Opernbrand mit Hofbräu-Bier gelöscht

München - Die erste Bierpreiserhöhung in der Geschichte des Oktoberfestes war 1823 und 1824, aber nicht, weil Wirte und Brauereien mehr Geld verlangten, sondern weil die Münchner Oper abgebrannt war:

In beiden Jahren kostete jede Mass Bier auf der Wiesn einen Kreuzer mehr! Es war eine von König Max I. verordnete Biersteuer zugunsten des Wiederaufbaus der soeben abgebrannten Oper, die sich auf den ersten Blick gering anhört, aber bei einem Bierpreis von vier Kreuzern pro Mass satte 25 Prozent ausmachte! Und das kam so:

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

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Alle Löschteiche waren eingefroren

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Der Januar 1823 war einer der kältesten Wintermonate im 19. Jahrhundert und alle Löschteiche in München waren zugefroren. Da brach während einer Aufführung der komischen Oper Die beiden Füchse von Étienne-Nicolas Méhul hinter der Bühne des erst 1818 erbauten Nationaltheaters ein Feuer aus, das rasch um sich griff und die neue Oper fast völlig zerstörte. „Während das Parterre noch nicht ganz geleert war, loderten schon große Feuermassen aus den obersten Fenstern des Gebäudes zum Himmel empor.InkürzesterZeit ergriffderBrand das ganze Haus, weithin war die Gegend beleuchtet“, schrieb der Chronist in das Jahrbuch der Stadt.

Wütender König über löschfaule Münchner

König Max I. beklagte sich später, dass die Münchner „ dicht an dicht gaffenderweise den Schauplatz des schröcklichen Thuns umstanden ohne eine Hand zu rühren“. Offenbar war bei den Gaffern eine heimliche Freude mit dem Feuer verbunden, denn viele sahen den Brand als gerechte Strafe für den Abriss eines Franziskanerklosters, das auf Befehl von Graf Montgelas dem Erdboden gleichgemacht wurde, damit das neue Opernhaus Platz hatte. Schon 1817 ging der Dachstuhl in Flammen auf und es kursierten anonyme FlugblättermitdenWorten„Brand oder Brot“– doch eine Brandstiftung konnte niemanden nachgewiesen werden.

Hofbräubier beschlagnahmt

Aber auch die Feuerwehr stand tatenlos herum, da das Löschwasser eingefroren war. Womit also in die Flammen spritzen? Da hatte König Max I., der mit Kronprinz Ludwig und Baumeister Leo von Klenze am Fenster der Residenz der Katastrophe zusah, die grandiose Idee, die Bierfässer vom nahegelegenen Hofbräuhaus zu beschlagnahmen und damit zu löschen! Ob auf Befehl oder freiwillig: Fass um Fass rollte an, „indem die Bierbrauer ihr auf der Kühle liegendes Bier zum Brande führten“, wie Bürgermeister Jakob von Bauer schrieb. Genützt hat’s nix und die Oper brannte nieder.

Münchner spülten die Biersteuer runter

Die kurz darauf erfolgte 25-prozentige Biersteuer sieht sehr nach Strafe für die Münchner aus, die „nur gaffend“ um die brennende Oper standen. Im Gegensatz zu späteren, weit geringeren Bierpreiserhöhungen leisteten die Münchner diesmal aber keinen Widerstand. Sie spülten den höheren Preis stillschweigend runter, sodass Leo von Klenze dank des großen Durstes der Münchner sehr schnell die Oper wieder in alter Pracht errichten konnte. Am 2. Januar 1825 wurde sie zum zweiten Mal neu eröffnet.

Heinz Gebhardt

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