Reservierungen sollen neu geregelt werden

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Die Zahl der nicht reservierten Plätze auf der Wiesn soll steigen.

München - Die Stadt will für mehr freie Plätze in den Zelten sorgen. Neue Regeln für Reservierungen sollen für mehr Gerechtigkeit sorgen. Die Aufregung unter den Wirten ist jedenfalls groß.

Die Stadt wagt sich an eines der heikelsten Themen des Oktoberfestes: die Reservierungen. Sie sind für viele Münchner Besucher ein ständiges Ärgernis, weil es immer schwieriger wird, spontan einen Platz in einem der Zelte zu bekommen. Für die Wirte sind die Reservierungen hingegen wichtig, um planen zu können, weil nur so auch größere Gruppen, wie zum Beispiel Unternehmen, einen Wiesn-Ausflug machen können. Seit den 1970er Jahren gibt es deshalb Regeln, wann welche Plätze reserviert werden dürfen. Bisher gilt: Unter der Woche muss mindestens ein Drittel des Mittelschiffs frei bleiben, am Wochenende sogar das komplette Mittelschiff.

Doch das soll sich ändern. Der Wirtschaftsreferent und künftige Wiesnchef Dieter Reiter habe bereits ein „informelles Gespräch“ zu dem Thema mit Wirtesprecher Toni Roiderer (Hackerzelt) geführt, bestätigte ein Sprecher des Referats unserer Zeitung. In diesem Jahr werde es aber nicht mehr zu einer Änderung der Regularien kommen – 2013 sei dies aber wahrscheinlich. Zu Details wollte sich der Sprecher nicht äußern, auch Roiderer lehnte einen Kommentar ab.

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Die scheidende Wiesnchefin Gabriele Weishäupl bestätigt: „Wir diskutieren seit längerem über eine gerechtere Verteilung der Reservierungen.“ Auch wenn die genaue Regelung noch nicht spruchreif sei, stehe schon fest, dass es „mehr freie Plätze geben wird, im Sinne der Bürger und Gäste“. Natürlich müsse aber der Stadtrat über geplante Änderungen entscheiden.

Die Aufregung unter den Wirten ist jedenfalls schon jetzt groß. Denn es sickern bereits Details über die geplanten Änderungen durch. Derzeit sieht der Plan vor, dass unter der Woche 20 Prozent aller Plätze jedes Zelts frei bleiben müssen, am Wochenende sogar die Hälfte aller Plätze, heißt es in Wirtekreisen. Was zunächst nach wenig klingt, ist eine kleine Wiesn-Revolution. Denn bisher galt die goldene Regel, dass die Boxen der Zelte immer reserviert sein dürfen. Doch künftig gilt nur noch die Gesamtzahl aller Plätze als Bezugsgröße.

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Die neue Regelung soll so auch einen schon länger schwelenden Konflikt unter den Wirten lösen. Denn bisher hatten Zelte mit vielen Plätzen in den Boxen und einem kleineren Mittelschiff Vorteile. Diese Wirte durften im Verhältnis zur Gesamtplatzzahl mehr Reservierungen verkaufen als ihre Kollegen. Diese Zelte wären nun von der neuen Regelung besonders betroffen.

Ein Wirt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat schon einmal durchgerechnet, dass er pro Wiesn wohl um die 2000 Plätze weniger reservieren dürfte, wenn die neue Regelung kommt. Momentan überwiegt bei den Wirten aber noch die Erleichterung, dass die neuen Regeln nicht schon zur Wiesn 2012 gelten. Denn obwohl die Zulassung der Zelte mit einem verbindlichen Regelkatalog erst im Mai erfolgt, haben die Wirte wie in jedem Jahr schon Reservierungsbestätigungen an ihre Stammgäste verschickt. Würden die Regeln heuer schon greifen, müssten sie die Bestätigungen wieder zurückziehen. Eine unangenehme Aufgabe.

So bleibt den Wirten noch eine Übergangsfrist von einem Jahr. 2013 rechne man aber mit der Änderung, heißt es aus Wirtekreisen. Zu populär sei der Vorstoß, mehr freie Plätze auf der Wiesn zu schaffen und Wiesnchef Reiter wolle ja schließlich Oberbürgermeister werden. Nur wenige Monate nach dem Oktoberfest 2013 wird gewählt.

Philpp Vetter

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