Nähblog Teil 3

Mein Militär-Dirndl

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München – Jetzt geht es schon an die Feinheiten. Im dritten Teil meines Dirndl-Nähkurses lerne ich das Paspelieren. Eine alte Nähkunst ursprünglich für militärische Kleidung.

Das ist nicht meins, aber so ungefähr sollte mein Mieder später auch aussehen.

Manch einer, der die Stoffe meines Dirndls sieht, wird die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Das sind doch keine Trachtenstoffe! Keine regionalen Merkmale zu erkennen, Blümchen- und Karomuster kommen in meinem Dirndl nicht vor. Von gedeckten Farben ganz zu schweigen. Ich will es mal diplomatisch formulieren: Als gebürtige Westfälin habe ich die Freiheit, die Tracht zu interpretieren. Doch zumindest auf ein klassisches Detail möchte ich nicht verzichten: die Paspeln.

Mit Paspeln werden die Nähte betont. Ursprünglich waren diese wulstigen Nahtbesätze zur Verstärkung an militärischer Kleidung gedacht. Doch auch in der Trachtenmode setzten sich die Paspeln als Verzierungen und farbliche Akzente durch. Wer die Nähte seines Dirndls mit Paspeln verschönern möchte, braucht viel Geduld und muss sich einfach die Zeit dafür nehmen. Ich habe jetzt schon zwei Wochen in meinem Nähkurs daran gearbeitet. Aber dafür kann sich das (fast fertige) Ergebnis auch wirklich sehen lassen.

Viele Schrägbänder müssen aus dem Stoff geschnitten werden, um eine etwa drei Meter lange Paspel herzustellen.

Zuerst habe ich Schrägstreifen aus dem fliederfarbigen Tupfenstoff meines Oberteils geschnitten und die aneinander genäht. Etwa drei bis vier Meter lang sollte der Streifen werden. Ich wollte auf Nummer Sicher gehen und habe mindestens fünf Meter Schrägstreifen hinter mir her zur Nähmaschine gezogen. Meine Nählehrerin Kathy hat nur den Kopf geschüttelt und rigoros ein Stück abgeschnitten. In den Schrägstreifen näht man dann eine dünne Kordel, ein. Zum Schluss hat man eine Paspel, die genau auf die einen Zentimeter breite Nahtzugabe passt. Die Kordel liegt dabei nicht am Rand der Nahtzugabe, sondern im Schnittteil. Dann können Oberteil, Futter und Paspel zusammengenäht werden. Fertig ist das Mieder.

So einfach könnte es sein - wenn man eine geübte Näherin ist. Da ich aber ein besonders gutes Verhältnis zum Nahtauftrenner habe, zieht sich bei mir das Paspelieren einige Zeit hin.

Immer wieder überprüfe ich das Ergebnis und freue mich: Das Mieder sieht gar nicht nach Soldaten-Uniform aus! Da noch ein paar letzte Nähte fehlen, seht Ihr das Bild vom fertigen Oberteil erst nächste Woche.

lot

Lest doch auch meine Erfahrungsberichte von

Woche 1

Woche 2

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