MVG und Bahn

Kein Mittel gegen den Wiesn-Kollaps

München - In den vergangenen Jahren hat sich die Lage im Nahverkehr rund um das Oktoberfest immer weiter angespannt. MVG und Bahn aber sehen keine Möglichkeiten, den Menschenandrang zur Wiesn besser abzuwickeln.

Rund zwei Millionen zusätzliche Fahrgäste nutzen jedes Jahr während der Wiesnzeit die öffentlichen Verkehrsmittel in München – und bringen den Nahverkehr an seine Grenzen. Ideen, den Kollaps zu verhindern, gibt es seit Jahren. Doch alle scheitern an der Umsetzbarkeit, wie heute der Stadtrat erneut demonstriert bekommt.

Der Wiesn-Fahrgastrekord: 2011 nutzten vier Millionen Menschen innerhalb von 14 Tagen U-Bahn, Bus und Tram. Im gleichen Zeitraum musste die U-Bahn-Station Theresienwiese 170 Mal wegen Überfüllung gesperrt werden, allein an einem Samstagabend 23 Mal.

Zusätzliche Leistungen anzubieten sei schlicht nicht möglich, hatte MVG-Chef Herbert König 2012 erklärt. Um die Kapazitätsengpässe zu beheben, müsse die Station Theresienwiese mindestens einen weiteren Bahnsteig bekommen – und das für nur zwei Wochen im Jahr. Dafür gebe es kein Konzept und keine Mittel.

Für Aufsehen gesorgt hatte der Nahverkehrs-Chef mit seinem Rat an Wiesn-Besucher, zu Fuß zu gehen. Seit 2012 weist die MVG auswärtigen Gästen den Fußweg vom Hauptbahnhof zur Festwiese und zurück. In der Vorlage zum heutigen Wirtschaftsausschuss gibt König jedoch zu, dass die Beschilderung „noch nicht ausreichend angenommen“ wird.

Es geht wieder los: Bilder vom Wiesn-Aufbau

Es geht wieder los: Bilder vom Oktoberfest-Aufbau

Offenbar liegt das auch daran, dass auf den schlichten Schildern „Festwiese“ – und nicht „Oktoberfest“ – steht. Das Kreisverwaltungsreferat teilt auf Anfrage mit, dass heuer an den Hinweisschildern ein Zusatzschild mit dem Wiesn-Logo und dem Schriftzug „Oktoberfest München“ angebracht werde. Auch über Bodenmarkierungen auf Bürgersteigen wird nachgedacht.

Einen erneuten Dämpfer bekommen die CSU-Stadträte Georg Kronawitter und Richard Quaas von König verpasst. Bereits seit längerem machen sie sich für eine Pendeltram zwischen Fest und Hauptbahnhof stark. Diese soll die Bayerstraße entlang und über das nicht mehr genutzte Gleis an der Martin-Greif-Straße zur Wiesn fahren. Auch Zwei-Richtungs-Trams, die nicht wenden müssen, würden sich hier „als segensreich“ erweisen, so die Räte.

Die MVG winkt nun endgültig ab: Eine Pendellinie stelle „keinen Lösungsansatz dar“. Diese würde die Strecke an Hauptbahnhof und Stachus weiter belasten, wo die Belastungsgrenze durch andere Linien schon erreicht sei. Außerdem drohe angetrunkenen Wiesn-Gästen an den Haltestellen auf Verkehrsinseln Gefahr – und ein rasches Abfertigen der Bahnen sei unmöglich.

Eine deutliche Entspannung ist indes auch am S-Bahnhof Hackerbrücke nicht in Sicht. Auch dort war es zuletzt zur Wiesn-Zeit zu chaotischen Zuständen und Drängeleien gekommen. Zum Teil mussten Züge stehen bleiben, weil sich Personen im Gleis befanden. Bahnsteigtüren aber, wie sie die CSU gefordert hatte, wird es nicht geben. Die Deutsche Bahn erklärt, dass die S-Bahn-Züge derzeit nicht punktgenau so halten können, dass die Türen der Züge an den Bahnsteigtüren zum Stehen kommen. Die dafür nötigen Investitionen in die Zugtechnik seien „immens hoch“.

Die Bahn will dem Wiesn-Wahnsinn – wie bereits 2012 – mit dem Einsatz der Bundespolizei begegnen. Einige Kollegen seien dauerhaft mit einem Container vor Ort, um Betrunkene aus dem Verkehr zu ziehen und die Fahrgäste in Blöcken auf den Bahnsteig zu lassen, sagte ein Bahnsprecher: „Rangeleien oder Menschen, die betrunken zum Pinkeln auf die Gleise steigen, werden wir aber nie verhindern können.“

Wie bereits 2012 werden auch heuer S-Bahnen – bei Überfüllung oder wenn am Bahnsteig Hackerbrücke Chaos herrscht – durchfahren bis zum Hauptbahnhof. Das wiederum ärgert MVG-Chef König: „Die Leute werden dann uns vor die Füße gekippt.“

Am Limit ist und bleibt auch der Regionalverkehr während der Wiesn. 2012 waren 400 zusätzliche S-Bahn-Züge und 155 Züge im Regionalverkehr im Einsatz. Dennoch waren Bahnen, etwa der „Alex“ aus Schwaben, tageweise so überfüllt, dass schon weit vor München kein Fahrgast mehr zusteigen konnte. Kapazitätsprobleme während des Oktoberfests seien „nahezu unvermeidlich“, erklärt die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die im Auftrag des Freistaats den Regionalverkehr organisiert.

Von Caroline Wörmann

Rubriklistenbild: © dpa

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