Video: Zwei sind schon so gut wie Ude

tz-Anzapf-Gipfel mit allen OB-Kandidaten

München - Der großte tz-Anzapf-Gipfel ist vorbei. Alle vier OB-Kandidaten mussten ihre Schlagfertigkeit am Fass beweisen. Zwei Bewerber sind bereits so gut wie Ude.

Eine beruhigende Gewissheit: Auch beim nächsten Oktoberfest wird das Bier fließen! Das ist ja keine Selbstverständlichkeit, wenn 2014 sicher nicht mehr Münchens oberster Schankkellner Christian Ude (SPD) das erste Fass anzapft, nachdem er im Nebenberuf als Oberbürgermeister abtritt. Aber die Münchner können gelassen bleiben: ­Alle potenziellen Nachfolger bringen den Wechsel rein und das Bier raus – zumindest früher oder später. Das haben die vier OB-Kandidaten beim großen tz-Anzapf-Gipfel bewiesen. Zwei sind sogar jetzt schon (fast) so gut wie Ude. O’zapft is!

„In Bayern ändert sich ja nix, aber in München, da müssen wir in fünfeinhalb Monaten einen neuen OB wählen“, sagt die Mama Bavaria Luise Kinseher höchstpersönlich, die über das Geschehen wacht. „Und der muss nur Anzapfen können!“ Na klar: Beim ersten Wiesn-Samstag um 12 Uhr schreien Tausende trockene Kehlen nach Kühlung. Am Fernsehschirm schaut die halbe Welt zu und zählt mit. Da will sich München doch nicht blamieren! Darum bittet die tz die vier OB-Kandidaten zum Test ihrer Schlagfertigkeit am Fass. Sabine Nallinger (Grüne), Michael Mattar (FDP), Josef Schmid (CSU) und Dieter Reiter (SPD) marschieren hinter der Musi vom Niederbayerischer Musikantenstammtisch ein.

Die Bühne im Herzkasperlzelt von Kult-Wirt Beppi Bachmaier ist ordentlich hergerichtet: Vier 100 Liter-Fässer (genannt „Sau“) mit güldenem Hacker-Pschorr hat Paulaner bereitgestellt. Schlegel und Wechsel liegen bereit. Aufgeregt sind die Kandidaten natürlich nicht, behaupten sie – dabei hat in Wahrheit einer vorab heimlich üben wollen …

Kein Wunder: Die Kandidaten müssen unter den strengen Augen von Paulaner-Chef Andreas Steinfatt und Schankkellner-Legende Helmut Huber antreten, der seit Jahrzehnten am Nockherberg anzapft. Und im Publikum wachen die Kabarettisten Helmut Schleich und Fonsi Springer, dass ja kein Tropfen verloren geht. Jetzt gilt’s: Schlegel in die Hand, und dann oans, zwoa …

Josef Schmid (CSU): 2 Schläge

Zack-zack und dann ist der Wechsel drin. Josef Schmidt braucht nur zwei Schläge

Man kann ihm den Ehrgeiz an den Augen ablesen: Josef Schmid (CSU) will OB werden – und das tz-Anzapfen für sich entscheiden. Das schafft er auch: Er holt aus – und mit nur zwei wuchtigen und zentrierten Schlägen knackt er die „Sau“, das 100-Liter-Fass. „O’zapft is!“, ruft er. „Mehr sog i ned!“ Hinterher behauptet er mit einem Seitenhieb auf Udes Wahlkampf-Spruch: „Ich habe Wort gehalten.“ Beim Wiesn-Auftakt habe er zwei Schläge angekündigt. Schließlich zapft Schmid regelmäßig etwa beim Aubinger Herbstfest an. Schankkellner Huber zieht den Hut: „So macht man das richtig. Große Klasse.“

Der Ude-Faktor: Wenn der OB Note 1 bekommt, vergibt Huber hier eine 1,5. Weil Ude ein 200-Liter-Fass anzapft, einen „Hirschen“, was etwas schwieriger sein kann.

Sabine Nallinger (Grüne): 6 Schläge

Übung macht den Meister. Sabine Nallinger braucht sechs Schläge bis der Wechsel sitzt

Keine Frage: Frauenpower hilft auch am Fass! Sabine Nallinger (Grüne) steht beim Anzapfen ihren Mann. Anfangs hoffen und bangen die Beobachter noch: Nach dem ersten Schlag läuft das Bier wie am Brunnen unter dem Bierfilz-Spritzschutz raus. Nallinger rudert mit dem Wechsel im Fass. Nach den Schlägen zwei und drei hört es nicht auf. „Noch“, ruft Schankkellner Huber. Und Nallinger setzt drei weitere Schläge drauf – passt. „Auf eine gmahde Wiesn …“ Mit sechs Schlägen kann sie zwar nicht mit den Männern mithalten – wohl aber mit Ude, der beim ersten Anstich 1993 sieben Schläge brauchte. „Wenn die Generalprobe daneben geht, läuft die Premiere umso besser“, sagt sie.

Der Ude-Faktor: Huber gibt Nallinger Note 2,5: „Sie hat das piccobello gemacht, aber noch mit zu wenig Kraft zugeschlagen.“

Dieter Reiter (SPD): 2 Schläge

Dieter Reiter hat sich bei OB Ude einiges abgeschaut

„Das ist der Mann, der meint, dass er bei der Wahl einen Vorteil hat, weil er bei der SPD ist …“, derbleckt ihn Mama Kinseher noch. Zumindest beim Anzapfen war das kein Nachteil: Nach zwei Schlägen sitzt auch bei Dieter Reiter der Wechsel. Wobei der erste Schlag perfekt trifft und womöglich schon gereicht hätte, während der zweite fast daneben geht und die Sache eher verschlimmbessert. „Zwei Schläge sind völlig in Ordnung, weniger geht nicht“, sagt er hinterher. Es bleibt also beim Kopf-an-Kopf-Rennen um den OB-Sessel! „Des habt ihr doch z’ammgemauschelt“, meint Mama Bavaria zu Paulaner-Chef Andreas Steinfatt. Der kontert: „Pass auf, sonst derfst nimmer aufn Nockherberg …!“

Der Ude-Faktor: Schankkellner Huber vergibt ebenfalls Note 1,5!

Michael Mattar (FDP): 3 Schläge

Michael Mattar überspringt mit drei Schlägen die 5-Prozent-Hürde des Anzapfens

„Keine blöden Bemerkungen“, feixt Luise Kinseher noch über FDP-Mann Michael Mattar nach den Absturz-Ergebnissen der Partei. Um den entscheidenden Spruch dann selbst zu machen: „Selbst das Hacker-Bier hat 13,7 Prozent Stammwürze!“ Nicht nur das: Auch der Alkohol liegt mit 5,9 Prozent über den Ergebnissen der Liberalen. Mattar nimmt es gelassen und zapft mit drei mittelprächtigen Schlägen an. Es spritzt ein bissl, aber der Wechsel sitzt. „Ich bin damit erheblich zufriedener als mit den Wahlergebnissen.“ Zuletzt hat er vor drei Jahren angezapft, um in Lissabon für die Stadt das dortige Oktoberfest zu eröffnen. Da war das Publikum wesentlich unkundiger. „Aber die Plattler waren eine Sensation.“

Der Ude-Faktor: Note 2. Huber urteilt: „Da muss mehr Kraft dahinter.“

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David Costanzo

Rubriklistenbild: © Bodmer

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