Schauspieler verblüfft am Schießstand

Auf der Wiesn mit Hansi Staller

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Am Schießstand ist Helmfried von Lüttichau ein ­echter Checker – ganz im Gegenteil zu seiner Fernsehrolle Hansi Staller

München - Wir haben Helmfried von Lüttichau alias Johannes Staller aus der ARD-Vorabendserie "Hubert & ­Staller" auf der Wiesn begleitet. Vor allem am Schießstand verblüfft er.

Nach 25 Schuss hat er ganz schön abgeräumt: einen ganzen Strauß Plastik­blumen, eine gelbe Stoffente und – ganz wichtig – einen Schraubenzieher. „Des is wahrscheinlich wie Fahrrad fahren, des verlernt man nicht“, sagt Helmfried von Lüttichau (55) und grinst. 20 Mal hat er die weißen Plastik­hülsen zerschossen und war dabei genauso zielsicher wie als Kind, als er mit seiner Luftpistole auf kleine Spielzeugcowboys und -indianer schoss. Eine Trefferquote, die Helmfried von Lüttichaus Alter Ego Johannes Staller aus der ARD-Vorabendserie "Hubert & ­Staller" niemals erreicht hätte.

„Er hat mal ein Reh erschossen, aber das war aus Versehen. Eigentlich wollte er einen Tannenzapfen treffen. Er würde aber sagen, dass er sehr gut schießt“, sagt er über seine Figur, die seit November vergangenen Jahres an der ­Seite von Franz ­„Hubsi“ Hubert (Christian Tramitz) in Wolfratshausen und Umgebung ermittelt. Mit Zuschauerzahlen um die 1, 8 Millionen ist die Serie die erfolgreichste der Heiter-bis-tödlich-Reihe, und seitdem sie läuft, erkennen die Leute Helmfried von Lüttichau auch in zivil.

„Na, werd’ heit ned ermittelt?“, klopft ihm ein Mann lachend auf die Schulter, die Besitzerin des Schießstands will sein Bild gleich bei Facebook hochladen und auch ein Wiesn-Besucher aus Ostdeutschland hat seinen Lieblingskommissar auch noch in sichtbar benebeltem Zustand sofort erkannt.

„Ich werd’ ja immer mit einem Lachen angesprochen. Klar freue ich mich da!“, sagt der Schauspieler, der seine größten Fans gerade auch unter den echten Polizisten hat. Auf der Wiesn-­Wache muss er einer „Kollegin“ gleich ein Autogramm geben, darf den Polizisten in der Einsatzzentrale über die Schulter schauen und in einer echten Zelle Probesitzen. Von Lüttichau hat schon vor Hubert & Staller Polizisten gespielt, u.a. in Balko und Der letzte Bulle, aber in echt würde er dabei nicht glücklich werden.

„Das ist ja harte Arbeit, und ich bin dafür, glaub’ ich, auch zu empathisch. Wie da vorhin das weinende Mädchen reinkam, dem sie die Tasche geklaut haben – auch wenn das nicht die richtig schlimmen Sachen sind, mich würden schon die kleinen Dramen belasten.“

Aber als Hansi Staller, da würde er gerne mal auf der Wiesn ermitteln. „Vielleicht im Fall eines Genickbruchs beim Autoscooter, da wär’ der Hansi sehr skeptisch. Dann müsste er auch selber fahren und würde sich über das rüpelhafte Verhalten der anderen aufregen. Er meint nämlich, die Leute fahren so deppert und das geht auch ohne das Angestoße.“

Als Kind freilich fand Helmfried von Lüttichau Autoscooter noch cool. So mit zehn, als er mit seinen Eltern aus Bremen nach Gilching kam und „erst mal gar nix verstanden hat“. Die Kinder aus seiner Klasse machten sich lustig über den hochdeutsch sprechenden Bub, der noch dazu ein von im ­Namen trug. Helmfried Graf von Lüttichau, das ist sein korrekter Titel. „Aufgewachsen bin ich aber ganz normal. Mein Vater war Beamter, und wir haben in einer Mietwohnung am Fußballplatz gewohnt. Nur, dass im Esszimmer sehr viele Bilder von Adeligen hingen und Antiquitäten rumstanden.“

Als er dann aufs Karlsgymnasium in Pasing kam, hatte er den Dialekt schon drauf und lernte dort seinen besten Freund kennen: Christian Tramitz. Geblödelt haben sie damals schon gern, haben sich bei Telefonstreichen auch mal als ­Polizisten mit einer vorliegenden Anzeige ausgegeben und sind sogar zusammen auf der Polizeiwache gelandet. „Da hatten wir unsere Busfahrkarten vergessen, und der Busfahrer hat uns direkt zur ­Polizei gebracht.“ Als sie dort den Geburtstag ihrer Väter angeben sollten und die nicht wussten, war’s ganz aus. „Wir haben uns totgelacht, aber die Polizisten haben sich furchtbar aufgeregt. „Ja mei, des is scho eher traurig“, haben die gesagt, und wir haben uns nicht mehr eingekriegt.“

Den Christian hat er nach der Schule aus den Augen verloren, hat lange vor allem ernste Rollen am Theater in Frankfurt, Mannheim und Düsseldorf gespielt, bis er sich fürs Fernsehen entschied und ihn sein alter Freund schließlich auch für die Comedy-Serie Tramitz & Friends vor die Kamera holte. Die Grundlage für Hansi und Hubsi, die heute der Grund sind, „dass ich den Christian wieder öfter sehe als meine Freundin.“

Wenn Helmfried von Lüttichau doch mal Ruhe braucht, findet er die beim Schreiben. Am liebsten Gedichte, die er im November erstmals im Buch Was mach ich wenn ich glücklich bin herausbringt und die ihn von seiner nachdenklichen Seite zeigen. „Komik und Tragik sind ja gar nicht so weit voneinander entfernt“, sagt er. Nur, dass traurige Gedichte leichter gehen als lustige, „weil wenn es einem richtig gut geht, schreibt man kein Gedicht.“ Ein Wiesn-Gedicht ist somit raus aus dem Rennen ...

Ann-Catherin Karg

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