Bettler jetzt sogar mitten auf der Wiesn

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Auf Krücken gebückt und mit einer leeren Kappe bettelt ein Mann mitten in der Wirtsbudenstraße.

München - Betteln ist auf dem Oktoberfest streng verboten. Doch das scheint viele nicht zu interessieren. Die Bettler werden immer mutiger. Ein Festwirt hat nun sogar Anzeige erstattet.

Ups, was ist denn das? Plötzlich hat Stefan P. (42) einen Pappbecher unter seiner Nase. Er blickt von seiner Mass auf. Vor ihm beugt sich eine ältere Frau mit Kopftuch herunter, sie blickt ihn mitleidig an und deutet auf den Becher. Die Bettel-Mafia – jetzt ist sie mitten auf der Wiesn!

Schon seit Jahren zieht die Bettel-Mafia die Männer, Frauen und Kinder im September von ihren Einsatzorten rund um den Hauptbahnhof ab und schicken sie in Richtung Thersienwiese. Bislang war vor den Eingängen Schluss, die Bettler wissen: Laut Oktoberfestordnung ist das Betteln auf dem Festgelände streng verboten. Aber das große Geld ist zu verlockend. Wohl deshalb werden die Gruppen immer mutiger und ziehen nun auch in Schaustellerstraßen und Biergärten. Polizei und Wirte sind alarmiert. Und sie gehen strikt dagegen vor – jetzt gab es laut Polizei sogar die erste Anzeige!

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

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„Wir hatten heuer schon fünf Einsätze wegen Bettlern auf der Wiesn, zwei Mal haben wir einen Platzverweis erteilt, zwei Mal waren die Personen schon weg, als wir ankamen“, sagt Claudia Haas von der Münchner Polizei. Am Dienstag seien die Beamten von Ordnern ins Schottenhamelzelt gerufen worden. „Sie haben die Bettler zuvor verwiesen – aber die sind kurz darauf wieder gekommen.“ Pech: Diesmal war die Polizei da und nahm die Gruppe mit auf die Wiesnwache und stellte die Personalien fest. „Jetzt gibt es eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.“ Auch wenn die zigtausenden Wiesn-Besucher eine Menge Geld bringen – die Bettler selbst haben so gut wie nichts davon. Die Männer und Frauen werden hier zum Betteln gezwungen. Die Polizei geht davon aus, dass die Bettler in ihrer Heimat Rumänien oder Slowakei Schulden bei Kredithaien begleichen müssen. Deshalb wandern die Euros, die sie erbetteln, alle paar Stunden direkt in die Taschen der Hintermänner.

Nina Bautz

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