Im uralten Haus: Das Bier- und Oktoberfestmuseum

+
Lukas Bulka ist der Museumsleiter

München - Das Bier- und Oktoberfestmuseum in der Sterneckerstraße 2 ist ein echtes Schmuckstück. Ein Besuch lohnt sich.

„Ein ganz merkwürdiges, altes Haus, mit einer schmalen Treppe, die gleich hinter der Haustür schnurgerade und ohne Absatz und Biegung wie eine Himmelsleiter in den ersten Stock hinanführte …“ – Was Thomas Mann in seinen Buddenbrooks beschreibt, ist ja noch harmlos gegen diese Himmelsleiter. Die führt vom Erdgeschoss bis zum fünften Stock stangerlgerade nach oben. Etwaige Krümmungen stellen sich nur ein, falls Sie zuerst ausgiebig in der Wirtschaft waren. Die befindet sich im Erdgeschoss.

Sonderausstellung "Gruss vom Münchner Oktoberfest"

Sonderausstellung im Bier- und Oktoberfestmuseum

Das Bier- und Oktoberfestmuseum ist ein Schmuckstück. Und wer glaubt: „Das ist doch so eine typische Touristenklitsche!“, der hat es noch nicht besucht. Hier gibt’s weder Kitsch noch Krempel, sondern einen eindrucksvollen Einblick in die Wohnwelt des späten Mittelalters. Wir laufen schließlich durch das wohl älteste Bürgerhaus Münchens, gebaut 1340. Es wurde bis 1970 sogar noch bewohnt – obwohl es schon ziemlich verfallen war. Das Plumpsklo stand im Hof.

Derzeit im Bier- und Oktoberfestmuseum: Die Sonderausstellung "Gruss vom Münchner Oktoberfest"

Doch dann die neue Blüte: Die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung kauft das Haus, es wird generalsaniert mit allen Finessen – und ein Museum eingerichtet. Nun gut, einen kleinen Raum gibt es schon, wo ein ­bisserl Wiesn-Klischee bedient wird. Mit Blasmusik aus der Konserve und Foto-Impressionen zum Wiedererkennen. Aber sonst: Die schmalen Gänge zu den Räumen, die uralten dunklen Schwarzküchen in jedem Stockwerk, die kleinen Fenster, der mächtige Kamin, die niedrigen Türstöcke – wunderbar! Wer sich übrigens nicht im Lauf der Besichtigung mindestens einmal den Schädel anhaut, der ist entweder klein oder überirdisch aufmerksam.

Aha-Erlebnisse gibt es zuhauf. Etwa, dass das Hexagon (Sechseck) im Mittelalter das Zeichen der Brauereizunft war und erst im 17. Jahrhundert zum Judenstern wurde, wie uns Museumsdirektor Lukas Bulka erklärt.

Hintergrund: Das Zeichen stand für Alchemie, und auch das Bier bedurfte ja einer Menge Experimente, bis es zum Reinheitsgebot fand. Auf Gemälden mit Wirtshäusern findet man den Stern oft abgebildet.

Das Schmuckstück ist die originale Zunftlade aus dem 17. Jahrhundert. Alle wichtigen Papiere rund ums Braurecht werden hier verwahrt – und bis heute erhalten alle Braugesellen alle zwei Jahre den Gesellenbrief aus diesem Hopfen-Heiligtum.

Apropos 17. Jahrhundert: Damals hat München bis zu 60 Brauereien – doch der große Exportschlager wird das Bier erst mit der Erfindung der ersten Kühlmaschine Carl von Lindes (1870). Rund die Hälfte aller deutschen Export-Biere sind aus München.

Wissen wird durch angemessene Belohnung erst schön: Für alle, die eine Führung mitmachen, gibt’s eine Brotzeit (Griebenschmalz, Obazda und Leberwurst) mit einer halben Bier für vier Euro. Klingt nach Himmelsleiter für den Magen.

Matthias Bieber

Eintritt & Service

Bier- und Oktoberfestmuseum

Sterneckerstraße 2

Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr

Bis 19 Uhr: Gruppenreservierung nach Voranmeldung

Eintritt: vier Euro, ermäßigt 2,50 Euro, ­Fa­milienkarte 6 Euro. Gruppenkarte ab 6 Besuchern pro Person 3 Euro

Telefon: 24 23 16 07

www.bier-und-oktoberfestmuseum.de

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

Oktoberfest 2017 ist vorbei: So emotional war das Wiesn-Finale

Oktoberfest 2017 ist vorbei: So emotional war das Wiesn-Finale

Kommentare