Der rollende Roiderer

Mit zwei besonderen Hobbys bereitet sich Hacker-Pschorr-Wirt auf die Wiesn vor

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Hackerwirt Thomas Roiderer mit seinem Segway.

Nicht mehr lange, dann startet das Oktoberfest 2017. Für den Wirt des Hacker-Zeltes die letzte Gelegenheit, noch einmal durchzuschnaufen. Er hat zwei besondere Hobbys.

München - Wenn Thomas Roiderer (38) sich an die 40-Stunden-Woche halten würde, könnte er am Mittwochabend ins Wochenende starten. In Straßlach betreiben die Roiderers den Gasthof zum Wildpark und ihre Traditionsmetzgerei – „ganz nebenbei“ stemmen sie seit 1989 den alljährlichen Wiesn-Wahnsinn.

Für Erholung bleibt kaum Zeit. Das wird schnell deutlich, wenn der Sohn von Wirtesprecher Toni Roiderer (72) von seinem Tag erzählt. Nach 15 Stunden Arbeit geht’s mit dem Hund gleich in die Natur. Nicht zu Fuß, nicht auf dem Radl, Roiderer springt auf seinen Segway. Gassi gehen 2.0.

Ein eleganter Sprung auf das Podest, den Griff lässig umklammert, eine Pirou­ette – dann braust Thomas Roiderer den Feldweg entlang. Leo (10), sein sanftmütiger Broholmer, folgt ihm brav. „Er mag das“, schreit Roiderer, der schon einige Meter zurückgelegt hat.

Bei bis zu 20 Stunden­kilometern werden Spaziergänge für Leo schon mal zu kleinen Ausdauereinheiten. „Das passt für uns beide“, sagt Roiderer. „Er hat Auslauf, und ich komme an die frische Luft.“

Roiderers zweites großes Hobby: sein sanftmütiger Broholmer namens Leo.

Weil der Wiesnwirt viel lieber auf unbefestigten Straßen als in der Abgaswolke von Autos und Lastwagen unterwegs ist, hat er sich ein Spezial-Gefährt zugelegt. „Keine Teerschneider“, meint Roiderer und deutet auf die dicken Geländereifen seines Stehrollers. Damit fährt er über Wiesen und durch Pfützen.

„Ich komme überall hin. Da spritzt nichts, im Gegensatz zum Radlfahren“, sagt er. Den Segway nutzt er aber nicht nur zur abendlichen Spazierfahrt mit dem Hund, „auch beruflich nehm ich den her“, sagt er und zeigt ins Dorf. „Für die kurzen Wege von meinem Haus bis zur Metzgerei, zum Supermarkt oder zur Bank lohnt es sich doch nicht, ins Auto zu steigen. Das spart Zeit.“

Beobachtet man Thomas Roiderer auf seinem Roller, glaubt man, eine Mischung aus Tanz und müheloser Fortbewegung zu erkennen. Ein kurzer Slalom, einhändig, das Gerät gehorcht. ­Roiderer, das Naturtalent? „Na, des braucht schon Übung“, sagt er.

Böse Verletzungen gab es zwar noch nicht, schmerzhafte Stürze aber zur Genüge. „Man lernt zumindest schnell die Grenzen kennen“, scherzt Roiderer.

Wenn er nicht gerade in der Metzgerei, im Wirtshaus, auf der Wiesn oder auf dem Segway steht, umgibt er sich mit seiner Familie. Mit Ehefrau Janina (37) hat Thomas Roiderer zwei Kinder: Toni (3) und Theresa, die am 17. Oktober ihren ersten Geburtstag erlebt, sind der ganze Stolz des Wiesnwirts.

Apropos 17. Oktober: Im Jahr 1810 wurde genau an jenem Datum das erste Oktoberfest gefeiert – zu Ehren der Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Auch bei der Namensgebung ihrer Tochter orientieren sich die Roiderers also am Oktoberfest. Tradition verpflichtet, auch für einen „Rolling ­Roiderer“…

Das Zelt in Zahlen

Bierpreis: 10,90 Euro

Brauerei: Hacker-Pschorr

Halbes Hendl: 11,30 Euro

Schmankerl: Rindertatar (16,80 Euro)

Günstig essen: wechselndes Mittags­gericht von Montag bis Freitag für 11,50 Euro, halbe knusprig gegrillte Schweinshaxe mit hausgemachtem Kartoffelsalat und Kren für 14,50 Euro, am Familientag (Dienstag) Spaghetti Bolognese mit frisch geriebenem Parmesan für 7,80 Euro

Sitzplätze: 6830 Plätze im Zelt, 2520 im Biergarten

Raucher: Kein spezieller Bereich

Musik: Die Kirchdorfer Musi unterhält die Gäste von 12 bis 18.30 Uhr und wieder ab 20 Uhr. Von 18.30 Uhr bis 20 Uhr spielen die Cagey Strings auf.

Neu: Die vor allem für die Bedienungen zu steile Treppe zur Galerie wurde für die kommende Wiesn durch ein Zwischenpodest abgeflacht und damit „entschärft“.

Die Wirte-Familie

Seit dem Jahr 1989 hält die Familie Roiderer die Zügel im Hackerzelt fest in den Händen. Toni Roiderer (71) und seine Frau Christl (71) führten das Zelt 26 Jahre lang – ab diesem Jahr übernimmt Sohn Thomas (37). Seine Eltern denken trotzdem noch lange nicht an Ruhestand: Vater Toni bleibt markiger Wirte-Sprecher, beide arbeiten weiterhin im Zelt mit.

2011 hatte die Familie einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften: Thomas’ Bruder Markus verstarb mit nur 33 Jahren an einem Gehirntumor. Jetzt halten alle umso fester zusammen: Neben den Eltern wird Wirt Thomas Roiderer von Frau Janina (37) unterstützt, die während der Wiesn vor allem im heimischen Gasthof zum Wildpark (Straßlach) werkelt.

So stemmen wir die Wiesn

Teil 1 der Serie: So bereitet sich die Wirtin vom Löwenbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 2 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Weinzelt auf die Wiesn vor

Teil 3 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Festzelt Tradition auf die Wiesn vor

Teil 4 der Serie: So bereitet sich die Wirtin der Ochsenbraterei auf die Wiesn vor

Teil 5 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Armbrustschützenzelt auf die Wiesn vor

Teil 6 der Serie: Darum sind Hobbys der „Schönheitskönigin“-Wirte hilfreich für Vorbereitung

Teil 7 der Serie: Brüderliche Sportskanonen - Mathias und Ludwig Reinbold vom Schützenfestzelt

Teil 8 der Serie: Der Gipfelstürmer Thomas Vollmer von der Augustiner-Festhalle

Teil 9 der Serie: So bereiten sich die Wirte vom Hofbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 10 der Serie: Gemütlich unterwegs: Dieses Hobby hat Fischer-Vroni-Wirt Stadtmüller

Teil 11 der Serie: So holt Winzerer-Fähndl-Wirt Pongratz Schwung für die Wiesn

Teil 12 der Serie: Im Schottenhamel ist die Tradition Trumpf

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