Scheinkäufe, Zeltverbot und Schwarze Liste

Wirte als Wiesn-Detektive: So jagen sie Tischabzocker

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Thomas Vollmer, Wirt vom Augustinerzelt, sucht im Internet gezielt nach Schwarzhändlern.

München - Die Abzocker fühlen sich sicher, stellen überteuerte Reservierungen ins Internet und kassieren für einen Wiesn-Tisch bis zu 4000 Euro! Jetzt aber müssen sie zittern: Die Wirte haben den Schwarzmarkt-Trend endgültig satt.

Update vom 17. Juli 2017: Wie kann ich noch einen Tisch in einem Festzelt reservieren? Und wie geht das überhaupt. Wir haben alle Infos zur Reservierung auf dem Oktoberfest 2017 zusammengefasst.

Sie bekämpfen die Abzocker mit einer Schwarzen Liste und Zeltverbot! Einige sind ihnen schon ins Netz gegangen. Augustiner-Wirt Thomas Vollmer kämpft ganz vorne mit. „Wir haben in den letzten Wochen zehn Anbieter erwischt. Nur so können wir den guten Ruf der Wiesn bewahren“, sagt Vollmer der tz. Seine Mitarbeiter durchforsten seit Monaten das Netz. „Wir mussten einige Scheinkäufe tätigen, um Anbieter zu schnappen. Dabei hab ich viel Geld gelassen, aber das war es wert.“

Mehr als 132 inoffizielle Tischreservierungen im Wert von 132 000 Euro stehen für die Wiesn 2012 laut dem Markenschutzunternehmen MarkMonitor im Internet zum Verkauf. Es seien meist Mitarbeiter großer Firmen, die einen ganzen Tisch samt Hendl und Bier verkaufen, sagt Vollmer. „Da kommen dann zehn Kollegen nicht mit und der Mitarbeiter bietet den übrigen Tisch an.“ Daniela Heide von der Wirtsfamilie der Bräurosl hat erst am Mittwoch zwei Verkäufer gestoppt. Sie berichtet: „Schlimm sind Privatpersonen, die eine Reservierung kaufen und sie dann über eine Agentur im großen Stil weiterverticken.“

München im Wiesn-Fieber

Macht müde Männer munter. © cs
Deko-Alarm am Hauptbahnhof. © cs
Deko-Alarm am Hauptbahnhof. © cs
Doppelansichten... © cs
Dieser Bär kann alles, was man in Bayern braucht. © cs
Sogar Lindt gestaltet Wiesn-Herzen. © cs
Sogar Lindt gestaltet Wiesn-Herzen. © cs
Obwohl Starbucks mit der bayerischen Tradition wenig am Hut hat, gibt`s im Münchner Starbucks trotzdem Oktoberfest-Tassen und Becher. © cs
"Schee" ist die Oktoberfest-Tasse von Starbucks aber schon. © cs
Die neuen Choclait Chips in Brezn-Form! © cs
Natürlich müssen die Pflaster auch zum Wiesn-Outfit passen, dachte sich hier wohl der Hersteller. © cs
Das iPhone sollte auch dem Oktoberfest-Style angepasst werden. © cs
Kitsch ist zur Wiesn-Zeit erlaubt: Dieser Brotkorb vermittelt Oktoberfest-Feeling am Frühstückstisch. © cs
Sogar Mickey und Minnie sind offensichtlich Fan von Dirndl und Lederhosn. © cs
Karrierte Hemden sind trachtig genug, dachte sich dieses Geschäft. © cs
Ob sich Handys in Oktoberfest-Deko besser verkaufen? © cs
Ein Highlight: Die "bayerische Brille". © cs
Einmal "Restwärme" zum Mitnehmen bitte. © cs
Noch Single? Nicht mehr lange mit dieser Tasche. © cs
Für alle, die gerne Mal mit ihrer Mass kuscheln... © cs
Das Wiesn-Beauty-Set. Ob es tatsächlich schöner macht sei dahingestellt - aber die Verpackung ist nett. © cs
Nach der Starbucks-Tasse darf dieses Exemplar natürlich nicht fehlen! © cs
Ob dieses Schuhe wohl als Ersatz für Haferlschuhe durchgehen? © cs
Bettwäsche soll das Wiesn-Feeling komplett machen. © cs
Auch beim Bäcker gibt`s jetzt Oktoberfest-Herzen so weit das Auge reicht. © cs
Ein Highlight: Der sprechende Flaschenöffner sagt "Prost". © cs
Hier können Männer unter Beweis stellen, dass ihre Fähigkeiten in Punkto "Dekolletès wieder erkennen" sehr gut sind. © cs
Wer fühlt sich angesprochen? © cs
Damit die Nägel immer zum Dirndl passen. © cs
Einfach süß diese Männchen. © cs
Die neuen Wiesn-Handtaschen. © cs
Natürlich wäre ein unbayerisches Feuerzeug ein "No-Go" auf dem Oktoberfest. © cs
Salamander in Tracht. © cs
Alles, was das Oktoberfest-Herz begehrt. © cs
Oberfesche Wadl-Wärmer. © cs
Der etwas andere Trachten-Style. © cs
Der etwas andere Trachten-Style. © cs
Der Fußboden dieses Geschäfts war gepflastert mit Wiesn-Herzen. © cs
Ein Fußboden gepflastert mit Wiesn-Herzen. © cs
Damit man nach dem anstrengenden Wiesn-Besuch bis Mittag ausschlafen kann. © cs
Aua! Hier weint das Auge, aber es freut sich das Kitsch-Herz. © cs
Unnötig ist dieses Produkt vielleicht, aber in "bayerischer Verpackung" gut zu verkaufen während der Wiesn-Zeit. © cs
Brezn hängen mittlerweile in fast jedem Schaufenster. Sieht aber auch ganz hübsch aus. © cs
Schon Mal eine Kamera auf der Wiesn verloren? Dann sollte man sich die Wiesn-Kamera zulegen: 27 Schuss, Einweg und kostet fast nur 15 Euro. © cs
Das Kitsch-Herz freut sich: Oktoberfest-Schmuck! © cs
Das Kitsch-Herz freut sich: Oktoberfest-Schmuck! © cs

Nur selten haben die Wirte das Glück, dass sie den Abzocker übers Internet identifizieren können. Hans Stadtmüller von der Fischer Vroni fand bei Ebay einen Verkäufer, der ein Foto seiner Biermarken samt laufender Nummern eingestellt hatte. „Wir haben ihn sofort kontaktiert und gezwungen, das Angebot rauszunehmen.“ Sepp Krätz vom Hippodrom hat eine Mitarbeiterin extra für die Ebay-Recherche abgestellt. Lässt sich zurückverfolgen, wer ein Angebot eingestellt hat, greift Krätz selbst zum Hörer. Erst kürzlich schnappte er zwei Abzocker: „Die waren ziemlich blamiert, als ich sie angerufen habe.“

Sobald der Wirt den Preller erwischt, storniert er die Reservierung - oft auch für die gesamte Firma. Edi Reinbold vom Schützenfestzelt hat sogar schon Stammgäste erwischt, wie sie ihre Reservierung weiterverkauft haben. „Die kriegen keinen Tisch mehr. Das hat die beste Wirkung.“ Im Kampf gegen die Abzocker helfen sich die Wirte gegenseitig: „Auf unserer Schwarzen Liste stehen etwa 50 Namen von Internetverkäufern“, sagt Vollmer. „So können wir sie durch Quervergleiche überführen.“ Hofbräuzelt-Wirt Friedrich Steinberg bestätigt: „Es wird immer schlimmer mit dem Wiesn-Schwarzmarkt. Deshalb tauschen wir uns aus.

 Nächste Woche entscheidet der Stadtrat, ob ab 2013 weniger Tische reserviert werden können. Die Wirte rechnen damit, dass der Schwarzmarkt dann weiter zunimmt. Wirte-Sprecher Toni Roiderer warnt vor Wucher-Angeboten im Internet: „Leute, lasst’s die Finger davon!“

Der direkte Weiterverkauf ist verboten

Der Kampf gegen den Online-Schwarzmarkt ist schwierig. Zwar ist laut den AGBs der Festzeltbetreiber der Weiterverkauf von Reservierungen verboten. Das betrifft aber nur den Vertrag zwischen Wirt und ursprünglichem Käufer. Und den herauszufinden, ist oft schwer: Denn Daten wie die Reservierungsnummer oder der Name werden im Internet selten vor dem Kauf preisgegeben. Laut Richard Seifert, Rechtsanwalt der Wiesn-Wirte, kann man den Käufer nur zivilrechtlich belangen, also die Reservierung stornieren oder Zeltverbot erteilen. „Die einzige Möglichkeit, das Problem endgültig zu lösen, wären Ausweiskontrollen beim Einlass.“

Wie man einen Wiesn-Tisch regulär reservieren kann - wir klären auf.

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