Reservierungs-Ärger

Wiesn-Wirte verschicken Absagen

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Ein Auszug aus dem Brief an Klaus Erhard

München - Heuer wird es 150.000 weniger reservierte Wiesn-Plätze geben. Jetzt sind schon einige Absagen verschickt worden - auch an eine Gruppe von Stammgästen, die sich seit über 18 Jahren dort treffen.

Obwohl es noch 238 Tage bis zum Anstich sind, gibt es schon Riesen Ärger um die Wiesn: Heuer wird es 150 000 weniger reservierte Plätze geben – eine Änderung, die Wirtschafsreferent und OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD) im Dezember im Stadtrat durchdrückte. Damit sollen die Münchner mehr Chancen haben, einen freien Platz zu ergattern. Doch viele Wiesn-Stammtische sind nun heimatlos …

Thomas Ortner, Klaus Erhard und Andreas Wandpflug sind stinksauer, weil ihnen Wiesnwirt Wiggerl Hagn (r.) mit diesem Brief die Wiesn-Reservierung absagen musste

Über 18 Jahre lang trafen sich Thomas Ortner (39), Klaus Erhard (48) und Andreas Wandpflug (42) mit sieben Freunden am ersten Wiesn-Freitag im Löwenbräu-Zelt. „Wir hatten bei der Bayerischen Vereinsbank gearbeitet“, berichtet Erhard. Die gibt es nach der Fusion mit der Hypobank und der Übernahme durch Unikredit nicht mehr. Erhard meint: „Umso schöner war es , dass man sich immer noch einmal im Jahr im Löwenbräu-Zelt treffen konnte.“

Doch dieses Jahr gab es eine böse Überraschung, als die Stammtischbrüder von Löwenbräu-Wirt Wiggerl Hagn die Absage bekamen: „Leider können wir Ihnen für die kommende Wiesn keine Plätze mehr anbieten“, heißt es in dem Schrieben. Und weiter: „Im Dezember hat der Stadtrat auf Antrag der SPD beschlossen, die reservierbaren Bereiche in den Festzelten deutlich zu reduziere.“

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Tatsächlich müssen Montag bis Freitag 25 Prozent der Plätze im Zelt freigehalten werden. An den Sams-, Sonn- und Feiertagen sind es bis 15 Uhr 50 Prozent, danach 35 Prozent. Das Oktoberfest ist für die Stammtischbrüder gestorben. Erhard: „Wir haben keine Lust und auch keine Zeit, uns in der Früh anzustellen, um dann doch keinen Platz zu kriegen.“

Auch Löwenbräu-Wirt Wiggerl Hagn ist sauer: „Ich musste 500 Reservierungen absagen. Das sind leider vor allem Vereine und Stammtische aus dem U- und S-Bahnbereich.“ Dass diese Gäste künftig einen der freien Plätze ergattern, kann er sich kaum vorstellen: „Das werden dann die Jungen machen.“

Wirtschaftsreferent Reiter sah den Ärger kommen: „Es war klar, dass es enttäuschte Wiesngäste gibt, die keine Reservierung haben. Andererseits wird es viele Spontanbesucher geben, die künftig einen Platz bekommen werden.“ Die Wirte sind laut Reiter unterschiedlich betroffen: „Wer viel reserviert hatte, hat jetzt viel Absagen.“

Wiesn-Wirtesprecher Toni Roiderer hatte sich vor der Stadtratsentscheidung gegen die Neuregelung ausgesprochen. Jetzt sagt er: „Das ist ein demokratischer Beschluss, den wir umsetzen.“ Er selbst müsse übrigens 45 reservierte Tische absagen.

Johannes Welte

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