Wiesn-Klassiker: Ich war noch niemals in New York

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Das Lied „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens ist einfach Kult auf der Wiesn.

München - Eigentlich ist dieses Lied viel zu gut für die Wiesn. Oder besser: viel zu ernst. Doch Udo Jürgens‘ “Ich war noch niemals in New York“ ist für die Festzelt-Gemeinde ein Klassiker zum Mitsingen.

Ich war noch niemals in New York Text

 

Und nach dem Abendessen sagte er: "Laß mich noch eben Zigaretten holen geh'n", sie rief ihm nach: "Nimm Dir die Schlüssel mit, ich werd inzwischen nach der Kleinen seh'n",

Er zog die Tür zu, ging stumm hinaus, ins neon-helle Treppenhaus, es roch nach Bohnerwachs und Spießigkeit. und auf der Treppe dachte er, wie wenn das jetzt ein Aufbruch wär, ich müßte einfach geh'n für alle Zeit, für alle Zeit...

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ging nie durch San Francisco in zerriss'nen Jeans, Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei, einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n.

Und als er draussen auf der Straße stand, fiel ihm ein, daß er fast alles bei sich trug, den Paß, die Eurochecks und etwas Geld, vielleicht ging heute abend noch ein Flug.

Er könnt' ein Taxi nehmen dort am Eck oder Autostop und einfach weg, die Sehnsucht in ihm wurde wieder wach, nach einmal voll von Träumen sein, sich aus der Enge hier befrei'n, er dachte über seinen Aufbruch nach, seinen Aufbruch nach...

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ging nie durch San Francisco in zerriss'nen Jeans, Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei, einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n.

Dann steckte er die Zigaretten ein und ging wie selbstverständlich heim, durchs Treppenhaus mit Bohnerwachs und Spießigkeit, die Frau rief "Mann, wo bleibst Du bloß, 'Wetten, dass?' geht gleich los", sie fragte "War was?" - "Nein, was soll schon sein."

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ging nie durch San Francisco in zerriss'nen Jeans, Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei, einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n.

 

Der perfekte Katalysator für die Sehnsucht

Ich war noch niemals in New York ist aus keinem Festzelt wegzudenken und versetzt die Zelt-Gemeinde in einen kollektiven Sangesrausch, liegt wohl daran, dass jeder von uns mal dem Bohnerwachs und der Spießigkeit entfliehen will.

Das Lied ist der perfekte Katalysator für die Sehnsucht. Für den Ausbruch aus der mehr oder weniger heilen Welt, den man doch nicht wagen wird. Und, ganz handfest: Der Refrain singt sich einfach saugut!

Kein Wunder, dass sogar die Sportfreunde Stiller das Lied auf ihrem jüngsten Unplugged-Album aufgenommen haben – mit Udo Jürgens persönlich! Die junge Generation wird mit einem Fachbegriff konfrontiert, den sie vielleicht nicht kennt: „Dalli-Dalli“. Das, liebe Kinder und Jugendliche, war eine höchst populäre Quizshow mit Hänschen Rosenthal. Udo Jürgens ist ja auch nicht von gestern und hat bei einer Neueinspielung seines Hits das „Dalli-Dalli“ durch „Wetten, dass..?“ ersetzt. Jetzt kennt sich wieder jeder aus.

Udo Jürgens mit königlicher Bilanz

Schwindelig werden kann es allerdings bei den Verkaufszahlen: Udo Jürgens (bürgerlich Udo Jürgen Bockelmann, geboren am 30.9.1934) hat bisher über 900 Lieder geschrieben, 50 Alben veröffentlicht und über 100 Millionen Tonträger verkauft.

Eine königliche Bilanz, und immerhin: Aufgewachsen ist Udo Jürgens auf dem elterlichen Schoss Ottmanach auf dem Kärntner Magdalensberg. Seine Mutter Käthe stammte aus Schleswig-Holstein, sein Vater Rudolf wurde als Sohn eines Bankdirektors aus Bremen in Moskau geboren. Udos Onkel mütterlicherseits war der große Dadaist Hans Arp, ein Onkel väterlicherseits war von 1957 bis 1964 SPD-Oberbürgermeister von Frankfurt.

Das Lied wurde nie als Single ausgekoppelt

Zurück nach New York: Das Lied hat Udo Jürgens nie als Single ausgekoppelt – im Gegensatz etwa zu seinem Nr.-1-Hit Griechischer Wein (1974), Siebzehn Jahr, blondes Haar (1965, Nr. 4), Merci Chérie (1966, Nr. 4) oder Aber bitte mit Sahne (1976, Nr. 5). Sein größter Verkaufserfolg war freilich an die schönste Nebensache der Welt gekoppelt. Nein, nicht, was Sie jetzt bei Udo denken, sondern an König Fußball: Buenos Dias Argentina im Chor mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die (unrühmliche) WM 1978 bescherte ihm nach nur fünf Wochen eine Goldene Schallplatte und nach zwei Monaten eine Platin-Schallplatte. Wetten, dass der ein oder andere Fußballer auch heuer auf der Wiesn wieder im Chor singt? Zusammen mit Tausenden Mitstreitern, die noch nie in New York waren?

M.B.

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