Süßmeiers späte Abrechnung mit Gauweiler

+
Richard Süßmeier verlor 1984 nach seinem Streit mit Gauweiler die Wiesn-Konzession. 1989 plante er eine Rückkehr und scheiterte am Veto der CSU-Fraktion.

München - Der Wiesn-Rausschmiss ist jetzt schon 28 Jahre her, aber ihren Streit wollen Wirte-Napoleon Richard Süßmeier (81) und CSU-Rebell Peter Gauweiler (62) partout nicht beenden.

Jetzt hat sich der ehemalige Sprecher der Wiesn-Wirte in einem Interview mit München TV einen bizarr-bissigen Kommentar gegen Gauweiler nicht verkneifen können: „Ich hab’ in der Zeitung gelesen, dass er den Kirch-Prozess so lange führt, bis er umfällt. Ich hoffe, dass ich das noch erlebe.“

Süßmeier hat Gauweiler, damals Kreisverwaltungsreferent, das Wiesn-Verbot nie verziehen. Er gibt aber zu: „Ich hab gemeint, ich bin der Allerhöchste. Ich habe ihn unterschätzt und mich überschätzt.“

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

Tatsächlich fuhr Süßmeier 1984 im Krieg gegen den KVR-Chef schwere Geschütze auf. Bei einer Pressekonferenz in seinem Armbrustschützenzelt ließ er an den Wänden den Schriftzug „Gauweiler sieht Dich“ aufhängen – in Anlehnung an George Orwells Buch , in dem der totale Überwachungsstaat prophezeit wird.

Grund der Auseinandersetzung waren die schlecht eingeschenkten Massen! Günther Jauch (der damals noch für den BR arbeitete) behauptete, dass in Süßmeiers Zelt 289 Massen aus einem angeblich 200 Liter fassenden „Hirschen“ ausgeschenkt wurden. Nur leider wusste Jauch nicht, dass die Fässer nicht genormt waren. Ein Gericht sprach Süßmeier später sogar vom Vorwurf des Schankbetrugs frei.

Doch der Wirte-Napoleon legte nach: Er lud zu einer Pressekonferenz, für die er ein halbes Hendl in ein Huhn einnähte und sich als Gauweiler verkleidete. Sein Schankkellner zerlegte das Huhn – und Süßmeier rief: „Der Süßmeier macht nicht nur aus einer Mass drei Halbe. Der macht sogar aus einem Hendl drei halbe!“

Gauweiler hatte jetzt genug. Er schickte seine Kontrolleure ins Armbrustschützenzelt. Und die fanden prompt illegale Hilfskräfte. Süßmeier verlor die Konzession – und scheiterte fünf Jahre später, das Hackerzelt zu übernehmen.

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

„Es wäre gscheiter gwesn, ihn nicht zu provozieren und ihm aus dem Weg zu gehen“, resümiert Süßmeier. Kontrahent Gauweiler wollte die neuerliche Attacke gestern gegenüber der tz nicht kommentieren: „Belass ma’s dabei.“

Das Interview wird am Mittwoch, 20.15 Uhr, bei München TV gesendet.

Sebastian Arbinger

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Die Lederhose - je dreckiger, desto schöner?

Die Lederhose - je dreckiger, desto schöner?

Oktoberfestplakat 2017: Fans durften erstmals mitbestimmen 

Oktoberfestplakat 2017: Fans durften erstmals mitbestimmen 

Oktoberfest-Preise 2017: So viel kostet das Essen in den Festzelten

Oktoberfest-Preise 2017: So viel kostet das Essen in den Festzelten

Abzocke! Hotels zum Oktoberfest bis zu 160 Prozent teurer

Abzocke! Hotels zum Oktoberfest bis zu 160 Prozent teurer

Kommentare