Neue Reservierungsregeln

Ab 2013: Mehr freie Plätze in den Wiesn-Zelten

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Die reservierten Tische sollen ab kommenden Jahr weniger werden. Die Wirte halten dies für wenig sinnvoll.

München - Die Stadt beharrt auf einer Änderung der Reservierungsregeln auf der Wiesn: Ab 2013 sollen deutlich mehr Plätze in den Zelten frei bleiben. Die Wirte kritisieren den Plan und warnen vor einem zunehmenden Schwarzmarkt im Internet.

Jetzt ist es offiziell: Am Dienstag soll der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates über neue Reservierungsregeln auf dem Oktoberfest entscheiden. Obwohl die Änderung erst ab kommendem Jahr gelten wird, sorgt die Beschlussvorlage schon jetzt für Wirbel.

Wie berichtet, soll sich die Zahl der nicht reservierten Plätze künftig nicht mehr am Mittelschiff der Zelte, sondern an der Gesamtzahl der Plätze orientieren. Bislang gilt auf der Wiesn, dass Montag bis Freitag ein Drittel des Mittelschiffs frei bleiben muss, am Wochenende dürfen bis 17 Uhr gar keine Plätze und danach nur die Hälfte der Plätze im Mittelschiff reserviert werden. Die Tische in Boxen und auf den Galerien dürfen immer reserviert werden. Das führte in den vergangenen Jahren dazu, dass einige Wirte die Mittelschiffe verkleinerten und dafür mehr Plätze in Boxen und auf den Galerien anboten. Wirtschaftsreferent Dieter Reiter schlägt dem Stadtrat nun vor, dass künftig von Montag bis Freitag 25 Prozent aller Plätze, an Wochenenden und Feiertagen bis 15 Uhr die Hälfte und danach 35 Prozent frei bleiben müssen.

Wenn die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat dem Vorschlag des SPD-Oberbürgermeisterkandidaten Reiter erwartungsgemäß zustimmt, hätte das nach Berechnungen der Stadt zur Folge, dass während der 16 Wiesn-Tage allein wochentags insgesamt 60 000 Plätze mehr frei blieben. Nimmt man die drei Wiesn-Wochenenden zusammen dürften bis 15 Uhr etwa 12 000, nachmittags und abends 19 000 Plätze zusätzlich nicht reserviert werden.

Was bei den Oktoberfestbesuchern und Wählern gut ankommen dürfte, wird von den Wirten scharf kritisiert. In ihrer Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt, schrieben die Wirte der 14 großen Zelte: „Eine Größenordnung von reservierungsfreien Plätzen bis maximal 20 Prozent von Montag bis Freitag könnte, wenn auch mit Schwierigkeiten verbunden, von den jeweiligen Zelten gestemmt werden.“ An den Wochenenden sollte es gar keine Änderungen geben. Damit konnten sich die Wirte nicht durchsetzen.

Die Betreiber der Zelte argumentieren, „dass die Ankündigung von einem größeren reservierungsfreien Kontingent noch mehr Besucher dazu verleiten könnte, sich bereits lange vor Zeltöffnung vor den Zelten anzustellen und so die Situation an den Samstagen eher noch weiter zu verschärfen“. Die geplanten Änderungen würden das Problem nicht lösen. „Der Bedarf an Plätzen steht in einem solchen Missverhältnis zu den vorhandenen Plätzen, dass dies durch die Veränderungen des Reservierungskontingents nicht aufgefangen werden kann.“

So reserviert man einen Tisch im Wiesn-Zelt

Die Wirte wehren sich gegen die neuen Reservierungsregeln, weil sie künftig nicht mehr alle Stammgäste mit Tischen versorgen könnten. Doch Wirtesprecher Toni Roiderer (Hackerzelt) betont gegenüber unserer Zeitung, dass es ihm und seinen Kollegen nicht um Gewinnmaximierung gehe. Er selbst könnte dann jeden Tag bis zu 45 Tische weniger reservieren – 450 Stammgäste wären betroffen. „Wir sind nur Beschicker, wenn die Stadt etwas ändern möchte, setzen wir das selbstverständlich um“, sagt Roiderer. Doch er hat neben den schriftlich genannten Argumenten weitere Bedenken. „Ich habe die Befürchtung, dass dann die Ebay-Verkäufe noch zunehmen“, sagt Roiderer. Schon jetzt wird die knappe Ware Wiesn-Reservierung für bis zu vierstellige Summen im Internet gehandelt. „Der Schuss kann nach hinten losgehen“, sagt Roiderer. Außerdem würden vor allem junge Gäste durch das Versprechen freier Plätze angezogen, Familien hätten weiterhin keine Chance. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ein Publikum kriegen, wie auf dem Frühlingsfest“, sagt Roiderer.

Die Oktoberfest-Zelte im Überblick

Auch Michael Schottenhamel würde am liebsten alles so lassen, wie es ist. „Das Ziel, das die Stadt erreichen will, ist so nicht zu erreichen“, sagt der Wiesnwirt. „Es gibt durch neue Regelungen nicht mehr Plätze zu verteilen.“ Das Schottenhamel-Zelt würde zu den großen Verlierern einer Reform gehören, weil es ein kleines Mittelschiff und viele Plätze in Boxen hat. Laut Wirt Michael Schottenhamel würden bis zu 1000 Plätze pro Tag wegfallen. „Das wäre schon sehr bitter, wenn das so kommt“, sagt er.

Philipp Vetter und Thomas Schmidt

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