Stadt veröffentlicht Bewertungssystem

So wird man künftig Wiesn-Wirt

Neu-Wiesn-Wirt Able.

München- Es ist eine Frage, die über Millionen entscheidet: Wer darf Wirt auf der Wiesn werden? Nachdem es Kritik an der Auswahl von Siegfried Able als neuen Wiesn-Wirt gab, will der Stadtrat die Regeln ändern. Doch die neuen Kriterien machen den Aufstieg zum Wiesn-Wirt fast unmöglich.

Lange Zeit galten sie als eines der bestgehüteten Geheimnisse Münchens: die Kriterien der Stadt für die Auswahl der Wiesn-Wirte. Doch nach der heftigen Kritik an der Wahl von Siegfried Able als Nachfolger für Sepp Krätz hatte die Stadtverwaltung angekündigt, neue Regeln für die Vergabe der Wiesn-Lizenzen aufzustellen und diese zu veröffentlichen. Nun liegt der Entwurf vor, den der Stadtrat kommende Woche beschließen soll.

Bislang gibt es insgesamt 13 Bewertungskategorien, in denen die Kandidaten zwischen null und elf Punkte bekommen können. Diese werden dann noch mit einem Faktor gewichtet. Es ist ein kompliziertes System, das bislang vor allem durch schwammige Formulierungen auffiel. Nun wird es etwas konkreter, doch noch immer gibt es Spielraum für die Auslegung der Regeln. Und: Neubewerber sollen es künftig noch schwerer haben, eines der begehrten Zelte zu ergattern. Geschützt werden vor allem die, die schon seit Jahren auf der Wiesn aktiv sind.

Doch für die meisten großen Zelte gelten die neuen Regeln gar nicht. Die Festhallen der Brauereien und der Schützengilden müssen sich auch weiterhin nicht bewerben. Nur Fischer-Vroni, Käfer, Marstall, Schottenhamel und Weinzelt werden jedes Jahr neu vergeben. Künftig sollen die Bewerbungen anhand dieser Kriterien beurteilt werden:

-Vertragserfüllung: Hier geht es darum, wie oft es Beschwerden gab. Früher bekamen neue Bewerber 5 Punkte, weil sie weder positiv noch negativ auffallen konnten. Künftig bekommen sie 0 Punkte, wer schon mal auf der Wiesn war, bekommt je nach Zahl der beanstandungslosen Zulassungen 6 bis 11 Punkte. Ein klarer Nachteil für neue Bewerber.

-Volksfesterfahrung: Dabei zählen die Jahre, die man tatsächlich auf einem Volksfest aktiv war. Wie lange man eine Reisegewerbekarte besitzt und theoretisch auf Volksfesten arbeiten könnte, gilt nicht mehr.

-Sachkenntnis: Eine bislang schwammige Kategorie, die künftig die Ausbildung des Wirts bewertet: Wer eine Lehre in der Gastronomie oder Hotellerie abgeschlossen hat, bekommt 5 Punkte, Zusatzpunkte gibt es für je fünf Jahre als selbstständiger Gastwirt sowie für Fortbildungen. -Durchführung: Ein weiterer Nachteil für Neubewerber. Sie bekommen immer 0 Punkte, wer schon als Wirt eines großen Zeltes aktiv war, bekommt 5 Punkte, Wirte kleiner Zelte haben Anspruch auf 2 Punkte.

-Stammbeschicker: Hier gibt es gleich noch mal für jeden Bewerber, der schon mal Wirt eines kleinen oder großen Zeltes war pro fünf Jahre auf der Wiesn einen Punkt. Die Grünen haben beantragt dieses Kriterium ganz zu streichen und stattdessen eine neue Kategorie einzuführen, die veganes und vegetarisches Essen sowie Bio-Zutaten belohnt. -Ausstattung: Hier bleibt es bei einer Geschmacksentscheidung, bewertet werden die Optik, die Fassade, Malereien, Beleuchtung und andere Dekoration.

-Technischer Standard:  Hier zählen das Alter des Zeltes, die Bauweise und beispielsweise, ob es eine Ringleitung im Boden für das Bier gibt.

-Anziehungskraft: Auch hier bleibt es beim Spielraum für die Entscheider. Wie will man objektiv beurteilen, wie anziehend ein Wiesnzelt ist? Voll sind sie alle. Unter anderem sollen Artikel in der Fachpresse Pluspunkte geben.

-Tradition: Erneuter Vorteil für die Platzhirschen. Für je zehn Jahre, die es ein Geschäft auf der Wiesn gibt, erhalten die Bewerber einen Punkt.

-Ortsansässigkeit: Für jedes Jahr mit Hauptwohnsitz in München gibt es einen Punkt.

-Ökologie: Hier bekommt man Punkte für Öko-Strom, Energiesparmaßnahmen und Öko-Lebensmittel. Das war auch bisher schon so.

Nicht mehr bewertet wird die Frage, ob dem Wirt das Zelt gehört  und wie viel Platz das Zelt benötigt.

Die Wirte der großen Zelte hatten in ihrer Stellungnahme übrigens sogar vorgeschlagen, ganz auf das Bewerbungsverfahren zu verzichten. Neubewerber hätten dann gar keine Chance mehr. Die Wirte der kleinen Zelte forderten zudem eine Nachfolgeregelung für ihre Kinder. Beides lehnt die Stadtverwaltung ab.

Auch bei der Bewertung der Schausteller soll es Änderungen geben. Die Stadt will den Anteil moderner Geschäfte auf der Wiesn erhöhen. Bisher erhielten Schausteller mehr Punkte, je älter ihre Betriebe sind. Das hat allerdings laut Stadt dazu geführt, dass viele Beschicker eine Neuanschaffung scheuen und sich mit älteren Geschäften bewerben. So hatten heuer von 30 zugelassenen Schießbuden 22 mehr als 40 Jahre auf dem Buckel. Um mehr moderne Geschäfte auf die Wiesn zu bringen, sollen Betriebe mit Baujahr vor 1970 nun nur noch 2 Punkte statt bisher 6 bekommen. Diese Geschäfte seien aber geschützt, da sie auf der Oidn Wiesn eine Zulassung erhalten können, betont die Stadt. Durch die Änderung sollen Schausteller einen Anreiz erhalten, in neue Geschäfte zu investieren. Von der Regelung ausgenommen sind jedoch die urtraditionellen Geschäfte: Krinoline, Teufelsrad, Schichtl, Toboggan und Co. erhalten im Bewertungskriterium „Tradition“ weiterhin die Höchstzahl von 11 Punkten. Erschweren will die Stadt den Wechsel von einem Fahrgeschäft zu einem Verkaufsstand für Essen und Getränke.

Bislang lief die Bewertung ohne nennenswerte Kontrolle ab. Künftig soll eine Innenrevision stichprobenartig untersuchen, ob die Bewerbungen richtig beurteilt wurden. Dann darf noch ein weiterer städtischer Mitarbeiter darauf schauen: der Anti-Korruptionsbeauftragte.

Philipp Vetter und Moritz Homann

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