Oktoberfest-Export: Schottenhamel zapft Markt in China an

+
Die Festzelte stehen: Bis zu 84 000 Gäste gleichzeitig sollen auf dem Pekinger Oktoberfest bewirtet werden können.

München - Noch bevor der Wiesn-Aufbau in München beginnt, wird heuer erstmals beim Oktoberfest in Peking o’zapft. Durch die Hilfe von Michael Schottenhamel soll es dem Original ganz nahe kommen. Selbst die Bedienungen fliegen aus Bayern ein.

Gut 2000 Oktoberfeste gibt es, mit denen Menschen auf der ganzen Welt versuchen, ein wenig Wiesn-Flair in ihre Heimat zu holen. Das bislang größte besuchen jedes Jahr eine Million Menschen im brasilianischen Städtchen Blumenau. Nun soll sich in Peking eine ganz neue Dimension eröffnen.

Vier Millionen Besucher werden zum dortigen Oktoberfest erwartet, das ab Samstag vier Wochen lang läuft. „In der Größenordnung gab es das noch nie“, sagt Michael Schottenhamel, mit dessen Hilfe Pekinger Geschäftsleute das Großprojekt verwirklicht haben. Er hat die Chinesen beraten, damit sie mit ihrem Fest dem Original in München so nahe wie möglich kommen.

Michael Schottenhamel haben sich die Pekinger Geschäftsleute nicht per Zufall ausgesucht. Der 45 Jahre alte Sohn von Wiesn-Wirt Peter Schottenhamel hat nicht nur jahrelange Erfahrung auf dem Münchner Oktoberfest. Er kennt sich auch in Asien aus. „Ich bin sehr asienaffin und habe eine Zeit lang dort gelebt“, berichtet er. Zudem habe bereits sein Vater in Japan ein Oktoberfest aufgezogen. „Mit 4000 Plätzen“, erinnert sich Michael Schottenhamel.

Kein Vergleich zu dem, was nun in Peking ablaufen soll. In acht Festzelten wollen die Chinesen bis zu 84 000 Besucher gleichzeitig bewirten. Natürlich mit „echt bayerischer“ Küche. Die deftigen Gerichte haben Köche aus Bayern den Chinesen beigebracht. „Drei unserer Köche waren dort und haben alles vorgekocht, und die Chinesen waren auch bei uns“, erzählt Schottenhamel.

Selbstverständlich schenken die Pekinger auf ihrem Oktoberfest auch Bier aus. Nein, das werde nicht aus München geliefert, beantwortet Schottenhamel die Frage. „Das Bier brauen wir in Peking selbst“, erklärt er. „Aber natürlich nach einem Münchner Rezept.“ Wie das Oktoberfest-Bier heißt? „Es hat keinen Namen, denken Sie sich einen aus.“

Bis Montagmittag hat Schottenhamel in Peking alles vorbereitet. „An Kleinigkeiten muss man aber noch feilen“, meint er. Bei einem Probeessen hätten ihm die einheimischen Köche chinesischen Fisch mit Sauerkraut serviert. „Sie lieben Sauerkraut, deshalb machen sie es überall dazu.“

Für den Feinschliff geht es nach einem kurzen Heimaturlaub schon heute Abend wieder zurück in die chinesische Hauptstadt. Mit Schottenhamel fliegen einige von insgesamt 250 Bedienungen aus Bayern, die in original bayerischer Tracht durch die Zelte laufen werden – in fünf verschiedenen Dirndln und Krachlederner. Die Bedienungen hat Schottenhamel lange gesucht, bei seinem Catering-Service, von Hochschulen, aus dem Tourismus- und Gastronomiebereich und auf der Wiesn im vergangenen Jahr.

Ebenfalls an Bord der Lufthansa-Maschine nach Peking soll das 200-Liter-Bierfass gehen, mit dem in China angezapft wird. Ob es sich dabei um dasselbe Fass handelt, mit dem Münchens Oberbürgermeister Christian Ude am 17. September im Schottenhamel-Festzelt die Wiesn eröffnet? Schottenhamel lacht. „Nein.“

Jetzt, da sich die Vorbereitungen gen Ende neigen, wirkt Michael Schottenhamel ein wenig aufgekratzt. Ob alles klappen wird? „Es ist eine schwer zu fassende Welt“, sagt er. Aber es sei unheimlich wichtig, dort Erfahrungen zu sammeln. Denn: „Unsere Kinder werden in einer Welt aufwachsen, die von Asien bestimmt wird“, meint Schottenhamel. Deshalb könne er sich vorstellen, sich auch weiterhin dort zu engagieren. „Ich habe viel mitgekriegt von dem Land“, sagt er. „Ein Abenteuer.“

Bettina Link

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Wiesn-Reservierungen: Fans, nächsten Montag vormerken!

Wiesn-Reservierungen: Fans, nächsten Montag vormerken!

Wiesn-Revolution? Stadt München will gewisse Zelt-Reservierungen kippen

Wiesn-Revolution? Stadt München will gewisse Zelt-Reservierungen kippen

Wildmoser: „Ich habe genug von der Wiesn“

Wildmoser: „Ich habe genug von der Wiesn“

Kommentare