Seine Welt dahinter

Wiesn-Besuch mit Florian David Fitz

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Florian David Fitz (r.), hier mit Elyas M'Barek, Anika Decker

München - ­Florian David Fitz (38) ist am Rande der Theresienwiese aufgewachsen. Die tz besuchte mit ihm das Oktoberfest - er erklärt seine Welt dahinter.

"Wir waren so nah an der Wiesn, dass uns die Leute in den Blumenkübel kotzten“ – ­Florian David Fitz (38) schätzt das anschauliche Wort, in dessen Klarheit auch der Witz steckt. Der Schauspieler ist am Rande der Theresienwiese aufgewachsen. Seine Eltern führten an der Schwanthalerhöhe das Hotel Bavaria, inzwischen hat es die Schwester übernommen.

Vom Hotel Bavaria aus nähert man sich von hinten dem Oktoberfest – nicht immer die glanzvollste Seite – schließlich muss man an der Pisswiese und den Bierleichen vorbei, bis man die polierte Bilderbuchseite mit der Bavaria erreicht, die dem Hotel ihren Namen gegeben hat. „Für uns Kinder waren nicht nur die Fahrgeschäfte spannend – einen großen Zauber hatten auch die Schausteller. Wir kannten die Welt dahinter – die Wohnwagen.“ Die Geschäftsstelle des Bayerisches Landesverbandes der Marktkaufleute und Schausteller ist in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hotel.

„Magst ein Zauberwasser, ein Grander-Wasser?“, fragt Florian David Fitz an der Bar. „Ein belebtes Leitungswasser – das fühlt sich ganz weich an und schmeckt anders.“

Er hat gern das andere im Sinn. Das Sperrige, das Tiefe, das seinen Reichtum erst zeigt, wenn geschürft wird. Kein Film hat das schöner gezeigt als Vincent will Meer. Ein Kinohit, für den Florian David Fitz das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle spielte. Gerade dieser fraglos besonders gutaussehende Mensch sieht Schönheit vielschichtiger. Auch was die Wiesn angeht – da interessieren ihn die hässlichen Seiten eigentlich viel mehr als die prachtvollen.

Als Kind stand der kleine Florian unter der Fuchtel seiner älteren Schwester: „Sie hat das Geld für die Wiesn bekommen und durfte entscheiden, wo wir hingehen. Mit 20 Mark bist damals schon nicht mehr weit gekommen.“ In der Krinoline, die seine Oma bevorzugte (Jahrgang 1898), wurde es dem Florian schlecht. „Ich hatte eine Affinität zur Geisterbahn, aber ich bin wie eine Salzsäule immer nur davor gestanden und hab auf den Frankenstein geschaut. Das Höchste war die dreistöckige Grimaldi-Bahn – da gab es sogar einen echten Menschen als Geist.“ Seine Schwester ist bei dem vor einen Wagen gefallen – eine Narbe an der Nasenwurzel zeugt noch heute davon.

Und die Narbe an der Nase von Florian David Fitz? „Da bin ich durchs Fenster gefallen – aber da war die Steffi nicht beteiligt.“ Ansonsten haben sie sich nichts geschenkt und die Möglichkeiten gegenseitiger Misshandlung stetig perfektioniert. Bis, ja bis Florian alt genug für ein ­Oktoberfest ohne Schwester war. „Man geht ja viele Wiesn-Stadien durch. Früher hätte ich nie Lederhosn getragen – als ich 15 war, hab ich’s gemacht. Damals hat auch noch der Kniff funktioniert, dass man dafür im Touri-Zelt ein Bier spendiert bekommen hat, aber mittlerweile sind die Amis ja selbst in Tracht – da gibt’s nix mehr.“

„Wo kommen eigentlich diese Schaumstoffhüte her – die Fässer auf dem Kopf?“ Eine Antwort auf Florians Frage hat auch die tz-Kolumnistin nicht, und sie weiß auch nicht, warum die Italiener ausgerechnet am mittleren Wiesn-Wochenende kommen und was die Leute dazu treibt, das Oktoberfest mit einem Faschingsfest zu verwechseln. „Es gibt ja die lustigsten Moden auf der Wiesn“, sinniert der Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Musiker und Sänger – das geballte Talent. „Da kam doch dann auch mal diese scheußliche Landhausmode auf...“

Florian David Fitz trägt eine klassische Hirschlederne – die Initialen FF an der Messertasche dunkelgrün eingestickt. „Die alte Lederhosn vom Opa hat mir nicht mehr gepasst – der hatte dünnere Wadl, dafür einen größeren Bauch.“ Richtig privat war der Publikumsliebling schon Jahre nicht mehr auf der Wiesn. Letzte Woche war er mit Constantin-Film da, die seinen aktuellen Hit Da geht noch was mit Henry ­Hübchen ins Kino gebracht haben. Mit Elyas M’Barek hatte Fitz da einen Riesen-Spaß – man kennt sich aus gemeinsamen Doctor’s Diary-Zeiten. Und nach beiden sind die Mädels verrückt. „Bei Elyas ist die Altersklasse noch ein bisschen jünger.“ Bei Florian ist der Wahnsinn aber auch nicht weniger. Sobald er eine ­Minute innehält, wird er von Dirndln umzingelt. „Solange man in Bewegung ist, schauen die Leute ja nicht so.“

Zwischen seinen Filmen macht sich der Star in der Öffentlichkeit aber rar – in den Zeitungen und Illustrierten will er nicht inflationär werden. „Es muss doch noch ein Geheimnis bleiben. Und gemeint ist ja auch nur dieses geschaffene Bild – nicht ich als Mensch. Deshalb versuche ich auch Distanz zu halten.“

2008 wurde Florian David Fitz für seine Rolle in Doctor’s Diary der Grimme-Preis verliehen, mit Männerherzen kam 2009 der Durchbruch auf der Kinoleinwand. Sein Debüt als Regisseur gab er 2012 mit der Filmkomödie Jesus liebt mich. Und gerade steht er für den Road-Movie Hin und weg mit Jürgen Vogel vor der Kamera. Daneben arbeitet er zusammen mit Matthias Schweig­höfer an einer gemeinsamen Film­idee. „Es bleibt nur immer so wenig Zeit zum Schreiben.“

Das Talent wurde Florian ­David Fitz von seinem Vater in die Wiege gelegt – die Linie der Künstler-Fitzens. „Er kann sehr schön singen, hat aber sein musikalisches Talent nicht weitergebildet. Wahrscheinlich gehört zum Talent auch dazu, dass man den Drang hat, etwas daraus zu machen.“

Florian hat den Drang – auf ­allen künstlerischen Ebenen. Dafür hat er nach dem Abitur auch seine Heimat bewusst verlassen – er ging nach Boston, Massachusetts, um Schauspiel und Musik zu studieren, schrieb Musikstücke, Quartette, Quintette und ein halbes Musical über Kaspar ­Hauser, welches aber mit ganzem Orchester aufgeführt wurde, wie er auf seiner Homepage schreibt. Nach dem Studium machte er noch ein Jahr lang New York zu einer vorübergehenden Heimat, bis er wieder nach München ­wollte.

„Wenn man weg ist, hat die Heimat erst was zu bedeuten. Und in Amerika hatte ich das Gefühl, dass Europa einen anderen Geschmack hat als der Rest der Welt.“ Fitz sagt aber auch: „Heimat kannst du dir überall schaffen, wenn du weißt, wo deine Wurzeln sind.“ In einem Zimmer, in einer Straße, in einer Stadt.

Trotz Studium – es dauerte, bis Florian David Fitz eine selbstverständliche Heimat im Schauspiel fand. Helga Engel , eine Dozentin der Falckenbergschule, hat sie mit ihm gesucht und gefunden – auf dem Dachboden des Hotels ­Bavaria, wo sie solange miteinander gearbeitet haben, bis sich Fitz Schauspieler nennen konnte – ohne dabei zu erröten.

Er hält jetzt auch die schwärmenden und verzückten Mädchen mit Spaß aus, die ihn auf der Wiesn umzingeln – es macht ihm sogar Freude, für Handyfotos zu posieren. Freilich – manchmal wird es auch zu viel. „Ich glaube, so eine mittlere Bekanntheit ist erstrebenswert – nicht so viel, dass kein Schritt mehr vor die Haustür geht.“

Bei einem Star sei die Person schnell vergessen, sagt Florian. „Da stehst du in der Reihe am Flieger, die Leute reden über dich und vergessen, dass du ein Mensch bist, der das alles mitanhören muss. Da bist du nur noch ­Sache.“

Am Hasen-Schießstand überreicht ihm ein Mädchen eine Plastikrose. Florian David Fitz steckt sie sich an den Janker und lächelt. Lächeln – das kann er besonders schön. Hintergründig, mit Witz in den grünen Augen und doch herzlich. Ein Traum von einem Kerl – und angeblich zurzeit ohne Mädel. Ob sich auf der Wiesn vielleicht ein gescheites Dirndl findet?

Ulrike Schmidt

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