Nähblog Teil 4

Dirndl-Nähkurs: Von Fröschen, Mäulern und Blut

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München – Ein Dirndl selbst zu nähen, fordert jede Menge Geduld. Nach einer weiteren Woche in meinem Dirndl-Nähkurs sind meine Fingerspitzen taub. Dafür zieren mein Kleid viele kleine Froschmäuler.

Das Dirndl-Mieder ist fertig, jetzt fehlen noch ein paar Verzierungen.

Ich kann es kaum glauben: Das Mieder meines Dirndls ist fertig. Das Futter ist drin, die Nähte sind alle gerade geworden, die Fäden vernäht. Das Oberteil sitzt wie angegossen. Was fehlt, sind ein paar Verzierungen. Sehr beliebt in der Dirndl-Mode ist die Froschmaulborte. Auf Bairisch – das habe ich immerhin schon gelernt – wird sie auch Froschgoscherl genannt. Ihr habt sie bestimmt schon an einigen Kleidern bewundert. Sie rankt sich um den Ausschnitt und die gerüschte Form erinnert an kleine Froschmäulchen. Ich habe mich schon immer gefragt, wie diese Borte eigentlich hergestellt wird.

Heute weiß ich, dass die Froschmaulborte das Ergebnis stundenlanger Handarbeit ist. Für die zweifarbige Borte stelle ich zuerst einen vier Meter langen Schrägstreifen aus meinem fliederfarbigen Miederstoff her. Um mehr Kontrast zu erhalten, nähe ich auf die Rückseite des Schrägstreifens ein violettes Satinband. Das ist dann leider auch schon alles, was ich mit der Nähmaschine verarbeiten kann.

Eine Froschmaulborte für ein Dirndl herzustellen, ist eine schmerzhafte Angelegenheit.

Zu Hause sitze ich mit meiner vier Meter langen Borte, lege sie in Falten und fixiere sie mit Stecknadeln. Das ist eine schmerzhafte Angelegenheit, ständig steche ich mir in die Finger. Nach zwei Stunden sind meine Fingerspitzen taub und ein paar Tropfen Blut zieren meine Borte. Ein Pflaster muss her. Weil ich damit nicht mehr arbeiten kann, verschiebe ich alles weitere auf den nächsten Tag. Und so dauert es drei Tage, bis ich die Borte durch die Falten auf weniger als einen Meter geschrumpft habe und sie auf das Mieder nähen kann.

Obwohl meine Finger sich noch immer nicht erholt haben, sitze ich wieder abends auf meinem Sofa und nähe jetzt jedes einzelne Froschmaul mit der Hand zusammen. „Nie wieder“, zische ich zwischendurch vor mich hin. Aber als ich nach zwei Tagen das Ergebnis in der Hand halte, weiß ich: Die Arbeit hat sich gelohnt. Und die Bluttropfen kann man gar nicht sehen.

lot

Lest doch auch meine Erfahrungsberichte aus

Woche 1

Woche 2

Woche 3

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