Wie Wiesn-Hits geboren werden

München - Wie landet man einen Hit auf der Wiesn? Jedes Jahr mühen sich Musiker an dieser Frage ab. Wer heuer das Rennen macht, können nicht mal die Kapellmeister voraussagen.

Wiesn-Hit 2012

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Schon im März geht es los. Jedes Jahr. Dann kriegt Reinhard Hagitte Post von vielen vielen aufstrebenden Musikern. Und immer erzählen sie dem Chef der Augustiner-Oktoberfestkapelle das Gleiche: Das ist er, der Wiesn-Hitfür dieses Jahr. „Niemand kann einen Wiesn-Hit einfach so komponieren“, sagt Hagitte. „Das ist zum Teil schrecklich!“ Und doch gibt es sie, die Hits, die auf dem Oktoberfest jeder mitsingen kann. „Zufallsg’schichten“ nennt Hagitte sie.

Otto Schwarzfischer leitet seit 51 Jahren die Kapelle im Schottenhamel-Zelt – er glaubt nicht an zufälligen Erfolg. „Die Medien müssen das Lied vorher aufgreifen und bekannt machen.“ In Aprés-Ski-Hütten und Ballermann-Diskos zeige sich, was auf der Wiesn gut ankommen könnte.

Das war nicht immer so: Schwarzfischer hat erlebt, wie 1984 der erste Wiesnhit entstand. Es war das Jahr von STS und „Fürstenfeld“ – heute ein Klassiker. „Damals hat das zwei Wochen vor der Wiesn noch keiner gekannt.“ Ein Spezl gab ihm den Tipp, er übte das Lied mit seinen Musikern noch schnell ein. Nur eine andere Wiesn-Kapelle kam auf die gleiche Idee – „und dann wurde das der Renner, ein Wahnsinn“. Die Kollegen standen bei Schwarzfischer Schlange, um die Noten zu bekommen. „Sowas kann man nicht voraussagen“, sagt er. Und: „Das kann man auch als Komponist nicht aus dem Ärmel schütteln.“ Fürstenfeld sei der Anfang gewesen. „Seitdem wird jedes Jahr versucht, das eine Lied zu finden.“

Fragt man die Kapellmeister nach Regeln für einen Wiesn-Hit, sagen sie: Der Text darf nicht zu schwierig sein, der Refrain muss sich oft wiederholen, es braucht eine Melodie und einen Rhythmus zum Mitklatschen. „Aber nur, weil ein Lied das alles hat, ist es noch kein Wiesn-Hit“, sagt Schwarzfischer. „Manchmal gehen auch langsame Lieder – Sierra Madre zum Beispiel.“ Auch auf das Zelt kommt es an. Im Augustiner will das Publikum lieber Altbewährtes hören, im Schützenfestzelt feiern vor allem junge Leute.

Dort spielt Konrad Aigner mit seinen Niederalmern. Und er hat auch schon bittere Momente erlebt – etwa am ersten Wiesntag vor einigen Jahren. Die Kapelle machte sich bereit, zum ersten Mal den „Holzmichl“ zu spielen – ein Lied, das als sicherer Wiesn-Hit galt. Er war seit Monaten auf allen Volksfesten ein Ohrwurm, jeder kannte den Text. „Nach drei Takten fing das Publikum an zu pfeifen.“ Aigner konnte es nicht fassen, fragte in den anderen Zelten nach. „Überall hieß es: ,Hör mir mit dem Holzmichl auf!’ Damit hatte niemand gerechnet.“

Die Kapellmeister tauschen sich zwar während der Wiesn aus, Absprachen gibt es aber angeblich nicht – „man darf niemandem vorschreiben, was ihm zu gefallen hat“, sagt Aigner. Eine offizielle Liste mit Wiesn-Hits, die jeder zu spielen hat, sei undenkbar. „Das entwickelt sich, alle beobachten vorher, was kommen könnte.“ Der Kölner Karneval sei ein wichtiger Gradmesser – und die regionalen Volksfeste.

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Der Kapellmeister wagte im Jahr 2011 eine Prognose: Der Österreicher Andreas Gabalier mit „I sing a Liad für di“. Damit lag er gar nicht so falsch. Schwarzfischer hatte einen weiteren Favoriten: Mickie Krause. Sein Lied „Schatzi, schenk mir ein Foto“ konnte das Partyvolk bereits vor dem Oktoberfest auswendig. Was wird der Wiesn-Hit 2012? Wir sind sehr gespannt. „Aber“, sagt Schwarzfischer. „Man weiß es nie. Auch nicht nach 50 Jahren."

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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