Der Wiesn-Knigge unserer Großeltern

Ein Schmuckstück hat uns die tz-Leserin Regina Pfeifer geschickt: einen historischen Wiesn-Führer von1908! Sie fand ihn beim Stöbern auf dem Dachboden. Im Buch stehen interessante „Tipps“. Viel Spaß beim Lesen!

Quartier:

Fremde suchen sich am besten gleich bei Ankunft ein Nachtquartier, denn es kann gar leicht vorkommen, dass später nichts mehr frei ist. Es ist häufig von Nachteil, beim Quartiersuchen sparen zu wollen. Massenquartiere (…) können wir schon gar nicht empfehlen, sie können sehr teuer zu stehen kommen. Man lasse sich lieber Einzelzimmer in den Gasthäusern geben, die ja auch oft billig zu haben sind, und verriegele vor dem Schlafengehen die Türe.– DieschlechteGewohnheit des Aufsuchens von Verwandten und Bekannten in der Stadt, um ein freies Quartier herauszuschinden, sollte sich das Landvolk gründlich abgewöhnen. DieOktoberfest-Gäste vom Lande sollen doch einmal bedenken lernen, dass die Vettern in der Großstadt in der Regel selbst auf das Äußerste beschränkt wohnen, weil eben das Wohnen in der Großstadt sehr teuer ist. Niemals schlage man sein Quartier im Freien auf, denn das könnte einem aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen teuer zu stehen kommen.

Jubiläumswiesn: 200 Jahre Oktoberfest

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Warnung vor Taschendieben und Falschspielern:

Der Oktoberfest- Gast verschließe sein Geld und seine Wertsachen in sehr vorsichtiger Weise, denn die ganze einheimische und internationale Gesellschaft der Taschendiebe ist gelegentlich des Oktoberfestes auf den Beinen. Ebenso lasse man sich nicht ein mit jenen aufdringlichen Personen, die sich als Führer und Freunde anbieten. Diese sind in der Regel Gauner, die sich alsbald als Falschspieler oder durch eine andere Gaunerei zum Nachteile des Vertrauensvollen bemerkbar machen.

Warnung vor Dirnen und Zuhältern:

Warnung vor Dirnen und Zuhältern für die männlichen, ländlichen Oktoberfest- Gäste. Den verführerischen Blicken gewisser Frauenzimmer pflegt gar mancher ländliche Festgast zu seinem Nachteile zu folgen. Bezüglich Geld und Wertsachen ist hier äußerste Vorsicht geboten. Niemals lasse man sich mit Personen ein, die gewissen Neigungen Gelegenheit zu verschaffen sich aufdrängen, es sind, in welcher Erscheinung sie auch auftreten, immer Zuhälter oder äußerst Sicherheits- und dem Eigentum gefährliche Dirnen.

Verhalten auf der Straße:

Man halte sich immer rechts auf dem Trottoir (…). Man bleibe niemals in Haufen auf dem Trottoir stehen, was erstens einmal verboten, zweitens aber auch sehr dumm und rücksichtslos ist und den Verkehr kolossal erschwert. Schirme und Stöcke dürfen nur senkrecht, d. h. mit dem Ende zu Boden gerichtet, niemals aber unter der Achsel, d. h. waagrecht getragen werden; erstens ist letzteres verboten und zweitens kann damit viel Unheil gestiftet werden, abgesehen von anderen Unannehmlichkeiten, denen man sich aussetzen kann. Auch als Vollblut-Gescheerter wird man bei Nichtbeachtung dieser Vorschriften angesehen.

tz

Rubriklistenbild: © Gebhardt

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