Ein neues Bier zur Oidn Wiesn

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Hochgelobt: Das „Münchner Bier“, das auf der Historischen Wiesn 2010 ausgeschenkt wurde. Nun will Hofbräu erneut ein Spezialbier für die Oide Wiesn brauen.

München - Auf der „Oidn Wiesn“ 2011 wird es, wie schon bei der Erstauflage 2010, ein spezielles Bier geben. Allerdings wird es diesmal kein Gemeinschaftsprodukt aller Wiesnbrauereien sein.

Dunkel und süffig war es, das „Jubiläumsbier“, das die Münchner Brauereien im vergangenen Jahr mit vereinten Kräften für die Historische Wiesn gebraut hatten. Im Märzen-Stil sollte es dem Bier nahe kommen, das die Münchner sich im Gründungsjahr des Oktoberfestes schmecken ließen. Das Experiment gelang: Das Jubiläumsbier kam gut an, und viele Münchner bedauerten, dass die Brauer hoch und heilig geschworen hatten, dieses Bier nie wieder zu brauen. Die Rezeptur wurde versiegelt und im Oktoberfestmuseum verwahrt.

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

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Bricht Hofbräu nun diesen Schwur? Keineswegs, beteuert Sprecher Stefan Hempl. Vielmehr wolle die Staatsbrauerei ein völlig eigenes Bier entwickeln, das freilich eines mit dem Jubiläumsbier gemein haben wird: „Es wird dunkler als das normale Wiesnbier“. Über Details will Hempl noch nicht reden. „Wir arbeiten noch an der Rezeptur. Die Braumeister sind eifrig am Ausprobieren und Verkosten.“

Bis Anfang August haben die Experten noch Zeit, dann muss die Entscheidung fallen, wenn das Gebräu rechtzeitig fertig werden soll. „Wir arbeiten im traditionellen Kaltgärungsverfahren“, sagt Hempl. „Da dauert es fünf bis sechs Wochen, bis das Bier gereift ist“. Vier bis fünf Sude will Hofbräu ansetzen, genug für etwa 1000 Hektoliter Bier. Das muss laut Kalkulation der Brauerei reichen, sonst muss ersatzweise normales Wiesnbier geliefert werden. Ein Zusatz-Sud würde nicht mehr rechtzeitig fertig.

Ausschenken werden das dunkle Bier Peter und Gerda Reichert, die den Zuschlag für das sogenannte Theaterzelt mit etwa 1000 Innen- und 1000 Außenplätzen bekommen haben. Derzeit lassen sie im Internet (www.zeltname.de) über einen Namen für dieses Zelt abstimmen.

Die Reicherts hatten in ihrer Bewerbung mit einem eigens gebrauten Bier gelockt, und ihr Partner Hofbräu hat sich - nicht zuletzt wegen der erhoffen Werbewirkung - gerne darauf eingelassen. Den Einzug auf die Oide Wiesn lässt sich das Staatsunternehmen einiges kosten, denn in den Statuten hat der Stadtrat festgeschrieben, dass das Bier hier aus Fässern gezapft und in Keferlohern - grauen Steinzeug-Masskrügen - serviert werden muss.

6000 Keferloher hat Hofbräu bestellt, und Münchens letzter verbliebener Schäfflerbetrieb, die Fassfabrik Wilhelm Schmid in Laim, freut sich über einen 60 000-EuroAuftrag für 130 Holzfässer mit 100 und 30 Liter Fassungsvermögen. Dass das Bier aus Holzfässern besser schmecke als aus dem Stahlcontainer sei keine Einbildung, sagt Chef Wilhelm Schmid. Das liege aber weniger an Geschmacksstoffen, die das Holz abgibt, sondern „an der anderen Atmosphäre. Außerdem wird das Bier ohne Kohlensäure gezapft. Dadurch ist es süffiger.“ Allerdings: Nicht jede Brauerei wisse heute noch mit Holzfässern umzugehen, sagt Schmid. Da müsse er manchmal auch das Knowhow dazu liefern.

Bei der Hofbrauerei ist das nicht nötig. Doch auf Wiesn-mengen im Holzfass ist man hier nicht mehr eingestellt. Deshalb sind die Techniker gerade dabei, das alte „Isobarometer“ zu reaktivieren. So heißt im Fachjargon das Abfüllgerät, mit dem das Bier, frisch aus dem Lagertank, möglichst schonend in die Fässer gebracht wird. „20 bis 30 Fässer pro Stunde können wir damit füllen“, sagt Hempl. Dazu freilich gehört Erfahrung, „sonst schwappt einem das Bier auf den Schoß“.

In der Augustinerbrauerei, die das zweite Zelt auf der Oidn Wiesn beliefert, sind derlei Vorbereitungen unnötig: Sie zapft auch drüben, auf der großen Wiesn, traditionell aus Hirschn, wie die 200-Liter-Holzfässer heißen. Ob auch Augustiner zur Oidn Wiesn einen Spezialsud anbieten wird, wie es sich die Wirte Toni und Christine Winklhofer wünschen, ist ungewiss. Darüber, so hieß es gestern in der Brauerei, könne nur der Chef Jannik Inselkammer Auskunft geben, und der sei im Ausland und nicht erreichbar.

Peter T. Schmidt

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