Jubiläumswiesn - 200 Jahre Oktoberfest

Die "Geburt" des Oktoberfestes war im Jahr 1810. Anlass dazu war nichts Geringeres als die Hochzeit von Kronprinz Ludwig I. und Kronprinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen.

Der Ursprung der Wiesn war ein Pferderennen zu Ehren der frisch Vermählten. Angeregt durch die Idee des ihm untergebenen Franz Baumgarnter organisierte der Bankier und Kavallerie-Major der Münchner Nationalgarde Andreas Michael Dall`Armi eben jenes Pferderennen. Er holte sich die Genehmigung des Königs ein und gestaltete den Rahmen der Festlichkeiten. Und so fand am 17. Oktober 1810, um 14.00 Uhr das Pferderennen zu Ehren des königlichen Hochzeitpaares statt.

Der Abhang der Theresienhöhe, damals noch „Sendlinger Berg“ genannt, bot eine natürliche Tribüne für die annähernd 50.000 begeisterten Zuschauer. Die königlichen Ehrengäste beobachteten das ganze Spektakel vom Wind und Wetter geschützten Platz unter einem türkischen Pavillon aus. Eben jener Pavillon war einst von Kurfürst Max Emanuel von den Türken erbeutet worden.

Die Fläche, welche heute als „Theresienwiese“ bekannt ist, befand sich damals noch in zerstückelten Einzelteilen im Besitz der wohlhabenden Familien Münchens und hatte dementsprechend auch keinen einheitlichen Namen.

Dall`Armi gab am Tag nach dem Pferderennen bekannt, dass er durch das Königshaus die Erlaubnis bekommen hatte, zu Ehren der Kronprinzessin den Rennplatz „Theresens-Wiese“ zu benennen. Da sich dieser Name als Zungenbrecher erwies, wandelten die Münchner alsbald den Namen zu der geläufigen Version „Theresienwiese“ um – was uns bis heute erhalten blieb.

Da das Pferderennen so großen Anklang bei der Bevölkerung gefunden hatte, beschloss der König ebendieses im folgenden Jahre zu wiederholen.

Und so entstand offiziell das Oktoberfest in München.

In diesen Jahren fiel das Oktoberfest aus

Im Jahr 1813 fiel das Oktoberfest jedoch bereits zum ersten Mal aus. Grund dafür war der Krieg gegen Frankreich unter Führung von Napoleon höchstpersönlich.

Doch dies sollte nicht der einzige Ausfall bleiben, 18 weitere Mal fand die Wiesn nicht statt. In den Jahren 1854 und 1873 sorgten Cholera-Epidemien für den Ausfall der Festivitäten. Verschiedene Kriege machten eine Oktoberfestfeier in den Jahren 1866, 1870, 1914-1918 und 1939-1945 unmöglich. Weitere fünfmal, in den Jahren 1919, 1920 und 1946-1948, wurden sogenannte „Herbstfeste“ aus Sparsamkeitsgründen als Ersatzfeste gefeiert.

Ab dem Jahre 1819 übernahm die Stadt München die Leitung des Oktoberfestes. Dies geschah im Zuge des anno 1818 München zugesprochenem kommunalen Selbstverwaltungsrechtes. Seit diesem Zeitpunkt ist aus dem Oktoberfest ein rein Münchner Fest geworden, bei dem die Stadt die alleinige organisatorische und finanzielle Verantwortung trägt.

Das bayrische Königshaus nutzte das Oktoberfest zur Selbstinszenierung und setzte dementsprechend wichtige Ereignisse in diese Festwoche und ließ diese auch teilweise auf der Theresienwiese stattfinden. König Ludwig I. nahm diese Möglichkeit des frühen Selbstmarketings intensiv wahr. So wurde 1835 die silberne Hochzeit des Könighauses mit einer bis dato unübertroffenen Pracht und Prunk gefeiert. Dabei entstand der Vorläufer unseres heutigen Trachtenumzuges, im Rahmen der Festlichkeiten ließ König Ludwig I. einen großen historischen Festumzug auflaufen.

Auch wurde 1842 die Hochzeit des Thronfolgers Maximilian mit Prinzessin Marie von Preußen im Zuge des Oktoberfestes gefeiert.

Die Entwicklung der Wiesn

Die Anzahl der Besucher war beständig gestiegen. Jedoch kamen die Oktoberfestbesucher nur aus den regionalen Gebieten. Als jedoch 1840 die Eisenbahnverbindung Augsburg-München eröffnet wurde, stieg die Zahl der Wiesnbesucher sprunghaft an. Nun kamen Besucher aus allen Teilen des Königreichs.

Insgesamt 80.000 Besucher besuchten das Oktoberfest im Jahr 1861. Aber schon 21 Jahre später wurde diese Zahl bereits im Laufe eines einzigen Tages erreicht.

Um möglichen Bebauungen der Theresienwiese vorzubeugen hatte die Stadt München schon früh begonnen sämtliche Teile der Theresienwiese aufzukaufen. 1886 vollendete sie dieses Werk und somit ist die Festplatzfläche für alle Zeit in der sicheren Hand der Stadt.

Im Jahr 1885 begann die Modernisierung der Festwiese. Von 1885 bis 1901 wurde der Festplatz mit Strom versorgt, 1890 folgten dann die Wasserleitungen.

Der Prototyp des heutigen Bierzeltes ging von Michael Schottenhamel aus. Er ließ 1896 die erste große Bierhalle errichten.

Als sich 1910 die einhundertste Wiederkehr der Kronprinzenhochzeit ankündigte, wurden Vorbereitungen getroffen das selbst die Feierlichkeiten der silbernen Hochzeit 1835 in den Schatten gestellt wurden. Die 100 Jahr Feier wurde mit Glanz und Gloria gefeiert wie nie zuvor.

Diese gigantische Veranstaltung sollte eine letzte furiose Selbstinszenierung des Könighauses von Bayern sein. Durch den ersten Weltkrieg wurde die Ära der königlichen Oktoberfeste für immer beendet. Das Ende der Monarchie bedeutete den Wegfall des wichtigsten symbolischen Aspektes des Oktoberfestes der Vorkriegszeit: die Selbstdarstellung und Huldigung des bayrischen Königshauses.

Vom Königsfest zum Volksfest

Ausgerechnet die Schützenvereine belebten die Wiesn neu. 1919 wurde ein kleines „Herbstfest“ auf der Theresienwiese gefeiert, dessen Mittelpunkt ein Festschießen war. Dies wurde im darauffolgenden Jahr wiederholt.

Durch diese „Herbstfeste“ inspiriert wurden in den Jahren 1921 und 1922 wieder offizielle Oktoberfeste abgehalten. Aufgrund der Inflation in den anschließenden Jahren, wurde 1923 und 1924 wieder keine Wiesn gefeiert.

1930 wurde dann das alte Wegenetz, welches auf das ehemalige königliche Zelt ausgerichtet war, aufgegeben und die bis heute gültige Struktur eingeführt.

Das Oktoberfest unter den Nationalsozialisten

Auch die Nationalsozialisten versuchten, auf dieses ehrwürdige Traditionsfest Einfluss zu nehmen.

Sie änderten das Bild des Volksfestes. So wurde 1933 die Bauernkammer aufgelöst, welche bisher das Zentrallandwirtschaftsfest als Teil des Oktoberfestes veranstaltet hatten. Wer jüdischen Glaubens war, dufte nicht mehr auf dem Oktoberfest arbeiten und die beliebte Attraktion der „Abnormitäten“, wie siamesische Zwillinge oder missgebildete Menschen wurde ebenfalls verboten. Im Jahre 1934 wurden durch den fanatischen NS-Stadtrat Christian Weber wieder Pferderennen und zusätzliche SS-Reitervorführungen ins Leben gerufen.

Das 125 jährige Jubiläum der Wiesn war vollständig in nationalsozialistischer Hand. Im Festzug marschierten neben Trachten- und Schützengruppen auch große Abteilungen von Soldaten in NS-Uniformen. Die zeitgenössischen Veröffentlichungen beschönigten dabei das Bild des Oktoberfestes, obwohl die Theresienwiese damals massiv von Hakenkreuzflaggen geprägt war. Im Jahr 1936 wurden dann bayrische oder Münchner Farben vollständig untersagt.

Durch den Kriegsausbruch 1939 begann die längste Unterbrechung des Festbetriebes in der Geschichte der Wiesn.

In den Jahren 1940 sowie 1946 bis 1948 fanden diverse kleine Ersatzveranstaltungen statt, bis dann erst wieder 1949 ein richtiges Oktoberfest gefeiert werden konnte.

Das Oktoberfest nach dem 2. Weltkrieg

1950 wurde die Tradition des Bieranstiches zur Eröffnung der Festivitäten durch den Oberbürgermeister eingeführt. Hierbei gilt zu beachten das der Biergenuss auf der Wiesn sich erst über die Jahre hinweg dorthin zentriert hatte. So mussten 1810 die Besucher des Pferderennens noch zur drei Kilometer entfernten Sendliger Anhöhe laufen, wollten sie der Lustbarkeit eines gekühlten Bieres frönen. Erst einige Jahre später genehmigte die Stadt München den Biergenuss auf der Theresienwiese.

Das Bombenattentat von 1980

Unterbrochen wurde die Ruhe, welche das Oktoberfest bis zu diesem Zeitpunkt genossen hatte, durch das Bombenattentat am 26. September 1980.  Das Oktoberfestattentat war ein rechtsterroristischer Anschlag in München. Es wurden 13 Menschen getötet und über 200 verletzt. Doch selbst dies konnte die Stadt München nicht zum Abbruch der Veranstaltung bewegen.

In den folgenden Jahren veränderte sich das Oktoberfest. Immer lauter wurde es, immer voller und immer noch mehr Bier. Das Oktoberfest lief Gefahr, sich zu einem bayrischen „Ballermann“ zu entwickeln.

2005 griff die Stadt München dann ein und es wurde eine „ruhige Wiesn“ eingeführt. Die Festzeltwirte wurden dazu angehalten Partymusik erst ab 18:00 Uhr zu spielen. In der Zeit davor müssen sie bei bayerischer Blasmusik bleiben. Damit ist gesichert, dass die Wiesn nicht ausufert und für Groß und Klein eine Freude ist und bleibt.

Ab 2010 mit historischer Wiesn

So wurde dann 2010 das 200 Jährige Jubiläum gefeiert. Erstmals gab es in diesem Jahr einen abgegrenzten Aufbau auf dem Südteil der Theresienwiese, die historische Wiesn. Hier gedenkt man den Anfängen des Oktoberfestes im frühen 19. Jahrhundert. Geboten werden Karusselle für Jung und Alt, sowie historisch dekorierte Festzelte. Der Fokus auf der historischen Wiesn liegt auf Gemütlichkeit und Familienfreundlichkeit.

So lebt die alte Volksfestatmosphäre, so wie die bayrische Kultur neu auf.

Schmankerl zum 200 jährigem Jubiläum war die Verlängerung des Oktoberfestes um einen Tag (Montag der 4. Oktober 2010), die Mittelschiffe der Bierzelte konnten nicht reserviert werden, so dass jeder Münchner seinen Platz finden konnte. Zusätzlich gab es in jedem Fahrgeschäft eine Gratisstunde.

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