Oktoberfest-Hochzeit rettet Ludwig I. vor Zwangsheirat!

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Therese von Sachsen-Hildburghausen und Kronprinz Ludwig heirateten am 12. Oktober 1810, diese Portraits sind aus dem gleichen Jahr.

Ich bin bald 24 Jahre alt, ich muss unbedingt heiraten. Ist das einmal geschehen, können solche Anschläge auf meine Freiheit von Paris her nicht gemacht werden.“

Mit „solchen Anschlägen von Paris“ meinte der bayerische Kronprinz Ludwig I. die Zwangsverheiratung seiner 17-jährigen Schwester Auguste Amalie, die auf Druck Napoleons am Weihnachtstag 1805 ihre Verlobung mit dem Herzog von Baden lösen musste und von ihrem Vater dem Stiefsohn Napoleons, Eugène de Beauharnais, zugesprochen wurde. Amalie wehrte sich mit Leibeskräften und fiel in lang anhaltende Ohnmachten – vergeblich, sie musste sich fügen. Napoleons Dank kam eine Woche später: Am 1. Januar 1806 erhob er Bayern zum Königreich und ihren Vater zum 1. König von Bayern. Am 13. Januar war die Zwangsheirat amtlich und am Tag darauf kirchlich besiegelt. „Solchen Anschlägen von Paris“ wollte Ludwig I. entgehen und so kam es zum 1. Oktoberfest 1810:

„In himmlischem Gefühl versank mein Geist“ Kronprinz Ludwig ging auf Brautschau und wurde schnell fündig: Da gäbe es eine Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, die zwar finanziell etwas schwach auf der Brust ist, dafür „lieb, freundlich und gütig“. Und weil ihre Familie zudem politisch völlig unbedeutend sei, könnte auch Napoleon nix dagegen haben. Am 20. Dezember 1809 standen sie sich erstmals im Schloss zu Hildburghausen gegenüber und schon am siebten Tag spürte Ludwig eine „Art Fieberglut“. Einer Cousine schrieb er: „In himmlischem Gefühl versank mein Geist.“ Napoleon münzte die für ihn außer Kontrolle geratene Brautwahl diplomatisch zu seinen Gunsten um: „Sagen Sie dem Kronprinzen, dass ich ihm immer eine Prinzessin von Sachsen zugedacht habe!“ Mit der Zwangsheirat seiner Schwester hatte er die Wittelsbacher ja schon fest im Griff.

So kam es zum Oktober-Hochzeitsfest: Die Verlobung wurde am 12. Februar 1810 in Thereses Heimat Hildburghausen gefeiert und als Hochzeitstag der 12. Oktober bestimmt: Dieser Tag wurde nicht zufällig gewählt, sondern es ist der Namenstag seines Vaters, König Max.

Um die Erwartungen seiner Verlobten als künftige Königin von Bayern zu dämpfen, schrieb er ihr: „Glücklich werde ich sein mit Dir, liebe, liebe Therese, doch wie Trübe und Helle wechselt Freude und Trauer in dem Leben, Seligkeit gibt es auf Erden nicht, auch in der Ehe nicht, selbst in der glücklichsten, und wie weit bin ich entfernt von Vollkommenheit!“ Als hätte er schon geahnt, wie viele Frauen er noch neben ihr haben würde, seine weltberühmte Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg zeigt ja nur einen Teil der königlichen Gspusis.

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

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Therese in der Hochzeitsnacht alleine im Bett! Die Hochzeitsnacht am 12. Oktober verbrachte die Braut erst mal alleine im Bett, wie auch die meiste Zeit danach, schließlich hatten sie auch von Anfang an getrennte Schlafzimmer! Nach dem Hochzeitsball im Opernsaal brachte Kronprinz Ludwig seine Therese zurück in die Residenz und kehrte sofort wieder zum Ball zurück, was er in seinem Tagebuch so begründete: „Ich tat es, um meine Freiheit zu zeigen. Bei Nacht schlafe ich in meinem Zimmer, nur zu Besuch zu meiner Frau kommend. So schicke ich mich in den Ehestand, fühle mich nicht unglücklich.“ Seiner Schwester Charlotte schreibt er sogar, dass er völlig „leidenschaftslos“ heiratete, „aber es mag vorteilhafter sein für die Zukunft!“

Aus der Ehe mit Therese gingen neun Kinder hervor: 1811 wurde der Thronfolger Maximilian II. geboren und 1815 Otto, der 1835 König von Griechenland wurde und die bayerischen Landesfarben Weiß-Blau in umgekehrter Folge Blau-Weiß zur Nationalfarben der Griechen machte. Auch der 1821 geborene Luitpold machte Geschichte: Nach dem Tod des Märchenkönigs Ludwig II. führte er als „Prinzregent“ die Amtsgeschäfte weiter.

Nach der Affäre mit Lola Montez verzichtete König Ludwig I. zugunsten seines Sohnes Max II. auf den Thron und starb am 29. Februar 1868 in München. Seine „Oktoberfestbraut“ Königin Therese starb am 26. Oktober 1854, als das Oktoberfest abgesagt werden musste: Eine Cholera-Epidemie forderte in München über 3000 Tote, darunter auch die Königin.

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