ärzte von einer Zustimmung ausgehen. Schließlich hätten laut BRK so auch Infarkte erkannt werden.

Allerdings stellen sich dabei mehrere Fragen: Von dem halben Dutzend erhobener Leber- und Nierenwerte sind einzelne laut Ärzten und Nachschlagewerken beim Herzinfarkt erhöht – allerdings erst nach Stunden. Wie „dringend erforderlich“ ist der Test dann beim akuten Notfall? Eine weitere Frage drängt sich auf: Aus früheren Veröffentlichungen geht hervor, dass Studienleiter B. von der Uni Leipzig nicht nur 2004 Geräte zur Blutuntersuchung und Labor-Personal nach München mitgebracht hat. Hätten also vor Ort „dringend erforderliche“ Tests ohne den Studienleiter gar nicht stattfinden können?

Bei einer Veröffentlichung handelt es sich um eine Wiesn-Reportage der Süddeutschen Zeitung von 2008, in der B: als Organisator eines geliehenen 200 000 Euro-Labors auftaucht. Der andere Artikel erschien in der Zeitschrift des Herstellers für Blutanalyse-Geräte Radiometer. In dieser lobt B. persönlich den zur Wiesn 2004 gestellten Apparat. Darin firmiert er als „Dr. B.“ – nach BRK-Angaben hat der Chirurg keinen Titel. In einen weiteren Widerspruch verwickelt sich das BRK selber: Für die unbedenkliche Studie hätte es gar keine Genehmigung einer Ethik-Kommission gebraucht, schreibt das BRK selbst. Warum musste dann ein Votum der Kommission in Leipzig eingeholt werden?

Diese und andere Fragen hat die tz dem BRK gestellt und keine Antwort bekommen. Erst am Montag soll es eine Erklärung geben. Die Hilfsorganisation will auch die Einwilligungserklärungen der Patienten erneut einsehen und das Gutachten der Leipziger Ethik-Kommission vorlegen. In einer früheren Mitteilung stand: „Das BRK wird das Verfahren nochmals prüfen.“

Auf deren Internet-Seite heißt es: „Das Münchner Rote Kreuz ist über diese Vorwürfe bestürzt und geht derzeit davon aus, ordnungsgemäß gehandelt zu haben.“ Von den Ermittlungen des Staatsanwalts haben die Verantwortlichen erst aus der Zeitung erfahren. Das BRK will die Behörden vorbehaltlos unterstützen.

David Costanzo

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