Die weinenden Holzfässer vom Hackerzelt

+
An Samstagen, wenn die Schankkellner ins Schwitzen kommen, lächeln die Fässer zufrieden – so wie Hacker-Wirt Toni Roiderer, der stolz seine neue zentrale Bierleitung zeigt.

München - Eine neue unterirdische Leitung versorgt die Schänken – Hightech misst ständig, wie viel Bier verkauft wird und informiert den Wirt per SMS.

Wenn der Wirt wenig Bier verkauft, weinen die Fässer. An diesem Vormittag ist das Hackerzelt noch nicht voll besetzt, die Temperaturen sind kühl, noch hält sich der Durst in Grenzen und alle neun Holzfässer auf dem „Maß-o-Meter“ verdrücken eine Träne. Das Maß-o-Meter ist das Hirn der neuen zentralen Bierleitung unter dem Zelt von Wirtesprecher Toni Roiderer. Sekundengenau wird hier angezeigt, wie viele Liter Bier an jedem der insgesamt zehn Zapfhähne der fünf Schänken ausgeschänkt wird.

Auch wenn die Holzfässer etwas anderes suggerieren, hinter der Bierversorgung der meisten Wiesnzelte steckt längst Hightech. Nur noch im Augustinerzelt wird aus Holzfässern ausgeschänkt, bei allen anderen Zelten kommt das Bier aus dem Tank. Doch ohne eine zentrale Leitung mussten die Tanks bisher an verschiedenen Stellen rund um das Zelt platziert werden. Beim Hackerzelt gibt es jetzt nur noch an einer Stelle ein zentrales Lager mit vier Tanks. Insgesamt 100 000 Liter Bier werden hier gelagert. Von außen sieht das Lager im Biergarten zwischen Hacker und Schottenhamel aus, wie eine romantische Berghütte – allerdings sind die Fenster nur aufgemalt. Dahinter verbergen sich neben den Tanks zahlreiche Rohre und ein Baucontainer. Darin wird die Leitung mit Technik des Münchner Konzerns Siemens gesteuert. Zu sehen ist davon nur das Maß-o-Meter.

Die 260 Meter lange Ringleitung selbst verläuft 1,10 Meter unter der Oberfläche und bleibt das ganze Jahr im Boden, auch wenn das Oktoberfest wieder abgebaut ist. 500 000 Euro hat die Investition gekostet, die sich allerdings rechnen dürfte, weil so weniger Platz für Biertanks und mehr Platz für Bierbänke bleibt. Das Hackerzelt ist das dritte Zelt der Paulaner-Hacker-Pschorr-Brauerei, das eine solche Leitung bekommen hat.

Eine Pumpe beschleunigt das Bier auf eine Geschwindigkeit von mehr als 25 Zentimetern pro Sekunde. Per SMS informiert das System die Brauerei und den Wirt, wie viel Bier verkauft wird und ob es Fehlermeldungen gibt. An guten Tagen zapfen die Schankkellner bis zu 70 000 Liter aus den Tanks. Jeder Zapfhahn schafft dabei maximal 1200 Mass pro Stunde – alle drei Sekunden eine. Dann sind nicht nur die Holzfässer auf dem Bildschirm glücklich, sondern auch Wirt Roiderer.

Philipp Vetter

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Alle Infos zu den Festzelten auf dem Oktoberfest

Alle Infos zu den Festzelten auf dem Oktoberfest

Nicht nur Lieblingszelt der Promis: Das Käferzelt auf der Wiesn

Nicht nur Lieblingszelt der Promis: Das Käferzelt auf der Wiesn

Mehr reservierte Plätze auf der Oiden Wiesn

Mehr reservierte Plätze auf der Oiden Wiesn

Der "Himmel der Bayern": Alles Wissenswerte zum Hackerzelt

Der "Himmel der Bayern": Alles Wissenswerte zum Hackerzelt

Kommentare