Enge Mieder und ein Leopard für drunter

Die Trachten-Trends für die Wiesn 2012

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Es funkelt und glitzert bei Designerin Astrid Söll (r.): Ihre Dirndl-Kreationen gibt es bei Angermaier.

München - Nur noch wenige Tage bis zur Wiesn – höchste Zeit, die Tracht perfekt zu machen. Kitsch oder Tradition? Was liegt in diesem Jahr im Trend? Wir klären auf!

Funkelnde Schürzen

Ein wahrer Mädchen-Traum und definitiv etwas Besonderes sind die Dirndl, die die Designerin Astrid Söll für Trachten Angermaier entworfen hat: Überall glitzert und funkelt es, Seide raschelt leise, darüber klimpern silberfarbene Kettchen mit Rehen und Hirschen. Sie schickt ihre Kundinnen mit transparenten Schürzen, bestickt mit Strass, Perlen und aufwändig eingewebten Applikationen auf die Wiesn. Dazu verwendet sie Stoffe mit barocken Motiven oder feinste Seide. „Besonders gefragt sind meine Charinis“, sagt die Designerin. Die kleinen Anhänger baumeln vom Mieder mit allerlei Tierchen von der Katze bis zum Reh – „das mögen die Frauen“, weiß Söll.

Das sind die Trachten-Trends 2012

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Eng und gut

Was die Männer gut finden werden, ist auch schon klar: Mieder. Nein, nicht für unten drunter, sondern im Trachten-Stil einfach zu Rock oder Lederhose. Designerin Christine Eichenseher fertigt raffinierte, aufwändige und vor allem ins Auge stechende Unikate. Spitzen und Borten zieren die Figurschmeichler, die – weil etwas länger als übliche Mieder – auch etwas fülligeren Damen zu einer tollen Silhouette verhelfen. Wer es etwas kitschiger mag, knöpft sich vorne drauf noch eine Applikation, etwa ein Gemälde von Kaiserin Sissi.

Weg mit der Bluse

Einige Dirndl-Modelle haben heuer das Korsett bereits eingearbeitet – und machen damit die Bluse überflüssig. Verena und Tanja Brock haben für ENA-Trachten Dirndl im Korsagen-Schnitt entworfen, die an die 50er-Jahre erinnern – nach dem Motto Vintage trifft bayerische Folklore. Mit einem Gummizug am Rücken passen sie sich der Figur an. Petticoats aus Tüll und romantische Muster lassen die Tracht mädchenhafter und verspielter wirken als traditionelle Modelle. Ohne die Bluse gleicht das Dirndl zuweilen eher einem Sommer- als einem Trachtenkleid – vor allem für junge Frauen eine Abwechslung im Wiesn-Kleiderschrank.

Klassiker im Trend

Wem die Dirndl-Couture oder die Mieder-Tracht ein bisserl zu auffällig ist, der kann aufatmen: Immer im Trend und heuer besonders nachgefragt sind auch die klassischen Dirndl: mit Blumenmuster, kariert, gepunktet, mit Samtoberteil oder in Baumwolle, mit Baumwoll- oder Seidenschürze – wie immer es gefällt. „Die Tracht wird heuer wieder traditioneller, die Dirndl länger“, sagt Benedikt Daller, Chef von „Daller Tracht“. Die meisten seiner Kundinnen entscheiden sich für ein Dirndl, das die Knie umspielt. „Es gab in den letzten Jahren den Trend, dass es möglichst kurz und auffällig sein muss“, sagt Daller. „Das geht jetzt wieder zurück. Die Frauen wollen eine Tracht, die sie auch außerhalb der Wiesn tragen können.“ Das bestätigt auch Eileen Meissenberger, Stylistin bei Angermaier: „Viele greifen heuer auch gerne zu Dirndl mit Leinenoberteilen und Schößchen im Rücken.“ Trendfarben sind in diesem Jahr nach Aussage der Expertin alle Beeren-Töne, dazu Olivengrün, Champagnerfarben und andere Hauttöne.

Die Dirndl der Promidamen

Promi-Damen im Dirndl

Für kalte Tage

Natürlich hoffen alle das Beste – doch wenn es trotzdem mal kalt ist, sollte man gewappnet sein. Mit einer schönen Strickjacke liegt man nie verkehrt. Besonders schön sind die liebevoll mit der Hand gefertigten. Wen die Wolle kratzt, weicht auf Baumwolle aus oder bedeckt die fröstelnden Schultern mit einem Pashmina-Schal. Nach wie vor im Trend: Dreiecks-Tücher mit Fransen, kleinere Halstücher oder Schals. Leicht ins Gespräch kommt man über besondere Aufdrucke. So gibt es etwa einen München-Schal aus Seide mit aufgedruckten Münchener Wahrzeichen wie der Frauenkirche und Bavaria zusammen mit vielen bunten Herzen.

Ein Körperteil, das auf der Wiesn beim Maßkrugstemmen arg strapaziert wird und daher besondere Beachtung verdient: die Handgelenke. Für sie gibt es gestrickte Handgelenkswärmer – am besten passend zur gleichen Strickjacke.

Der Leopard darunter

Sieht zwar nur ein ausgewählter Personenkreis, aber wer unten drunter auch mit der Mode gehen möchte, muss sich vom Schlichten verabschieden: Ein Hit ist in diesem Jahr etwa die Unterwäsche von Lola Paltinger mit Leoparden-Druck, stattlichen Hirschen und mit rosa Schleifchen.

Nur gut mit Hut

Das Accessoire der diesjährigen Wiesn ist unbestritten der Hut. Ob in Stroh oder Filz, mit Feder oder Gamsbärtchen und gerne auch in frischen Farben wie Beere oder Grasgrün – damit liegt man nie daneben. Beim Täschchen wählen die Damen vor allem praktisch. „Die meisten wählen eine kleine Handtasche, quer über die Brust zu hängen“, sagt Eileen Meissenberger. Damit hat man die Hände frei und wird trotzdem schnell auf Langfinger aufmerksam. Die Tascherl gibt es für jeden Geschmack: Aus Filz oder Leder, quadratisch und in Herzform, mit „Spatzl“-Aufdruck oder Rehlein drauf. Wer‘s ausgefallener mag – kein Problem. Wie wäre es mit einem Loden-Clutch mit silbernem Hirschkopf vorne drauf?

Trends für Männer

Während die Dirndl wieder länger werden, zeigen die Männer zunehmend mehr Bein: „Die kurze Lederhose hat im Vergleich zur Bundhose stark zugenommen“, sagt Benedikt Daller. Letztere verdeckt das Knie – und damit vielen Männern offenbar zu viel. „Alle Altersklassen greifen heuer lieber zur kürzeren Variante“, sagt Daller. Und oben rum? Da muss es für den modebewussten Herrn eine Trachtenweste aus Samt sein. „Den Trend gibt es schon seit zwei, drei Jahren, und heuer haben wir bei den Westen noch mal eine Steigerung“, sagt der Experte. „Am besten gehen die Farben Grün und Rot – also auch eher die traditionellen Modelle.“

von Doris Richter und Ann-Kathrin Gerke

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