Rückblick auf 112 Jahre Wiesn

Hippodrom: Diese Top-Promis feierten bei Krätz

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Promis, Stars und Sternchen: Das Hippodrom war immer eine beliebte Anlaufstelle für den Jet-Set.

München - Jetzt ist also Schluss: Nach 112 Jahren auf der Wiesn wird das Hippodrom vom Oktoberfest verschwinden. Wir begeben uns auf eine Zeitreise - garniert mit Pferden, Promis und Partys.

Wir schreiben das Jahr 1902. Die Stadt München bereitet sich auf ihr 92. Oktoberfest vor. Und das traditionsreiche Fest befindet sich mehr und mehr im Umbruch. Die Brauereien bauen ihre kleinen Zelte zu immer größeren Festhallen aus, Schausteller sorgen mit ihren Karussells für Abwechslung. Es ist eine Zeit, in der Vordenker und ihre Ideen auf der Wiesn gefragt sind.

Hippodrom 1902: Eine Imbiss- und Schaubude

Carl Gabriel war so einer. Heute würde man ihn wohl innovativ nennen. Als er anno 1902 seine "Imbiss- und Schaubude" auf dem Münchner Oktoberfest eröffnete, war das "Hippo" zwar noch weit von einem Promi-Zelt entfernt. Wie eigentlich die gesamte Wiesn zu dieser Zeit. Doch eines war auf dem Oktoberfest auch damals schon gefragt: Unterhaltung! Ein Trend, den Gabriel erkannte - und er sprang sofort auf den Zug. Oder eher: auf das Pferd. Denn im Inneren seiner "Wirtsbude" ließ der findige Kopf eine Pferdereitbahn errichten.

Pferdereitbahn zur Volksbelustigung

Als erste Wirtsbude überhaupt bot Gabriel seinen Gästen auch Elemente der "Volksbelustigung". Denn unterhaltsam waren die Reitversuche nicht nur für die mutigen Münchner, die sich gegen ein kleines Entgelt in den Sattel hievten. Auch die Zuschauer hatten ihren Spaß, wenn sich so mancher Tollpatsch ängstlich auf dem Pferderücken durchschütteln ließ.

Ein "Recommandeur" sorgte schon vor dem Zelt für große Augen bei den Besuchern. "Sein Kopf war leicht geneigt, die Peitsche hielt er in der linken und in der rechten Hand, mit einem elegant abgespreizten kleinen Finger, die imaginären Zügel, dazu wippte er in den Knien wie ein Reiter", heißt es in der Chronik des Hippodrom. Den Münchnern gefiel's! In Scharen strömten sie in das Hippodrom.

Hippodrom in den 1990er Jahren: Der Wandel zur klassischen Festhalle

Daran änderte sich lange Zeit nicht viel. Bis in die 1970er Jahre gehörte die Pferdereitbahn, der das Hippodrom auch seinen Namen verdankt, fest zur traditionsreichen Wiesn-Festhalle dazu. Doch die Zeiten wandelten sich, das Oktoberfest auch. Die Fahrgeschäfte wurden größer, höher und schneller, die Zelte fassten immer mehr Besucher. Bier und Hendl waren mehr gefragt als die 25 Pferde im Hippodrom. Da war es scheinbar nur eine Frage der Zeit, bis die Manege weiteren Tischen und Bänken weichen musste.

"Volksbelustigung" gab es zwar im Hippodrom weiterhin, allerdings - wie in den anderen Festhallen auch - sorgten dafür nun Kapellen mit fetziger Musik. Das Oktoberfest wurde zur Partymeile, die Reichen und Schönen zeigten sich gerne. Vor allem auch im Hippodrom.

Hippodrom in den 2000er Jahren: Ein Zelt für Promis, Stars und Sternchen

Ob es die opulente Dekoration im Inneren, die Sektbar oder einfach das "Sehen und Gesehenwerden" war, die Promis liebten das "Hippo". Eine Entwicklung, die der Gastronom Sepp Krätz geschickt bediente. 1995 übernahm er das Hippodrom. "Schon als Kind war es sein Traum, einer von denjenigen zu sein, die das Oktoberfest Jahr für Jahr zu diesem besonderen Ereignis werden lassen", heißt es auf der offiziellen Homepage des Wiesn-Festzelts. Bis 2013 feierten Münchner, Promis, Stars und Sternchen rauschende Wiesn-Partys in der traditionsreichen Festhalle. 3300 Sitzplätze im Inneren, 1000 im Biergarten - und die "Münchner Zwietracht" sorgte für Stimmung.

Schickeria statt Tradition?

Doch wieviel Tradition blieb im "Hippo" noch übrig? Viele Münchner sind sich da nicht so sicher, wie die Debatte in den letzten Tagen des Hippodrom zeigte. Begriffe wie "Schicki-Micki-Burg" oder "Promi-Zelt" machten die Runde. Dennoch hat das Hippodrom viele Fans und Stammgäste, die das Feiern "in gepflegter und dennoch traditioneller Weise" schätzen gelernt haben.

Hippodrom 2014: Neue Geschichte unter neuem Namen

Jetzt - im Jahr 2014 - wird also das nächste Kapitel in der Geschichte des Hippodrom aufgeschlagen. Schreiben wird es der Münchner Gastronom Siegfried Able, dem die Stadt nun den Zuschlag für das Wiesn-Zelt erteilt hat, nachdem Krätz über seine Steuer-Affären gestolpert war. Und eines steht schon fest: Das "Hippo" verliert damit seinen vielleicht wichtigsten Traditionsbeweis - seinen Namen. "Marstall" will es sein neuer Wirt taufen. In Anlehnung an die Pferdereitbahn in vergangenen Tagen.

Ob dann auch die Pferde zurückkehren, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Aber eines wird's im neuen "Hippo" weiterhin geben: die Volksbelustigung. Und wenn auch nur durch die schrillen "Trachten" seiner prominenten Besucher.

Promis, Partys, Tradition: Das war das Hippodrom

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