Fall Sepp Krätz

Wirte planen Hippodrom-Nachfolge

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Was passiert mit dem Hippodrom?

München - Kurz vor Beginn des Steuer-Prozesses gegen Sepp Krätz rumort es hinter den Kulissen: Für den Fall, dass der Wirt verurteilt wird und von der Wiesn fliegt, lassen drei potenzielle Nachfolger bereits ein eigenes Zelt planen.

Hätte, könnte, wäre – zur Zukunft des wegen Steuerhinterziehung angeklagten Wiesn-Wirts Sepp Krätz kursieren etliche Gerüchte. Nun ist klar: Sollte Krätz verurteilt werden und von der Wiesn fliegen, stünden drei potenzielle Nachfolger mit einem eigenen Zelt bereit. Sie haben bei der Firma „Deuter“ Planungen für Konstruktion und Statik in Auftrag gegeben – für ein Zelt, dessen Fläche Krätz’ Hippodrom entspricht. Das bestätigte einer der Bewerber, Karlheinz Reindl von der Firma Rubenbauer, unserer Zeitung.

Reindl hat sich mit seiner Frau für die Wiesn beworben. Mit ihm im Bunde sind Lorenz Stiftl („Spöckmeier“) und Jürgen Lochbihler („Pschorr“). „In unseren Bewerbungsunterlagen für die Wiesn befindet sich ein Schriftstück der Zeltfirma Deuter“, sagt Reindl. „Es bestätigt der Stadt, dass wir rechtzeitig mit einem eigenen Zelt parat stehen könnten.“ Dies sei eine übliche Vorgehensweise und „kein Geheimnis“. Werde der Platz des Hippodroms frei, müsse man bauliche Fragen geklärt haben – sonst sei die Zeit zu knapp.

Die Entscheidung über die Zulassung zur Wiesn fällt im Mai, insgesamt gibt es rund 20 Bewerber. Den drei Zelt-Planern werden gute Chancen eingeräumt. Als aussichtsreicher Kandidat gilt auch Siegfried Able, der auf der Wiesn bereits die „Kalbskuchl“ betreibt. Er sei an den Plänen für das neue Zelt nicht beteiligt, sagte Reindl. Able selbst war nicht zu erreichen.

Am Ende kann nur einer den Zuschlag für die Wiesn bekommen – um die Kosten zu minimieren, haben sich Reindl, Lochbihler und Stiftl gemeinsam an die Firma Deuter gewandt. „Das Hippodrom ist vakant, über diese Fläche können wir nicht hinaus“, sagt Reindl. Er betont, dass das kein „Pakt gegen Krätz“ sei. Er wünsche ihm, dass er bleibt: „Der Sepp hat die Wiesn weit voran gebracht.“

Unterdessen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Krätz derzeit versucht, das Hippodrom zu verkaufen. Der Prozess gegen ihn beginnt kommenden Donnerstag, ein Urteil könnte Ende März fallen. Wird Krätz verurteilt, dürfte sein Zelt an Wert verlieren. Reindl weiß nichts von einem Verkauf: „Bei mir hat er es nicht versucht.“ So mancher vermutet allerdings Kalkül hinter den Plänen der drei Konkurrenten: Ein eigenes Zelt in der Hinterhand könnte den Preis für das Hippodrom drücken. Wirte-Sprecher Toni Roiderer will sich aus „Fairness“ nicht zu all dem äußern. „Der Bär lebt noch, aber das Fell wird schon verteilt“, sagt er nur.

Wie berichtet, droht Sepp Krätz bei einer Verurteilung auch der Verlust seiner Gaststättenkonzession. Er betreibt das „Andechser am Dom“ und die Waldwirtschaft in Großhesselohe. Über die Konzession, die an seine Person gebunden ist, entscheidet das KVR. „Wir warten die Hauptverhandlung ab“, sagte Sprecherin Daniela Schlegel gestern. Wiesn-Chef Dieter Reiter (SPD) hatte zuletzt erklärt, er werde dem Stadtrat nach dem Prozess einen Vorschlag machen, ob Krätz auf die Wiesn darf – bis Ende April.

Hinzu kommt: Am 25. April beginnt auf der Theresienwiese das Frühlingsfest, für das Krätz mit dem Hippodrom eingeplant ist. Die Entscheidung über die Konzession könnte also kurz vorher oder während des Fests fallen. Verliert Krätz seine Erlaubnis, müsste er den Betrieb abgeben. „Ohne Konzession kommt er nicht aufs Frühlingsfest“, sagt Edmund Radlinger, Chef des Münchner Schaustellervereins, der das Fest veranstaltet. „Das ist eine Entscheidung des KVR, auf die wir reagieren müssten.“ Er gehe bis dahin davon aus, dass Krätz („ein Ausnahmewirt“) wie geplant dabei sei.

Auffällig ist, dass sich im Handelsregister eine Neueintragung vom Januar findet – für eine „Hippodrom Oktoberfest OHG“. Gesellschafter sind Krätz, seine Frau und seine Schwester – „jeder persönlich haftende Gesellschafter vertritt einzeln“, heißt es. Für das Frühlingsfest hat sich Krätz aber laut Radlinger unter alter Flagge beworben. Welchen Zweck die neue Firma hat, ist unklar. Von „Vorsichtsmaßnahmen“ wird gemunkelt, offiziell äußert sich niemand. Dass eine der Frauen das Hippodrom auf der Wiesn weiterführen darf, gilt in Rathaus-Kreisen als sehr unwahrscheinlich. Sie würden die Anforderungen nicht erfüllen. Krätz selbst reagierte auf mehrmalige Anfrage nicht.

Ann-Kathrin Gerke und Felix Müller

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