DB Regio zieht Oktoberfest-Bilanz - "Kein Unterschied mehr zu Fußball-Fans"

Bahn: Wiesn so schlimm wie nie

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Bahn- und S-Bahnfahren zur Wiesnzeit: Heuer störten betrunkene Fahrgäste den Verkehr so sehr wie nie zuvor.

München - Von wegen friedlich! Bayerns DB-Regio-Chef Norbert Klimt zog jetzt eine ganz andere Bilanz. Er stellte viele Wiesnbesucher in eine Reihe mit gröhlenden, schlägernden Fußball-Rowdies, die ganze Züge demolieren.

Klimt: „Viele Leute verlieren inzwischen alle Hemmungen. Es gibt keinen Unterschied mehr zu Fußballfans“, klagt der Bahnchef. Alleine acht Mal musste die Stammstrecke während des Oktoberfests gesperrt werden. Grund: Betrunkene, die in der Nähe der Hackerbrücke in den Gleisen rumspazierten. Klimt: „So viele Fälle hatten wir noch nie“. Die DB verstärkte die S-Bahnkapazität, setzte Sonderzüge in die Region und alles verfügbare Personal ein. Aber dem Massenansturm war die Bahn diesmal an manchen Tagen nur mit Mühe gewachsen. Klimt: „Alleine während der Wiesn fuhren 1,8 Millionen Menschen zusätzlich mit der S-Bahn. Am Tag hatten wir rund 100 000 Fahrgäste mehr“. Normalerweise benutzen an Arbeitstagen rund 800 000 MVV-Kunden die täglich mehr als 1000 S-Bahnzüge.

Was der Bahn dabei zu schaffen macht: „Immer mehr Besucher betrachten die Zugfahrt als Verlängerung der Wiesn. Das Verhalten hat sich verändert“, weiß Klimt. Und entsprechend  benehmen sich die Heimkehrer daneben. Normale, nüchterne Fahrgäste können davon ein Lied singen. Bayerns Konzernbevollmächtigter Klaus-Dieter Josel, der in Mühldorf wohnt und täglich mit der Regionalbahn nach München zur Arbeit fährt, zur Veränderung des Fahrgastverhaltens: „Früher sind die Leute am Vormittag gefahren und waren um elf Uhr am Oktoberfest. Heute stehen sie schon um 7.30 Uhr am Bahnsteig, haben Sekt und Bier dabei, glühen vor und fahren nach München. Entsprechend kommen sie abends wieder heim.“

Die besten Bilder von der Wiesn 2011

So schön war die Wiesn 2011

Die Bahn schickt inzwischen schon Sicherheitspersonal mit, denn unter der Woche ist das günstige Bayernticket erst ab 9 Uhr gültig - das sehen viele nicht ein. Auch S-Bahn-Geschäftsleiter Bernhard Weisser sagte zur tz: „Insgesamt hatten während der Wiesn durch das häufige Fehlverhalten von Fahrgästen über 4000 Züge insgesamt 18 000 Verspätungsminuten. Beispielsweise standen sehr häufige Betrunkene in der Tür und verhinderten so eine Abfahrt des Zuges.“

DB-Regio-Chef Klimt zog bei dem Pressegespräch auch Bilanz über 15 Jahre Wettbewerb im Schienennalverkehr in Bayern: „Der Freistaat hat seit 1996 rund 20 von 40 Regionalnetzen ausgeschrieben, trotzdem fahren wir immer noch 75 Prozent aller Leistungen.“ Zum Fahrplanwechsel im Dezember setzt die DB erstmals auf Busse: Als Konkurrenz zum privaten Alex fahren sie täglich vier Mal in vier Stunden 45 Minuten nach Prag. Durch die um 11 Jahre verspätete Fertigstellung des Neigetechnik-Ausbaus der Strecke von Buchloe nach Kempten und Lindau verkürzten sich die Fahrzeiten ab Augsburg um zehn Minuten.

Schluss mit dem Chaos!

Mit dem Chaos in der U-Bahn-Station Theresienwiese während des Oktoberfests soll endlich Schluss sein! Die CSU-Stadträte Georg Kronawitter und Richard Quaas legten jetzt einen Antrag vor, um die Situation zu verbessern. Die Politiker fordern insbesondere eine Schwachstellen-Analyse. „MVG-Chef Herbert weist in seiner Pressmitteilung vom 3. Oktober darauf hin, dass mit etwa vier Millionen Fahrgästen ein Fahrgastrekord erzielt worden sei“, heißt es in dem Antrag. Die CSU-Politiker weisen auf die Kehrseite hin: „170 Mal musste die Station Theresienwiese wegen Überfüllung gesperrt werden.“

Die Antragsteller fordern die Überprüfung folgender Maßnahmen: Verbesserung des Fahrgastflusses vom Bahnsteig an die Oberfläche.

Ergänzende Pendelverkehre an der Oberfläche zwischen Hauptbahnhof und der Festwiese.

Umleitung von Fahrgastströmen.

Karl-Heinz Dix

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