Unsere Serie vor dem Oktoberfest 2017

Beppi  Bachmeiers Hobby füllt sein Herzkasperlzelt mit Leben

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Liebt alte Dinge, die Geschichten erzählen: Wirt Beppi Bachmeier, hier in seinem Herzkasperl-Zelt.

Die Wiesn-Besucher kennen sie in Tracht als stolze Wirte. Wir stellen die Herrscher des Wiesn-Bieres und ihre privaten Hobbys vor. Heute: Beppi Bachmeier vom Herzkasperlzelt und seine Leidenschaft für Antiquitäten.

München - Ein besonders ambitionierter Antiquitäten-Händler war Beppi Bachmaier nicht. „Meistens hing ein Zettel am Eingang: ‚Komme gleich wieder’. Ich war dann beim Baden oder so“, sagt der Wirt des Herzkasperl-Zelts auf der Oidn Wiesn. Trotzdem liebt Bachmaier heute noch alles Alte, hinter dem eine Geschichte steckt.

Das Sammeln faszinierte den Wiesnwirt schon als Buben. Der Opa mütterlicherseits hatte in einem Auktionshaus gearbeitet. Mit 23 Jahren machte Bachmaier sein erstes Geschäft auf, an der Buttermelcherstraße. Einen Trödelladen, wie er sagt. „Ich war kein besonders toller Händler. Es hat mich entnervt, etwas zu verkaufen, das ich gern habe.“ Doch ein Gutes hatte der Laden: Im ersten Stock des Hauses lebte ein gewisser Uwe Kleinschmidt. Mit ihm betrieb Bachmaier später die legendäre Kleinkunstbühne Musikalisches Unterholz, bekannt als MUH.

Die Leidenschaft für alte Dinge blieb

Über all die Jahre blieb Bachmaier die Leidenschaft für alte Dinge. Und trotzdem ist er keiner, der immerzu nach hinten schauen mag. Jubiläen sind ihm unangenehm, Lobpreisungen auf seine Person zuwider. Bachmaier verkörpert für viele in der Stadt den Anti-Wiesnwirt, das ursprüngliche München. Und so fährt Bachmaier bei seiner zweiten Leidenschaft, dem Schwimmen, auch nicht mit einem SUV vor. Er hat keinen Führerschein, seine Lebensgefährtin bringt ihn an einen See seiner Wahl. Als Jugendlicher trat der Wirt bei Wettkämpfen an. Disziplin: Brustschwimmen. Eingetreten ist er in die Schwimmgruppe im Müllerschen Volksbad aber aus einem nicht-sportlichen Grund. „Da war eine sehr hübsche junge Frau, die uns alle sehr interessiert hat.“

Bei seinen Antiquitäten interessiert Bachmaier vor allem, dass sie nicht künstlich in einen Raum gepresst werden. „Es muss so aussehen, als ob die alten Dinge schon immer da gewesen wären.“ Die Geschichte hinter seinen Schätzen hat er oft erst später entdeckt. Wie bei den abgewetzten Wirtshaus-Stühlen, hinter deren Grün mittlerweile ein Braun hervorkommt. Die standen 1907 schon im Löwenbräu-Zelt, wie Bachmaier mithilfe von Florian Dering herausgefunden hat. Der war bis ins Jahr 2015 stellvertretender Direktor des Münchner Stadtmuseums. Als er die Stühle in seine Sammlung aufnahm, wusste Bachmaier freilich nichts von der Historie. Sie gefielen ihm einfach. Wie so viele andere: Allein um die 1000 Stühle hat er über die Zeit angesammelt. Die lagert er mit all den anderen Schätzen in Niederbayern.

Eine der neuesten Errungenschaften im Herzkasperlzelt: eine historische Stadtansicht aus dem ehemaligen Mathäser-Weißbierkeller. Zu einem „guten Preis“ hat Bachmaier sie einem Händler abgekauft.

Der Wirt

Er ist der Gegenpart zum Klischee des Wiesnwirts: Beppi Bachmaier ist der Kulturwirt auf dem Oktoberfest. In seinem Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn bietet er jungen Künstlern aus dem bairischen Sprachraum eine Bühne. Nach einer Metzgerlehre, einem Leben als Antiquitätenverkäufer und Bildender Künstler eröffnete er 1972 das MUH, das Musikalische Unterholz. Danach kamen das Theater im Fraunhofer, die Theaterfabrik Unterföhring, Hotel und Café Mariandl und das Theaterzelt Das Schloss dazu. Heute betreibt Bachmaier das Theater im Fraunhofer und das Hotel und Café Mariandl. F: Gülland (2), privat, Götzfried, Bodmer, Schlaf

Das Zelt in Kürze

Bierpreis: 10,70 Euro K Brauerei: Hacker-Pschorr K Halbes Hendl: 11,80 Euro K Schmankerl: Jägerbrotzeit mit Wildterrine, Hirschbeißer, Schinken vom Hirsch, Wildschweinsalami, Frischkäse mit frischen Kräutern, Salzgurken, Preiselbeermeerrettich und Hofpfisterbrot für zwei Personen 36,80 Euro

Sitzplätze: 1800 innen, 1100 im Biergarten

Eintritt Oide Wiesn: 3 Euro

Raucher: eingezäunter Raucherbereich hinter dem Zelt

Musik: umfangreiches Kulturprogramm, täglich vier verschiedene Musikgruppen und eine Tanzfläche vor der Bühne

Neu: Wirt Beppi Bachmaier hat die originalen Tafeln aus dem legendären Mathäser-Keller ausfindig gemacht. So ist nun zum zweiten Mal die historische Stadtansicht auf vier Gemälden im Zelt zu sehen. Luise Kinseher zapft heuer im Zelt an.

Lesen Sie hier auch die anderen Teile unserer Wiesn-Wirte-Serie:

Teil 1: So bereitet sich die Wirtin vom Löwenbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 2: So bereitet sich der Wirt vom Weinzelt auf die Wiesn vor

Teil 3: So bereitet sich der Wirt vom Festzelt Tradition auf die Wiesn vor

Teil 4: So bereitet sich die Wirtin der Ochsenbraterei auf die Wiesn vor

Teil 5: So bereitet sich der Wirt vom Armbrustschützenzelt auf die Wiesn vor

Teil 6: Darum sind Hobbys der „Schönheitskönigin“-Wirte hilfreich für Vorbereitung

Teil 7: Brüderliche Sportskanonen - Mathias und Ludwig Reinbold vom Schützenfestzelt

Teil 8: Der Gipfelstürmer Thomas Vollmer von der Augustiner-Festhalle

Teil 9: So bereiten sich die Wirte vom Hofbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 10: Gemütlich unterwegs: Dieses Hobby hat Fischer-Vroni-Wirt Stadtmüller

Teil 11: So holt Winzerer-Fähndl-Wirt Pongratz Schwung für die Wiesn

Teil 12: Im Schottenhamel ist die Tradition Trumpf

Teil 13: Bräurosl-Chef Heide: Seine Welt sind die Berge

Teil 14: Mit zwei besonderen Hobbys bereitet sich Hacker-Pschorr-Wirt auf die Wiesn vor

Teil 15: So halten sich die Käfers fit für die Wiesn

Alles Aktuelle zum Oktoberfest 2017 lesen Sie schon jetzt in unserem Live-Ticker zur Wiesn. Die Besten Oktoberfest-Geschichten finden Sie außerdem auch auf unserer Facebookseite „Oktoberfest“.  

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