Mein Freund, der Nahtauftrenner

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Erst genäht - dann wieder aufgetrennt. Man braucht viel Geduld beim Nähen eines Dirndls.

München – Ein Dirndl selbst schneidern ist ein Traum unserer Autorin. In einem Nähkurs bekommt sie die Anleitung. Nach der zweiten Woche hat sie gelernt: Man braucht vor allem viel Geduld – und das richtige Werkzeug.

Kennen Sie das auch? Vor meinem Geburtstag kann ich nächtelang nicht schlafen. Tagsüber durchsuche ich die Wohnung nach Geschenken, die für mich versteckt sein könnten. Und halte ich die Präsente endlich in der Hand, wird das Papier sofort aufgerissen. Geduld ist wirklich nicht meine Stärke. Das wird mich auch aktuell in der zweiten Woche meines Dirndl-Nähkurses bewusst.

Nach der ersten Anprobe müssen noch ein paar Änderungen am Mieder gemacht werden.

Am Morgen bin ich in freudiger Erwartung aufgewacht. Jippieh, heute wird genäht! Schließlich haben wir in der vergangenen Woche alle Schnittteile für das Mieder ausgeschnitten und vorbereitet. Jetzt dürfen die anderen Kursteilnehmer und ich endlich an die Nähmaschinen. Zuerst nähe ich in den beiden Vorderteilen die Brustabnäher. Sie geben dem Mieder die richtige Form. Doch die supertolle Computernähmaschine meiner Nählehrerin ist noch ungewohnt für mich. Die Folge: Die Abnähernaht ist ziemlich krumpelig geworden. Doch weil das Dirndl perfekt werden soll, frage ich zum ersten Mal an diesem Abend: „Wo ist der Nahtauftrenner.“ Hätte ich gewusst, was mich noch erwartet – ich hätte nicht gefragt.

Im nächsten Schritt werden die Teile des Mieders zusammengenäht, die Schulter- und eine Seitennaht geschlossen. Obwohl ich das Pedal der Nähmaschine nur leicht drücke, rast die Maschine mir davon. Tapfer nehme ich immer wieder den Nahtauftrenner zur Hand. Und endlich ein Ergebnis: Das Mieder ist zusammengenäht. Die erste Anprobe!

Die Änderungen werden auch auf das Schnittmuster übertragen.

Meine Nählehrerin Kathy wirft einen prüfenden Blick auf meinen Oberkörper, zupft das Mieder ein wenig zurecht und beginnt mit dem Abstecken. Die Brustabnäher müssen etwas größer gemacht werden, die Seiten sind dagegen ein bisschen zu eng geworden und die Naht des Mittelteils wird auch ein bisschen kurviger. Schnell zeigt sie mir, wie die Änderungen in das Schnittmuster übertragen werden – und drückt mir dann wieder den Nahtauftrenner in die Hand.

Ich seufze leise und trenne meine Nähte auf. Meine Geduld wird an diesem Abend wirklich auf eine harte Probe gestellt. Doch wenigstens die Nähmaschine gehorcht mir mittlerweile besser. Zum Schluss habe ich die Änderungen alle erledigt. Ich halte das Mieder in den Händen und kann nicht glauben, dass mein Dirndl in fünf Wochen fertig sein wird. Wie soll ich es bloß bis dahin aushalten?!

Nächste Woche mehr und wer wissen möchte, wie die erste Woche meines Nähkurses war, kann das hier nachlosen.

lot

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