Serie: Die Großen Wiesn-Wirte

Schützenfestzelt: Der jüngste Wirt der Wiesn

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Auf der Empore: Ludwig Reinbold im Schützenfestzelt, das heuer neu gebaut wurde. Es verfügt jetzt über eine rundumlaufende Empore. Dieses Foto entstand am Tag vor dem Anstich, als das Zelt noch nicht fertig möbliert war.

München - Diesmal schauen wir uns in der Serie über die großen Wiesn-Wirte das Schützenfestzelt genauer an. Ludwig Reinbold ist erst 28 Jahre alt – und hat das Sagen im 6500 Plätze zählenden Festzelt.

Wie bitte?! Der ist Wiesnwirt? Wenn Ludwig Reinbold auftaucht, wundert sich so mancher über seine Funktion auf dem Oktoberfest. Nicht etwa, weil er keinen Trachtenanzug tragen würde – dieses modische Merkmal der Gattung Wiesnwirt erfüllt er durchaus. Aber mit seinen 28 Jahren fällt er auf in der Riege der besonders leistungsfähigen Gastronomen, die in den riesigen Bierzelten das Sagen haben. Was Ludwig Reinbold an Lebensjahren fehlt, macht er mit Selbstbewusstsein wieder wett: „Bevor ich offiziell Wiesnwirt wurde, habe ich die gleiche Arbeit gemacht, ich trage jetzt nur mehr Verantwortung, und das ist kein Problem.“

Freilich trägt er die Verantwortung nicht alleine. Sein Vater Edi Reinbold mischt noch immer kräftig mit. Außerdem sein Bruder Matthias (29), der sich um das Kaufmännische kümmert. Meinungsverschiedenheiten haben die Reinbolds nur selten. „Wir sind ein super Dreier-Gespann“, sagt Ludwig Reinbold. „Matthias und ich hören zu 95 Prozent auf meinen Vater, schließlich hat er eine wahnsinnige Erfahrung. Aber wir haben auch eigene Ideen.“ Etwa, vegane Gerichte anzubieten. Oder soziale Medien fürs Marketing zu nutzen. „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit“, meint Ludwig Reinbold.

Heuer ist er Chef eines funkelnagelneuen Zeltes – das Schützenfestzelt am Fuß der Bavaria wurde komplett neu gebaut. Wie berichtet, musste der Biergarten verkleinert werden, weil der Abstand zum Nachbarzelt zu klein war und den Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügte. Kleiner geworden ist das Zelt dadurch nicht – im Gegenteil: Oben hat es jetzt eine umlaufende Empore. Statt 5500 Plätze wie bisher zählt das Zelt jetzt 6500 Plätze insgesamt. Wer das Zelt betritt, bemerkt das erstmal nicht. Die Dekoration, die Anordung der Boxen, alles wie gehabt. „Wir wollten bewusst den traditionellen Charakter beibehalten“, sagt Reinbold.

In der Innenstadt allerdings brechen die Reinbolds mit der Tradition: Wie berichtet geben sie den Franziskaner auf – und übernehmen stattdessen den Löwenbräukeller ihres Wiesnwirtskollegen Christian Schottenhamel. Die Reinbolds wollen sich zu diesem pikanten Immobiliengeschäft nicht äußern – und schweigen hartnäckig.

Über die Arbeit auf der Wiesn dagegen reden sie gern. Ludwig Reinbold sagt: „Mir macht das Oktoberfest riesigen Spaß. Sonst könnte ich diesen Job auch nicht machen.“ Denn eines ist auch klar: Mit Freunden am Biertisch sitzen und feiern, das geht nicht. Immerhin hat seine Freundin, eine Erzieherin, für seine Arbeit Verständnis. „Sie feiert gerne auf der Wiesn. Wir fahren dann abends oft gemeinsam mit dem Auto nachhause“, erzählt er.

Für Ludwig Reinbold, der vor Jahren die Hotelfachschule in Innsbruck absolvierte, war immer klar, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. „Mein Vater hat uns alles offen gelassen. Hätte ich Arzt werden wollen, hätte er mich auch unterstützt. Aber ich wollte in die Gastronomie.“ Kein Wunder, hatte er das Geschäft doch von klein auf kennengelernt. Im Franziskaner in der Innenstadt und im Hotel Drei Löwen nahe dem Hauptbahnhof.

Und freilich auch auf der Wiesn – wobei er als Dreikäsehoch noch nicht verstanden hat, dass er der Sohn eines Wiesnwirtes ist. „Wir sind am Familientag immer mit meiner Mutter über die Wiesn gebummelt, Karussell gefahren und haben Mandeln gegessen. Wie andere Kinder auch“, erzählt er. Anders als in anderen Familien war nur, dass er seine Eltern an den Wiesnwochenenden praktisch nicht zu Gesicht bekommen hat. Da passte dann die Oma auf die Reinbold-Buben auf. „Deshalb haben wir uns immer so gefreut, wenn wir unter der Woche mal mit unseren Eltern über die Wiesn gehen durften. Wir haben sie während des Oktoberfestes nur selten gesehen.“ Besonders gern erinnert sich Ludwig Reinbold auch an den Einzug der Festwirte: „Als Kleindkind ist es natürlich toll, wenn man auf einer Pferdekutsche fahren darf.“

Noch sieben Tage, dann geht das diesjährige Oktoberfest wieder zuende – und für Ludwig Reinbold endet die Alkoholabstinenz. „Am letzten Abend, wenn alles vorbei ist, dann gibt’s endlich ein Bier.“

Bettina Stuhlweißenburg

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