Kurioses Hobby

Der Lederhosen-Verleiher aus Dorfen

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Frank Rummer in seinem Lederhosen-Lager. Das befindet sich im Keller seines Hauses in Dorfen. Rund 300 Stück hat der 50-Jährige dort verstaut.

Dorfen – Wer bayerisches Lebensgefühl zeigen will, geht in Tracht auf die Wiesn. Für ein g’standnes Mannsbild ist es ein Muss, eine Lederhose zu tragen. Doch was machen Wiesn-Besucher, die keine Krachlederne haben? Sich eine leihen. Bei Frank Rummer.

Frank Rummer aus Dorfen hat ein kurioses Hobby. Er sammelt alte Lederhosen. Nicht irgendwelche – echte Hirschlederne müssen es sein. Weit mehr als 100 urige Unikate nennt Rummer sein eigen. Und: Er verleiht sie auch.

Zum Oktoberfest sorgt Rummer vor allem bei ausländischen Wiesnbesuchern für ein urbayerisches Lebensgefühl. Der 50-jährige selbstständige IT-Berater verpasst Australiern, Engländern, Spaniern, Italienern und auch Arabern urige originale Lederhosen – egal, ob kurz oder knielang. Seine Kunden sind Firmen und Konzerne, die Geschäftspartner zu einem Oktoberfestbesuch einladen.

Vor zehn Jahren hat der Dorfener mit seinem Hobby begonnen. An die 300 Lederhosen hatte Rummer anfangs. Doch die reduzierten sich schnell auf den heutigen Bestand von etwa 120 Stück – darunter auch einige für Kinder.

Ja, so eine Lederhose sorgt halt für gute Stimmung: Diese Herren kommen aus Nordrhein-Westfalen, spielen alle im gleichen Kegelclub und wollten bei sich zu Hause mal ein zünftiges Fest feiern. Sie bestellten die Krachledernen online.

Die Rummerschen Lederhosen sind wahre Raritäten. Kein Exemplar ist jünger als 25 Jahre. Zahlreiche „Modelle“ haben schon 60 und mehr Jahre auf dem Hosentürl. Die Lederhosen sind so, wie eigentlich eine urbayerische Krachlederne sein sollte: alt, speckig und abgegriffen. Zur Wiesnzeit ordern vor allem Münchner Firmen Rummers Lederhosen, darunter auch ein Versicherungskonzern. Der Dorfener liefert die Ware dann persönlich zum Hotel, in denen die Gäste der Mieter untergebracht sind. Meist ist er auch bei der Auswahl der Größe und bei der Anprobe dabei.

Denn die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass es gerade Gäste aus Übersee mit der Wahl der richtigen Lederhose nicht immer leicht haben. Da kommt es schon mal vor, dass ein Australier die Lederne falsch rum anzieht – das Hosentürl am Gesäß. Das mit dem Hosentürl ist eh so eine Sache. Rummer muss der Kundschaft oft erklären, warum die Lederhose denn so ein großes Hosentürl hat. Bei Kniebundhosen kostet es oft viel Überzeugungskraft, dass die Hose wirklich nicht zu kurz ist und unterhalb des Knies enden muss. Die Lederhosen-Anproben sind meist „richtig lustig“, erzählt Rummer. Auch das ist ein Grund dafür, dass er an seinem Hobby festhält. Nicht selten wird der Dorfener dann von seinen Kunden mit zum Wiesnbesuch eingeladen.

Seit Jahren schickt der Dorfener Lederhosen-Exot die bayerische Manneszierde auch nach Dubai in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort veranstaltet ein großes Hotel nach dem Ende der Münchner Wiesn ein bayerisches Oktoberfest – sozusagen die Araber-Wiesn. Zu Bier, Küche und Musik aus Bayern braucht es natürlich auch bayerische Lederhosen. Jedesmal ist das ein riesiger Aufwand mit den Zollformalitäten, erzählt Rummer. Der Vertrieb der Hosen erfolgt großteils über das Internet.

Der Dorfener betreibt unter www.lederhosen-verleih.de einen Onlineshop. 4,50 Euro Miete kostet das Beinkleid am Tag. Die Hosenträger gibt es gratis dazu. Wer sich seine Lederne per Post zuschicken lassen will, zahlt sieben Euro Versandgebühr. Wegen des Wertes der Hosen verlangt Rummer 250 Euro Kaution. Über seine „Mitbewerber“ im Internet macht sich der Dorfener keine Gedanken. Die verleihen Billig-Produkte, hergestellt in Indien, Pakistan oder Sri Lanka, weiß er. Für Rummer sind das „Kostüme“.

Er sagt: „Wer in meinen Hirschledernen aufs Oktoberfest geht, ist nicht schon von Weitem als Tourist zu erkennen. Und für die meisten ist es cool, teilweise sogar eine urigere Hose zu tragen als die Einheimischen.“

Anton Renner

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