Klassisch & bunt: Die Jubiläumsmode auf der Wiesn

München - Die Wiesn-Mode besinnt sich zum Jubiläumsfest auf Tradition. Frauen, denen das zu bieder ist, dürfen sich Strass aufbügeln - oder in eine knackige Nappa-Lederhose schlüpfen.

Wer ohne Tracht aufs Oktoberfest geht, ist mittlerweile fast schon ein Außenseiter. Ob Bayer oder nicht, ob Mann oder Frau, ob jung oder alt: Dirndl oder Lederhose müssen beim Wiesnbesuch einfach sein. “Die Tendenz ist immer noch steigend“, sagt Nicole Krajewski, Designerin und Einkäuferin bei Trachten Angermaier in München. In diesem Jahr werde alles klassischer und dezenter, die Kunden legten Wert auf Qualität. “Klassisch muss aber nicht zopfig sein“, sagt Krajewski. “Alles ist einfach mehr an die Tradition angelehnt, modifiziert mit heutiger Farbe und Schnittführung.“ Und auch die Materialien würden noch edler.

Die Jubiläumsmode auf dem Oktoberfest

Klassisch & bunt: Die Jubiläumsmode auf der Wiesn

So kommen in diesem Jahr wieder alte Verarbeitungstechniken zum Einsatz. Dirndl hätten beispielsweise ein schönes Dekor am Ausschnitt, erklärt Krajewski. Es sind Stickereien zu sehen, Borten und Bordüren. Viele Seidenstoffe werden verarbeitet, allerdings nur gewebte Seide, kaum mehr bedruckte. Bei manchen Dirndln werden die Materialien gemixt, zum Beispiel ein Seidenoberteil mit einem Baumwollrock. “Das ist auch praktischer auf der Bierbank“.

Bei den Farben allerdings ist nach wie vor Auffallen angesagt: Es bleibt bunt. Besonders Beerentöne sind in diesem Jahr im Trend. Sie werden klassisch mit Tannengrün und mit kräftigerem Grün kombiniert. Aber auch kräftiges Blau in allen Nuancen, wie Royalblau oder Aquablau, ist im Kommen. Und Altrosa wird wieder in.

Inspirationen: Die Dirndl der Promi-Frauen

Promi-Damen im Dirndl

Auch die Münchner Designerin Lola Paltinger verwendet bei ihrem ausgefallenen Trachten-Label “Lollipop und Alpenrock“ viel Farbe. Zudem arbeitet sie mit Borten und bestickten Schürzen aus Samt und Seide. Und - getreu dem diesjährigen Motto “back to the roots“ - finden sich viele Leinenstoffe in ihrer Kollektion. Im Trend sieht Paltinger auch Dirndl, die die Trägerin selbst aufgepeppt hat. Zum Beispiel könne man Borten oder Strass aufbügeln und so besonders Schürzen individuell gestalten, sagt sie.

Auch in der eher konservativen Wiesn-Mode verschwimmen die Geschlechtergrenzen: In den Kollektionen sind immer mehr Lederhosen für Frauen zu finden. “Sie sollen knackig und hüftig sitzen und bestehen aus schönen neuen Lederqualitäten, auch im Nappa-Bereich“, erläutert Hartmut Spieth, Geschäftsführer von Spieth & Wensky aus Obernzell. Das sei jedoch eher etwas für absolut modische Typen, so Krajewski. Die Hosen dürfen dann aber auch bunt sein: Während Spieth & Wensky auf neue, helle Lederfarben setzt, bietet Angermeier in diesem Jahr Frauen-Lederhosen in Rot, Giftgrün und Royalblau an.

Der absolute Star bleibt aber das Dirndl. Wie schon in den vergangenen Jahren sind die Kleider eher lang geschnitten. “Überm Knie geht gar nicht mehr“, sagt Krajewski. Man trage das Dirndl knieumspielend und länger. Paltinger beobachtet, dass besonders junge Mädchen wieder lange Dirndl anziehen, die etwa bis zur Wade reichen. Unterröcke bleiben unverzichtbar. “Ob aus Tüll, Taft oder Spitze: Irgendwie guckt immer unten was raus aus dem Dirndl.“ Die Schürzen sind in diesem Jahr oft aus traditionellen Materialien wie Seide, Taft und Samt gefertigt. Gabriele Hammerschick, Leiterin der Trachtenabteilung bei Lodenfrey, empfiehlt Wendeschürzen in unterschiedlichen Uni-Farben oder auch auf einer Seite kariert. Besonders praktisch seien Schürzen aus Polyester, sagt sie. Sie ähneln Seiden-Schürzen, sind aber strapazierfähiger.

“Es sind auch viele Doppelschürzen im Anmarsch“, sagt Krajewski. Man trage beispielsweise eine Schürze aus Seide und darüber eine durchsichtige Tüll- oder Spitzenschürze. “Schürzen sind wichtig zum Kombinieren. Durch das Verändern der Schürze kann ich aus einem Dirndl fünf machen.“ Wichtig sei auch, dass die Schürze die richtige Länge habe. “Bei einem Baumwolldirndl sollte sie etwa zweieinhalb bis drei Zentimeter kürzer als der Rock sein, bei einem festlichen Dirndl bis zu einem Zentimeter kürzer“, erklärt die Expertin.

Männer haben es einfacher. Sie tragen Lederhosen in allen Variationen, Karohemden und auch mal einen klassischen Trachtenhut. “Wer mit der Mode gehen will, greift zu Hemden in den neuen Blau- und Beerentönen“, sagt Spieth. “Eine Weste muss eigentlich sein“, findet Krajewski. “Die ist praktisch, weil sie eine Innentasche hat. Sie kleidet ungemein, und man kann mit einer Weste in Lila, Pink oder Beere auch mal farblich einen Trend setzen.“ Auch Tücher und Schals seien für Herren wichtig.

Die Damen können in diesem Jahr aus vielen Accessoires wählen. “Hüte haben sich doch ein bisschen durchgesetzt“, sagt Paltinger. Auch sie dürfen farbig sein: Angermaier bietet beispielsweise klassische Hüte in rot und grün, die mit Federn in allen Farben aufgepeppt werden. Aber auch andere Kopfbedeckungen wie Federhaarreifen sind im Kommen. Dazu trägt man eine farblich zum Outfit passende Handtasche.

Schmuck sollte unbedingt typgerecht sein, sagt Krajewski. Sie setzt in diesem Jahr auf Dekolleté-Charivaris, eine Schmuckkette, die in die Schnürung am Mieder kommt. “Weniger ist mehr“, rät Hammerschick bezüglich des Schmucks. Man sollte immer nur ein Stück tragen. Also entweder Ohrringe oder Halskette, Armreif oder Haarreif. Besonders schön bei Frauen findet sie Cashmere-Dreieckstücher, handbestickt und mit Fransen. Die könnten sich Frauen hervorragend zum Wärmen um die Schulter legen.

An den Füßen bleibt es ebenfalls bunt. Die klassischen Spangenschuhe sind farbig, in diesem Jahr hauptsächlich Beerenfarben, Lila, Blau oder Grün. Zusätzlich seien sie mit Strass verziert oder auch als Highheels erhältlich, sagt Krajewski. Auch Strümpfe und Wadenwärmer sind in Lila zu haben. “Wer will, darf also gerne wild kombinieren.“

Tina Nachtmann, dpa

Rubriklistenbild: © Lola Paltinger/dpa/tmn

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