Reservierungsreform geglückt

Ab jetzt gibt’s mehr freie Plätze auf der Wiesn!

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Wir müssen draußen bleiben – weil die Tische im Zelt reserviert sind. Das ändert sich: Die Wirte müssen künftig mehr Plätze frei halten!

München - Auf zur Wiesn! Aber das Zelt ist voll und alle freien Tische sind schon lange reserviert - leider. Weg mit dem Frust: Diese Suche nach einem Platz soll beim nächsten Oktoberfest kürzer ausfallen.

Update vom 17. Juli 2017: Wie kann ich noch einen Tisch in einem Festzelt reservieren? Und wie geht das überhaupt. Wir haben alle Infos zur Reservierung auf dem Oktoberfest 2017 zusammengefasst.

Dann wird es Tausende weniger Reservierungen und entsprechend mehr freie Plätze geben. Wirtschaftsreferent und OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD) hat sich durchgesetzt: Für seinen Plan stimmten Grüne, Linke – und auch die eigene SPD! Aber wie: Die Debatte im Rathaus dauerte eine Stunde, doch kein einziger Stadtrat sprach für Reiter  …

Die neue Regelung: Bislang mussten die Wirte nur ein Teil des Mittelschiffes freihalten. Künftig sind es von Montag bis Freitag 25 Prozent aller Plätze und am Wochenende 35 bis 50 Prozent. Damit entstehen laut Reiter insgesamt 150 000 freie Plätze. Die Wirte widersprechen: An den Wochenenden würden wegen des Andrangs ohnehin nicht alle erlaubten Tische per Reservierung vergeben, sagte Sprecher und Hackerzelt-Chef Toni Roiderer. Es gehe um 75 000 Plätze unter der Woche – 7500 an jedem der zehn Werktage. Die Wirte schlugen eine Quote von 20 Prozent vor, das hätte 2500 neuen Plätzen am Tag entsprochen.

Die Folgen: Wer profitiert? Wer verliert? Darüber gehen die Ansichten auseinander. „Ich will, dass die Münchner bessere Chancen haben, spontan auf die Wiesn zu gehen“, sagt Wirtschaftsreferent Reiter. OB Christian Ude (SPD) kennt das Problem aus hunderten Beschwerden: „Es geht ausschließlich um die Dosierung.“ Schließlich dürften die Wirte weiter 75 Prozent per Reservierung vergeben. Dagegen argumentieren Wirte und Opposition, dass die Belegung zu 90 Prozent an Besucher aus München und dem Umland gehen. „Viele Stammtische und Familien haben ihre Stammplatz, zum Teil seit 40 Jahren“ sagte CSU-Wirtschaftssprecher Manuel Pretzl. „Die Chancen für die Münchner verschlechtern sich!“

Neue Luftaufnahmen von der Wiesn

Neue Luftaufnahmen von der Wiesn

Die Sicherheit: Die Opposition ätzte: Sonst müssten Polizei und KVR zu jeder Weißwurst auf der Wiesn ihren Senf dazu geben, hier seien die Behörden gar nicht gefragt worden. Dabei gäbe es eindeutig Probleme. Denn bis die Münchner es nach der Arbeit spontan ins Zelt schaffen, könnten längst Touristen und Party-Frühansteher um die freien Plätze rangeln – und dann den ganzen Tag bechern. Auf reservierten Plätzen dürfen die Gäste dagegen nur wenige Stunden sitzen. Reiter hat keine Bedenken: „Ich habe ein hohes Interesse an der Sicherheit – als Veranstalter schon zum eigenen Schutz.“

Die Politik: Reiter war als neuer OB-Kandidat vorgeprescht und wich keinen Schritt zurück – viele Stadträte fühlen sich mit ihren Argumenten vor den Kopf gestoßen. Die SPD-Fraktion schwieg. Chef Alexander Reissl und Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid schienen Qualen zu leiden – und stimmten doch zu. Alles andere hätte den eigenen OB-Kandidaten schwer beschädigt.

Das sagen die Wirte

Das bringt Ärger

Mir gehen 300 Plätze in den Boxen flöten, jetzt muss ich langjährigen Stammgästen absagen. Das bringt Ärger! Und der Münchner hat jetzt noch weniger Platz. Schließlich reservieren vor allem Gäste aus der Landeshauptstadt. Der Leidtragende ist der Münchner Gast. Aber die Politiker werden sich schon was dabei gedacht haben.

Wiggerl Hagn, Wirt im Löwenbräuzelt

500 Plätze weniger

Ob diese Entscheidung so vernünftig war? Den Münchnern tut man keinen Gefallen. Es werden für sie kaum lang ganze Tische frei sein, höchstens einzelne Plätze. Die gab es vorher auch. Gerade die Münchner Firmen und Vereine, die unter der Woche reserviert haben, müssen jetzt draußen bleiben. Wir haben künftig 500 Plätze am Tag weniger für sie!

Ricky Steinberg, Wirt im Hofbräuzelt

Kenne Gäste nicht

Ich bin nicht begeistert. Statt der Stammgäste werden nun andere Gäste kommen – und zwar die, die am ehesten da sind. Da stellt sich schon die Frage, ob es von Vorteil ist, wenn der Wirt viele Gäste nicht kennt. Und wir müssen jetzt entscheiden, welche Reservierungen wir absagen. Ich warte mal ab, welche Vorschläge die Stadt dazu hat.

Peter Inselkammer, Wirt im Armbrustschützenzelt

Das sagt die Bedienung

Die Schauspielerin und langjährige Löwenbräuzelt-Bedienung Corinna Binzer ist von Reiters Vorhaben wenig begeistert. „Von wegen, die freien Plätze kriegen die Münchner. Herr Reiter soll nicht glauben, dass unter der Woche keine Touristen auf der Suche nach freien Plätzen sind“, schimpft sie. „Und die Münchner, die früher reserviert haben, gehen jetzt nicht mehr auf die Wiesn, weil sie wissen, dass sie mit einer Gruppe von mehreren Personen sowieso keinen Platz bekommen. Herr Reiter sollte mal ein paar Tage auf der Wiesn arbeiten, dass er merkt, wie sinnfrei sein Vorhaben ist.“

David Costanzo

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